Interview


E-Tailer – Freund oder Feind? Im Gespräch mit Telecom Handel beziehen Uwe Bauer, Vorstand der Fachhandelskooperation Aetka, und Katja Förster, Unternehmenssprecherin des Distributors Komsa, Stellung – und sind dabei nicht immer einer Meinung.

Telecom Handel: Mittlerweile nutzen nicht nur Endkunden, sondern auch viele Fachhändler den E-Tail als Einkaufsquelle: Sehen Sie E-Tailer eher als Bedrohung für Ihr Geschäftsmodell, als ernst zu nehmende Konkurrenz, die Ihnen die Fachhandelskunden abspenstig macht, oder eher als Kunden, denen Sie zum einen Ware liefern, zum anderen Logistik-Dienstleistungen anbieten?
Katja Förster: Komsa ist Dienstleister für die gesamte IKT-Branche und alle Stufen der Wertschöpfungskette. In dieser Funktion sind E-Tailer Kunden mit einer kanalspezifischen Betreuung und entsprechendem Support, etwa in Form von Logistikdienstleistungen.
Uwe Bauer: Für die Fachhandelskooperation Aetka sind E-Tailer ganz klar Konkurrenten wie Distributor x, Kooperation y oder eigene Netzbetreiber-Direkt-Vertriebsmodelle zum Endkunden.

Telecom Handel: Wie stehen Sie vor diesem Hintergrund zu Herstellern, Netzbetreibern und Service-Providern, die selbst – am Fachhandel vorbei – ihr eigenes Online-Business forcieren?
Bauer: Aetka vertritt die Interessen des freien Fachhandels, und deshalb sind für uns Versuche von Herstellern und Netzbetreibern, saubere Distributionswege zu verlassen und den Fachhandel auszuhebeln, nicht hinnehmbar.
Förster: Die Grenzen zwischen Konkurrent und Kunde verschwimmen zunehmend, denn Lieferant, Wettbewerber und Auftraggeber können praktisch die gleichen Spieler sein, wie man gerade in letzter Zeit an verschiedenen Beispielen sieht. Die von Komsa selbst gewählte Aufgabe als Fulfillment-Dienstleister der gesamten IKT-Branche ist es, alle Bedarfe speziell und umfassend zu bedienen.

Telecom Handel: Heute ist oft der Preis das entscheidende Kaufkriterium – für Endkunden wie auch für Fachhändler. Erlauben Sie mir daher die Frage: Sind E-Tailer gar die besseren, weil bisweilen billigeren ‚Distributoren‘?
Förster: Billiger ist nicht gleich besser. Unsere Erfahrungen und die Ergebnisse aus Fachhandelsumfragen bestätigen, dass sich die Leistung eines Distributors nicht allein am Preis festmacht, sondern vielmehr aus dem Gesamtpaket von marktfähigen Preisen, Lieferfähigkeit, Kundenbetreuung und Support zusammensetzt. Päckchen packen kann jeder!
Bauer: Auf den Endkunden bezogen: Wenn nur der Preis ausschlaggebend wäre, gäbe es mehr Lexus und weniger Mercedes auf Deutschlands Straßen.

Telecom Handel: Aber hier geht es ja nicht um Preis und Image unterschiedlicher Produkte, sondern um die Preisdifferenz bei ein und demselben Produkt – im Internet und im stationären Handel. Ist nicht gerade die Preistransparenz durch den Online-Vergleich eine Bedrohung – zum einen für die Distribution, zum anderen für den stationären Handel, das klassische Ladengeschäft?
Förster: Wenn man Distribution auf das Packen und Versenden von Paketen beschränken würde, dann sicher. Die Funktion eines Distributors, wie Komsa sie versteht, geht aber weit über die Lieferung von Ware hinaus.
Bauer: E-Tailer sind Realität. Wir verteufeln sie nicht, sondern stellen uns mit unseren Stärken dem Wettbewerb Wir wissen, dass Endkunden bereit und sich durchaus bewusst sind, im Fachhandel einen anderen Preis als im Internet zu bekommen und dafür persönlich betreut und beraten zu werden. Ein kleines Preisgefälle – rund zehn Prozent – stellt kein Problem dar. Was darüber hinausgeht, ist ernsthafte Konkurrenz genauso wie aggressive Angebote von Großflächen oder Discountern. Anfang der 90er wurde dem UE-Fachhandel der Niedergang prophezeit, weil der Versandhandel und Großvertriebsformen wie zum Beispiel Quelle oder ProMarkt stark wurden. Aber den Fachhandel gibt es immer noch. Solange es in unserer innovationsgetriebenen Branche erklärungsbedürftige Produkte gibt, die man anschauen und haptisch erleben will, bevor man sie kauft, wird es auch den Bedarf an Fachhandelsgeschäften geben. Und Kunden, die Wert auf Service nach dem Kauf legen, werden auch zukünftig den qualifizierten Fachhandel schätzen.

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Kommentar der Redaktion

Silvia Flier
Silvia Flier, Redakteurin

Bedeuten E-Tailer das Aus für Fachhandel und Distribution? Sicherlich nicht. Zwar stehen Online-Vermarkter mit Distributoren im direkten Wettbewerb, wenn es um den Fachhandel als Kunden geht. Die meisten Reseller schätzen jedoch durchaus die langjährige, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit ihren Distributionspartnern, die weit über die reine Warenbeschaffung hinausgeht. Darüber hinaus gehören E-Tailer selbst zum Kundenkreis der Großhändler, dem sie Ware liefern oder auch Fulfillment-Dienstleistungen anbieten. Der gesamte Markt hat sich durchs Internet verändert, die Grenzen zwischen Freund und Feind verschwimmen – diesen Herausforderungen müssen sich die Distributoren stellen.

