Händler-Echo
„Sind E-Tailer die besseren Distributoren?“
„E-Tailer sind keinesfalls die besseren Distributoren, weil wir TK-Händler auf einen kompetenten Partner nicht verzichten können. Für uns Fachhändler ist eine langjährige, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit unseren Distributoren sehr wichtig. Daher sehe ich auch keine Bedrohung für dieses Geschäftsmodell. Eine partnerschaftliche Zusammenarbeit kann ich mir mit einem E-Tailer langfristig nicht vorstellen.“
Georg Feiertag, Inhaber FTF-Fernmeldetechnik, Sachsenkam
„Rette sich, wer kann!“
„Nun ist es also so weit: Nicht nur der Handel ist bedroht, nein, auch die Distribution. Warum? Ganz einfach – heute, in Zeiten des Internet, spielt so gut wie nur noch der Preis eine Rolle. Wir haben doch schon lange im Einzelhandel das Gefühl, dass wir nur noch Ausstellungsraum für die Hersteller – und gegebenenfalls Netzbetreiber – sind. Wir erklären treu und brav Vor- und Nachteile der Produkte, aber gekauft wird zu Hause im Internet, weil es da einfach günstiger ist. Diese Situation kann ich täglich -zigmal nachvollziehen und nachweisen. Wir verkaufen seit 1996 ausschließlich Kommunikation – Handys, Verträge, Zubehör, Reparaturen ... – und merken diesen Druck von Monat zu Monat intensiver.
Aber es sind ja um uns herum nicht nur Handy-Shops, die leiden. Da sind die Modeläden, Schuhläden und Kaufhäuser genauso betroffen. Man muss sich mit diesen Leuten einfach mal unterhalten. Denn es gilt für alle Branchen: Sobald man ein standardisiertes Produkt kaufen möchte und man sich der Bestellnummer sicher ist, kann man per Internetbestellung einfach Geld sparen: Probieren Sie die Levi’s-Jeans im Laden an, notieren Sie sich Typ und Größenbezeichnung; informieren Sie sich über eine Kaffeemaschine, notieren Sie die Typenbezeichnung; suchen Sie ein Handy, lassen Sie sich es erklären, wägen Sie ab, bestellen Sie im Internet – es ist günstig, es wird angeliefert, und Sie brauchen es nicht nach Hause zu tragen.
Die Märchen von den Betrügereien im Internet sterben immer mehr aus. Internethandel ist einfach inzwischen die Marktmacht des Handels überhaupt und ist letztendlich auch der Tod der Kaufhäuser. Überleben können eigentlich nur solche Händler, deren Lieferanten keinen preiswerteren Weg des Bezugs zulassen und die einen Gebietsschutz forcieren. Diese Geschäfte laufen gut und verdienen auch Geld. Ich nenne zwei Beispiele aus unterschiedlichen Branchen, wo der Handel funktioniert und die Margen stimmen: Taschen von Louis Vuitton und T-Mobile-Verträge mit dem iPhone. Warum das so ist? Es ist die abgeschottete Exklusivität. Alle offiziellen Bezugsquellen bieten diese Produkte nur zu Einheitspreisen. Da lohnt es sich nicht, rumzulaufen, zu feilschen und im Internet zu suchen. Nur über Umwege und unseriöse Quellen kann man eventuell an die Produkte günstiger gelangen, aber immer mit Einschränkungen und Problemen beim Service.
Und dass wir im Handel erst am Anfang des Internetproblems stehen, dürfte jetzt spätestens allen klar geworden sein, wenn Google verkündet, seine eigenen Handys exklusiv im Internet vertreiben zu wollen – das ist die Zukunft. Rette sich, wer kann – Elektronik-Händler und Distributoren! Der Handel ist im Wandel! Wir brauchen neue Vertriebsmodelle! Neue Wege müssen dringendst her! Der Preisvergleich durch das Internet ist des Handels Tod.“
Wolfgang Padel, Verkaufsleiter ACK GmbH, Düsseldorf
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Leserkommentare (3)
Udo | Dienstag, 20. April 2010 22:11:22
Agfeo und z.B. Liebherr steuern dagegen
Hallo!
Einige Hersteller (nach jahrelangem 'darauf aufmerksam machen') haben begriffen, dass der Preisverfall im Internet z.B. einer Premium-Marke auf dauer nur schadet und dann kostet es unser aller Arbeitsplätze. Oder es folgen auf 'billige' Preise billige Löhne.
