E-Tailer: Die Bedrohung aus dem Netz
Dass der Erfolg der E-Tailer nicht jedem Marktteilnehmer schmeckt, liegt auf der Hand. Unter den schärfsten Kritikern finden sich auch viele Fachhändler, die sich unter anderem über den ungleichen Preiskampf und die „Schnäppchenjagd“-Mentalität der Endkunden beklagen. Ein O2-Premiumpartner aus Bremen bestätigt: „Für uns im Einzelhandel wird es immer schlimmer, weil der Kunde immer mehr Online-Angebote vergleicht und im Shop nach diesen überdimensionalen Konditionen fragt. Das Eis wird für uns immer dünner – und einige Einzelhändler sind auch schon durchs Eis gebrochen.“
Mittlerweile diene das Ladengeschäft seiner Meinung nach hauptsächlich Hardware-Vorführungen und Reklamationen – der Händler als Blitzableiter für gefrustete Online-Käufer. Mit dieser Einschätzung steht der Händler keineswegs allein (siehe Händler-Echo). Aussagen wie „dem Handel schwimmen die Felle davon“, „das Internet ist des Handels Tod“ oder „Rette sich, wer kann!” sind ein beredtes Zeugnis für die Situation, in der sich die Branche befindet. Und selbst wenn die Lage nur halb so prekär wäre, wie die Einzel-Statements vermuten lassen – sicher ist: Das Internet hat die Karten im Konsumverhalten neu gemischt – zu Lasten des stationären Handels.
„Kaufen Sie nur bei Kik? Oder im World Wide Web?“
Dass sich damit ein ganzes Geschäftsmodell – nämlich das des ITK-Experten vor Ort – überlebt hat, ist indes unwahrscheinlich. Davon sind auch Hersteller und Distributoren überzeugt. So wie Stefan Vitzithum, Vorstand Einkauf und Produkte bei Brodos: „Der Fachhandel ist und bleibt die erste Adresse, wenn es um das Einkaufserlebnis, um persönliche und kompetente Fachberatung und Service geht.“ Ähnlich sieht das Oliver Fröhlich, Head of Retail Nokia Deutschland: „Die Stärke des Fachhandels ist und bleibt die fachliche Beratung – schließlich werden etwa 70 Prozent aller Kaufentscheidungen am PoS getroffen.“ Und Telepart-Chef Frank Reimann gibt zu bedenken: „Kaufen Sie all Ihre Bekleidung bei Kik? Oder im WWW? Den Bedarf an Beratungskompetenz wird es im Markt immer geben.“
Nichtsdestotrotz: Der Unmut mancher Reseller über Online-Händler und Endkunden ist verständlich. Ein wohl unlösbarer Widerspruch ist jedoch nicht von der Hand zu weisen: dass nämlich längst nicht nur Endkunden, sondern auch Fachhändler selbst im Internet shoppen. Vor allem dann, wenn der Preis beim E-Tailer günstiger ist als der HEK beim Distributor. NT-plus-Chef Volker Schwellenberg erklärt: „Die Diskussion über den E-Tail als Konkurrenz zur Distribution ist bereits vor einigen Monaten im IT-Channel entbrannt, da einige Fachhändler diesen als Einkaufsquelle angeben.“ Neben dem „aggressiven Pricing“ nennt er folgende Gründe für den Kauf beim E-Tailer: Gerade Kleinstkunden wünschen sich alternative Bezahlsysteme, beispielsweise per Kreditkarte, sowie einen schnelleren Autorisierungsprozess als in der Distribution.
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Leserkommentare (3)
Udo | Dienstag, 20. April 2010 22:11:22
Agfeo und z.B. Liebherr steuern dagegen
Hallo!
Einige Hersteller (nach jahrelangem 'darauf aufmerksam machen') haben begriffen, dass der Preisverfall im Internet z.B. einer Premium-Marke auf dauer nur schadet und dann kostet es unser aller Arbeitsplätze. Oder es folgen auf 'billige' Preise billige Löhne.