So auch der stationäre Handel: Wie die Distributoren ihren (Fachhandels-)Kunden Mehrwerte bieten müssen, um sich von E-Tailern zu differenzieren, ist es auch am Fachhandel, seine (End-)Kunden mit Beratung und Service zu überzeugen – die Bestandskunden zu pflegen, Cross- und Upselling-Potenziale zu nutzen, neue Zielgruppen und Geschäftsfelder zu erschließen. So ist der Fachhandel keineswegs ein Auslaufmodell, sondern eine Anlaufstelle für diejenigen, die Wert legen auf gesicherte Qualität und kompetente Ansprechpartner vor Ort. Und für die immer größer werdende Gruppe derer, die aus unschönen Einkaufserlebnissen bei unseriösen OnlineShops gelernt haben.

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Leserkommentare (3)

Udo | Dienstag, 20. April 2010 22:11:22

Agfeo und z.B. Liebherr steuern dagegen

Hallo!
Einige Hersteller (nach jahrelangem 'darauf aufmerksam machen') haben begriffen, dass der Preisverfall im Internet z.B. einer Premium-Marke auf dauer nur schadet und dann kostet es unser aller Arbeitsplätze. Oder es folgen auf 'billige' Preise billige Löhne.
Agfeo und Liebherr sind dabei, dem Onlinehandel Grenzen aufzuzeigen - nur eine Frage der Zeit, wann andere folgen. Schaut man sich Bugaboo (Kinderwagen) an, so gibts im Internet die Ware keinen Cent günstiger - hier ist es gnau anders rum - vor Ort kann man evtl. noch ein Kopfkissenbezug aushandeln.
Mal schaun, was wird...geiz ist Geil ist vorbei - nur jetzt fehlt das Geld - siehe Harz4

Schönen Tag noch.

Stefan Lange, Geschäftsführer MediaVersand.de | Freitag, 16. April 2010 13:59:58

Stationärer Handel versus Online Handel

“Multi-Channel” statt “Versus”

Die jüngsten Entwicklungen sowie aktuelle Studien am Markt zeigen eindeutig, dass der stationäre Handel und der Online Handel nicht in Konkurrenz stehen, sondern sich gegenseitig stützen und ergänzen.

Meines Erachtens kommt es auf eine ganzheitliche medienübergreifende Ansprache des potentiellen Kunden an, die begleitet von Mehrwertdiensten und gutem Service, ein nahtloses Einkaufserlebnis bietet.

Die heutigen Verbraucher, egal ob jung oder alt wechseln von einem Vertriebsweg zum anderen. Die große Herausforderung ist einen interessierten Käufer beim "Wandern zwischen den Kanälen" nicht zu verlieren. Wenn der Online Shop und das Ladengeschäft gut miteinander vernetzt sind, dann bleiben auch die Umsätze nicht aus. Zumal immer mehr Online Kunden Ihre Waren im stationären Handel selbst abholen möchten.

Unser Unternehmen bietet zum Beispiel neben unserem Online Shop "MediaVersand.de" und einer Kunden-Hotline auch einen regionalen Abhol-Service ab, d.h. die Kunden können die online bestellten Artikel vor Ort erhalten.

Für den Kunden als auch für den Händler entstehen durch solche Cross-Channel-Services nur Vorteile, wie z.B. tatsächliches Kauferlebnis, keine Lieferkosten, persönlicher Service sowie Kundennähe, Cross-Selling Möglichkeitein, um nur einige zu nennen.

Last but not least ist die Mund-zu-Mund-Propaganada nicht zu verachten, ein zufriedener Kunde ist immer bereit eine Empfehlung auszusprechen!

Stefan Lange
Geschäftsführer von MediaVersand.de

Andreas | Samstag, 13. März 2010 13:59:00

Qualität der Beratung

Immer wieder das gleiche Thema. Der böse Onlinehandel macht den Fachhandel kaputt.
Ich habe in den 80er Jahren habe ich Fotokaufmann gelernt.
Damals schon war der Onlinehandel (ohne Internet) eine große Konkurrenz zum Fachhandel. Wer eine Spiegelreflex Kamera wollte, hat sich im Fachhandel beraten lassen, und dann z.B. beim Würzburger Fotoversand eingekauft.

Aber was solls: Dann hat man dem Kunden eben zu seiner Spiegelreflexkamera das nötige Zubehör verkauft und ihn mit perfekten Fotoabzügen im Laden gehalten. Da hat man mehr verdient als an der Spiegelreflex.

Auch gab es damals schon den Trend, Verkäufer im sogenannten Fachhandel nicht mehr vernünftig zu schulen.
Wieso soll dann der Verbraucher noch im Fachhandel kaufen, wenn er sich eh in Fachzeitschriften oder heute im Internet informieren muss, um qualifizierte Aussagen zu verschiedenen Produkte zu bekommen.

Der Fachhandel, der es versteht mit Kompetenz und Zusatznutzen seine Kunden zu halten, wird auch in Zukunft bestehen.
Aber wenn er es nicht einmal schafft, den bestehenden Kunden klar zu machen, dass das Geschrei der großen Multimediahändler, "wir sind die billigsten", gelogen ist; wenn er es nicht schafft mit Produkt und Verkaufsschulungen die Verkäufer zu mehr Abschlüssen zu bringen, dann braucht er sich nicht zu wundern, wenn er auf dem Markt nicht mehr bestehen kann.

Gruß
Andreas

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