"Umsatzsteuerkarussell": So schützen sich Fachhändler vor Betrügern

Der organisierte Umsatzsteuerbetrug nimmt beständig zu - oft werden dabei unschuldige Händler als "Buffer" in die Geschäfte eingebunden. Telecom Handel zeigt, wie sich Reseller vor diesen Betrügern schützen können.

Pro Jahr verliert der Staat mehr als 30 Milliarden Euro an Steuern durch Umsatzsteuerkarussellbetrug – so die Schätzung von Experten. Entsprechend groß ist die Motivation der Finanzbehörden zu deren Aufdeckung. Vor allem Händler sind dabei im Visier der Steuerfahnder, das gilt insbesondere für den Mobilfunk-, aber auch für den Computerchannel. „Wer in diesem Bereich tätig ist, läuft stets Gefahr, ungewollt mit Kriminellen eines Umsatzsteuerkarussells in Geschäftskontakt zu kommen“, warnt Dirk Beyer, Rechtsanwalt bei der Sozietät Konlus in Bergisch Gladbach und Experte für Steuerrecht. Doch was steckt eigentlich hinter dem Begriff „Umsatzsteuerkarussell“?

Grundlage des Betrugs ist unser Umsatzsteuersystem. Jeder Händler kennt das Prinzip: Er berechnet beim Verkauf von Waren und Dienstleistungen seinen Kunden 19 Prozent Mehrwertsteuer, die er an das Finanzamt abführt. Aber auch er ist verpflichtet, beim Einkauf Steuern zu bezahlen – diese Vorsteuer wird mit der Steuer, die er von Kunden einnimmt, gegengerechnet – Stichwort Vorsteuerabzug. Bei einem Umsatzsteuerkarussell werden Waren von Händlern, die jeweils zum Vorsteuerabzug berechtigt sind, im Kreis verkauft. Der Schaden entsteht dadurch, dass ein Unternehmen planmäßig seine Umsatzsteuerzahllast nicht an die Finanzverwaltung entrichtet und „untertaucht“ – im Fachjargon wird dieser Händler „Missing Trader“ genannt, erklärt der Braunschweiger Rechtsanwalt Dominik Ossada.

Häufig werden zudem Unternehmen in verschiedenen Mitgliedsstaaten der EU eingebunden, weil durch die Berechnung der Umsatzsteuer bei grenzüberschreitenden Geschäften die Betrugsabsichten begünstigt werden. „Dieses schnelle mehrfache Durchschleusen zwischen mehreren Beteiligten gibt dem System seinen Namen: Karussell“, so Beyer. Finanzämter stellt dieses Beziehungsgeflecht vor eine große Herausforderung.

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