Agfeo und Liebherr sind dabei, dem Onlinehandel Grenzen aufzuzeigen - nur eine Frage der Zeit, wann andere folgen. Schaut man sich Bugaboo (Kinderwagen) an, so gibts im Internet die Ware keinen Cent günstiger - hier ist es gnau anders rum - vor Ort kann man evtl. noch ein Kopfkissenbezug aushandeln.
Mal schaun, was wird...geiz ist Geil ist vorbei - nur jetzt fehlt das Geld - siehe Harz4
Schönen Tag noch.
Stefan Lange, Geschäftsführer MediaVersand.de | Freitag, 16. April 2010 13:59:58
Stationärer Handel versus Online Handel
“Multi-Channel” statt “Versus”
Die jüngsten Entwicklungen sowie aktuelle Studien am Markt zeigen eindeutig, dass der stationäre Handel und der Online Handel nicht in Konkurrenz stehen, sondern sich gegenseitig stützen und ergänzen.
Meines Erachtens kommt es auf eine ganzheitliche medienübergreifende Ansprache des potentiellen Kunden an, die begleitet von Mehrwertdiensten und gutem Service, ein nahtloses Einkaufserlebnis bietet.
Die heutigen Verbraucher, egal ob jung oder alt wechseln von einem Vertriebsweg zum anderen. Die große Herausforderung ist einen interessierten Käufer beim "Wandern zwischen den Kanälen" nicht zu verlieren. Wenn der Online Shop und das Ladengeschäft gut miteinander vernetzt sind, dann bleiben auch die Umsätze nicht aus. Zumal immer mehr Online Kunden Ihre Waren im stationären Handel selbst abholen möchten.
Unser Unternehmen bietet zum Beispiel neben unserem Online Shop "MediaVersand.de" und einer Kunden-Hotline auch einen regionalen Abhol-Service ab, d.h. die Kunden können die online bestellten Artikel vor Ort erhalten.
Für den Kunden als auch für den Händler entstehen durch solche Cross-Channel-Services nur Vorteile, wie z.B. tatsächliches Kauferlebnis, keine Lieferkosten, persönlicher Service sowie Kundennähe, Cross-Selling Möglichkeitein, um nur einige zu nennen.
Last but not least ist die Mund-zu-Mund-Propaganada nicht zu verachten, ein zufriedener Kunde ist immer bereit eine Empfehlung auszusprechen!
Stefan Lange
Geschäftsführer von MediaVersand.de
Andreas | Samstag, 13. März 2010 13:59:00
Qualität der Beratung
Immer wieder das gleiche Thema. Der böse Onlinehandel macht den Fachhandel kaputt.
Ich habe in den 80er Jahren habe ich Fotokaufmann gelernt.
Damals schon war der Onlinehandel (ohne Internet) eine große Konkurrenz zum Fachhandel. Wer eine Spiegelreflex Kamera wollte, hat sich im Fachhandel beraten lassen, und dann z.B. beim Würzburger Fotoversand eingekauft.
Aber was solls: Dann hat man dem Kunden eben zu seiner Spiegelreflexkamera das nötige Zubehör verkauft und ihn mit perfekten Fotoabzügen im Laden gehalten. Da hat man mehr verdient als an der Spiegelreflex.
Auch gab es damals schon den Trend, Verkäufer im sogenannten Fachhandel nicht mehr vernünftig zu schulen.
Wieso soll dann der Verbraucher noch im Fachhandel kaufen, wenn er sich eh in Fachzeitschriften oder heute im Internet informieren muss, um qualifizierte Aussagen zu verschiedenen Produkte zu bekommen.
Der Fachhandel, der es versteht mit Kompetenz und Zusatznutzen seine Kunden zu halten, wird auch in Zukunft bestehen.
Aber wenn er es nicht einmal schafft, den bestehenden Kunden klar zu machen, dass das Geschrei der großen Multimediahändler, "wir sind die billigsten", gelogen ist; wenn er es nicht schafft mit Produkt und Verkaufsschulungen die Verkäufer zu mehr Abschlüssen zu bringen, dann braucht er sich nicht zu wundern, wenn er auf dem Markt nicht mehr bestehen kann.
Gruß
Andreas