Ethno-Anbieter: Die Heimat am Hörer


Allen Tarifen gemein ist die einmalige Verbindungsgebühr, die für jedes Gespräch ins Ausland erhoben wird. Diese beträgt in der Regel 15 Cent, nur bei SIMVoice und Talk Tiger sind es 19 Cent. Ein Gespräch sollte also mehrere Minuten dauern, sonst verpufft der an sich günstige Minutenpreis. Dieser wird im Übrigen im Minutentakt berechnet, 61 Sekunden kosten also genauso viel wie 119 Sekunden. Bei der Netzwahl setzen fast alle Anbieter auf E-Plus, ähnlich wie auch die meisten Discounter in Deutschland. Lediglich Lebara greift auf das Netz der Telekom zurück, und Mobi funkt im Vodafone-Netz.

Keine Konkurrenz in Sicht?
Mit ihren Tarifen wildern Blauworld, Ortel und Co. in den angestammten Gefilden der Anbieter von Calling-Cards. Damit können Kunden über das Festnetz der Deutschen Telekom zu günstigen Preisen ins Ausland telefonieren. Die Minutenpreise liegen dabei teilweise deutlich unter denen der Mobilfunkanbieter, dennoch sehen diese keine echte Konkurrenz in Calling-Cards. „Calling-Cards sind ein nicht mehr zeitgemäßes und wettbewerbsfähiges Angebot“, ist sich beispielsweise Ratheesan Yoganathan, CEO von Lebara, sicher.

Und nach Ansicht von The Phone House verschiebt sich das Geschäft bereits von den Calling-Cards zu vergleichbaren Mobilfunkangeboten. „Wichtigster Grund dafür ist das Vertrauen, welches den Mobilfunkanbietern aufgrund ihrer Seriosität entgegengebracht wird“, sagt Produktmanager Feyzi Demirel.

Zum einen gewinnen die Ethno-Anbieter zwar Kunden von den Calling-Cards, zum anderen haben sie seit einiger Zeit eine direkte Konkurrenz in Form der Mobilfunk-Discounter. Fonic, Blau, Simyo und andere ermöglichen Telefonate in viele europäische Länder und meist auch in die USA bereits ab neun Cent pro Minute.

Dennoch geben sich die Anbieter gelassen: „Im Großen und Ganzen agieren wir in ganz anderen Vertriebskanälen mit anderen Zugängen zur Zielgruppe“, so Demirel von Talk Tiger. Und auch bei Mobi gibt man sich selbstbewusst: „Wir haben die Angebote zur Kenntnis genommen und sehen, dass unsere Konditionen für unsere Zielgruppe praktisch überall deutlich besser sind“, so Geschäftsführer Uwe Becker. Bei Lebara dreht man den Spieß sogar um: „Durch die Senkung der nationalen Gesprächsgebühren auf neun Cent in der Minute sind wir nun eine echte Alternative zu den Discountern.“

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Kommentar der Redaktion

Christopher Bertele
Christopher Bertele, Redakteur

Discount-Kunden zählen nicht unbedingt zu den großen Umsatzbringern im Handel, die ethnischen Zielgruppen, die Blauworld und Co. erreichen wollen, hingegen durchaus. Die Anbieter setzen stark auf den stationären Handel, dieser kann vor allem durch die Umsatzbeteiligung vieler Anbieter profitieren. Der einmal gewonnene Kunde wird dadurch für den Händler deutlich wertvoller. Zudem sind die Minutenpreise mittlerweile nah an denen der Calling-Cards, der Händler kann so auch diese Kundschaft für sich erschließen.


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