Degen: „Das Rennen ist noch offen“

Ingo Degen, Geschäftsführer Degen GmbH Communication

Trotz Nokias Neuordnung von Distribution und Repair bleibt der Heilbronner TK-Distributor zuversichtlich – Kein Vollsortimenter, kein Nischenanbieter: Degen sieht sich mit seinem Portfolio gut aufgestellt – Ein neues Warenwirtschaftssystem soll die Händler unterstützen

Bühne frei: Ingo Degen ist neuer geschäftsführender Gesellschafter des TK-Distributors Degen. Die Firma feiert ihr 60-jähriges Jubiläum und stellt ein neues Warenwirtschaftssystem vor. Grund genug für Telecom Handel, sich bei dem neuen Mann an der Spitze über die derzeitige Lage des Unternehmens zu erkundigen – insbesondere vor dem Hintergrund der Umstrukturierungen bei Nokia.

Telecom Handel: Sie haben drei Jahre lang Fachhandelsluft geschnuppert und sind erst kürzlich wieder „nach Hause“, zu Degen, zurückgekehrt. Lief der eigene TK-Shop nicht mehr?
Ingo Degen: Ganz und gar nicht. Mein eigener Mobilfunk-Shop, IDE.Vision, in der Heilbronner Innenstadt besteht weiterhin. Ich bin nach wie vor Inhaber, habe zwei Mitarbeiter und bin regelmäßig vor Ort. Den Laden habe ich damals aufgebaut, mein ganzes Geld und Herzblut hineingesteckt. Daher ist mir der Laden immer noch sehr wichtig. Außerdem läuft der Laden so gut, dass ich ihn nicht aufgeben will.

Telecom Handel: Und Ihre Ware haben Sie dann immer bei Ihrem Vater Peter Degen bezogen?
Degen (schmunzelt): Unter anderem – aber auch überall dort, wo sie ansonsten verfügbar war und der Preis passte, beispielsweise war ich auch Aetka-Partner. Drei Jahre lang Konkurrenzbeobachtung – sozusagen.

Telecom Handel: Warum denn das?
Degen: Die alte Geschichte: eine typische Vater-Sohn-Beziehung, in der man auch mal die Ellenbogen ausfährt und eigene Wege gehen muss. Oder anders ausgedrückt: Um meinem Vater die Entscheidungsfindung zu erleichtern, habe ich mich einfach drei Jahre lang selbstständig gemacht – um dann auch wieder heimzukehren.

Telecom Handel: Wie kam denn der Schritt zurück ins Familienunternehmen zustande?
Degen: Der Schritt zurück war immer klar. Es ging nur um den richtigen Zeitpunkt. Die Firma gibt es ja bereits seit 60 Jahren, und schon als kleines Kind habe ich meinem Opa hier geholfen. Von daher war ich mir schon seit frühester Kindheit sicher, dass ich später hier arbeiten will und werde.

Telecom Handel: Ihr Vater ist aber noch aktiv im Unternehmen?
Degen: Jein. Mein Vater hat sich vor vier, fünf Jahren aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Mittlerweile ist er noch zweimal die Woche im Büro und steht mir beratend zur Seite. Im September geht er dann in seine wohlverdiente Rente.

Telecom Handel: Gibt es noch manchmal Meinungsverschiedenheiten – vor allem jetzt, wo der Sohn der Chef im Hause ist?
Degen: Natürlich ist man nicht immer der gleichen Meinung, aber er lässt mich meine eigenen Entscheidungen treffen. Immerhin hatte er selbst 30 Jahre lang als Geschäftsführer das Zepter in der Hand und aus dem Unternehmen das gemacht, was es heute ist. Er hatte den richtigen Riecher und ist gleich zu Beginn in das Mobilfunkgeschäft eingestiegen. Und jetzt ist es eben die richtige Zeit, loszulassen und dem Sohn das Ruder zu übergeben.

Telecom Handel: Was kennzeichnet denn die neue Ära?
Degen: Ich bin anders als mein Papa, da laufen die Dinge automatisch anders. Was ich aber bereits getan habe: Ich habe einen Teil unserer CSC-Shopkette geschlossen. Von ehemals zwölf Shops bestehen jetzt nur noch zwei. Dieser Expansionskurs war Ende der 1990er richtig, ist aber nicht unser Kerngeschäft – das ist und bleibt die Distribution.

Telecom Handel: Hatten Sie eigentlich einen schweren Start als „Sohn von“?
Degen: Alles in allem hatte ich einen guten Einstand. Aber es gab natürlich auch Mitarbeiter, mit denen funktionierte die Zusammenarbeit unter den neuen Vorzeichen nicht, und man musste sich trennen. Die Schlüsselpositionen im Unternehmen habe ich neu besetzt und mit Rüdiger Kriete als Vertriebsleiter und Christian Strube als Einkaufsleiter ein glückliches Händchen gehabt. Mittlerweile haben wir übrigens 99 Mitarbeiter und damit mehr als zu meinem Start. Das gesamte Team arbeitet jetzt außerordentlich gut zusammen.

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