Agfeo und Liebherr sind dabei, dem Onlinehandel Grenzen aufzuzeigen - nur eine Frage der Zeit, wann andere folgen. Schaut man sich Bugaboo (Kinderwagen) an, so gibts im Internet die Ware keinen Cent günstiger - hier ist es gnau anders rum - vor Ort kann man evtl. noch ein Kopfkissenbezug aushandeln.
Mal schaun, was wird...geiz ist Geil ist vorbei - nur jetzt fehlt das Geld - siehe Harz4
Schönen Tag noch.
Stefan Lange, Geschäftsführer MediaVersand.de | Freitag, 16. April 2010 13:59:58
Stationärer Handel versus Online Handel
“Multi-Channel” statt “Versus”
Die jüngsten Entwicklungen sowie aktuelle Studien am Markt zeigen eindeutig, dass der stationäre Handel und der Online Handel nicht in Konkurrenz stehen, sondern sich gegenseitig stützen und ergänzen.
Meines Erachtens kommt es auf eine ganzheitliche medienübergreifende Ansprache des potentiellen Kunden an, die begleitet von Mehrwertdiensten und gutem Service, ein nahtloses Einkaufserlebnis bietet.
Die heutigen Verbraucher, egal ob jung oder alt wechseln von einem Vertriebsweg zum anderen. Die große Herausforderung ist einen interessierten Käufer beim "Wandern zwischen den Kanälen" nicht zu verlieren. Wenn der Online Shop und das Ladengeschäft gut miteinander vernetzt sind, dann bleiben auch die Umsätze nicht aus. Zumal immer mehr Online Kunden Ihre Waren im stationären Handel selbst abholen möchten.
Unser Unternehmen bietet zum Beispiel neben unserem Online Shop "MediaVersand.de" und einer Kunden-Hotline auch einen regionalen Abhol-Service ab, d.h. die Kunden können die online bestellten Artikel vor Ort erhalten.
Für den Kunden als auch für den Händler entstehen durch solche Cross-Channel-Services nur Vorteile, wie z.B. tatsächliches Kauferlebnis, keine Lieferkosten, persönlicher Service sowie Kundennähe, Cross-Selling Möglichkeitein, um nur einige zu nennen.
Last but not least ist die Mund-zu-Mund-Propaganada nicht zu verachten, ein zufriedener Kunde ist immer bereit eine Empfehlung auszusprechen!
Stefan Lange
Geschäftsführer von MediaVersand.de
Andreas | Samstag, 13. März 2010 13:59:00
Qualität der Beratung
Immer wieder das gleiche Thema. Der böse Onlinehandel macht den Fachhandel kaputt.
Ich habe in den 80er Jahren habe ich Fotokaufmann gelernt.
Damals schon war der Onlinehandel (ohne Internet) eine große Konkurrenz zum Fachhandel. Wer eine Spiegelreflex Kamera wollte, hat sich im Fachhandel beraten lassen, und dann z.B. beim Würzburger Fotoversand eingekauft.
Aber was solls: Dann hat man dem Kunden eben zu seiner Spiegelreflexkamera das nötige Zubehör verkauft und ihn mit perfekten Fotoabzügen im Laden gehalten. Da hat man mehr verdient als an der Spiegelreflex.
Auch gab es damals schon den Trend, Verkäufer im sogenannten Fachhandel nicht mehr vernünftig zu schulen.
Wieso soll dann der Verbraucher noch im Fachhandel kaufen, wenn er sich eh in Fachzeitschriften oder heute im Internet informieren muss, um qualifizierte Aussagen zu verschiedenen Produkte zu bekommen.
Der Fachhandel, der es versteht mit Kompetenz und Zusatznutzen seine Kunden zu halten, wird auch in Zukunft bestehen.
Aber wenn er es nicht einmal schafft, den bestehenden Kunden klar zu machen, dass das Geschrei der großen Multimediahändler, "wir sind die billigsten", gelogen ist; wenn er es nicht schafft mit Produkt und Verkaufsschulungen die Verkäufer zu mehr Abschlüssen zu bringen, dann braucht er sich nicht zu wundern, wenn er auf dem Markt nicht mehr bestehen kann.
Gruß
Andreas