O2-Interview: "Der Erfolg liegt im Zusammenspiel"
20.01.2010 Roland Bernhard
Thorsten Haeser, Vertriebschef im Privatkundenbereich bei Telefónica O2 Germany, spricht über seine Pläne im Partnershop- und Fachhandelsvertrieb für 2010 und erklärt, weshalb der Handel mit O2 o mehr Kunden als mit Vertragstarifen gewinnen kann.
Seit Mitte November 2009 ist Thorsten Haeser Vertriebschef Privatkunden bei Telefónica O2 Germany. Telecom Handel sprach mit ihm über die Zukunft des indirekten Kanals, die 40-Euro-Aktion bei O2 o und über die HanseNet-Übernahme.
Telecom Handel: Kurz vor Weihnachten hatte O2 eine Aktion gestartet, bei der der Tarif O2o mit einem Rechnungslimit von 40 Euro im Internet vermarktet wurde. Auch die O2-Reseller konnten diesen Tarif bundesweit verkaufen – nicht jedoch der stationäre Handel. Warum diese Ungleichbehandlung?
Thorsten Haeser: Das Angebot gab es auch im Handel: Bevor wir den Tarif für eine befristete Zeit online angeboten haben, haben wir ihn in drei Großstädten – in Berlin, Hamburg und Köln – auch im stationären Handel getestet. Das Ganze war ja ein Test. Wir wollten feststellen, welcher Effekt sich ergibt, wenn man den Cap, also das Kostenlimit, von 60 Euro auf 40 Euro reduziert.
Telecom Handel: Und welcher Effekt hat sich ergeben?
Haeser: Im stationären Handel in den drei Städten hat sich das Angebot sehr positiv ausgewirkt. Auch für den Test im Online-Portal sind die Ergebnisse vielversprechend.
Telecom Handel: Heißt das, dass Sie den Tarif mit dem niedrigeren Kostenlimit nun als bundesweites Dauerangebot etablieren werden?
Haeser: Nein, das ist derzeit nicht geplant. Das niedrigere Kostenlimit war zunächst nur ein Test, um herauszufinden, wie Kunden auf solche Preispunkte reagieren.
Telecom Handel: Ihr Ziel, mit O2 o bis Ende 2009 eine Million Kunden zu gewinnen, haben Sie erreicht. Doch bei der Einführung des Tarifs war ein lauter Aufschrei der Entrüstung im Fachhandel zu vernehmen …
Haeser: O2o hat eine große Zugkraft im Markt entwickelt. Für den Fachhandel ist O2 o eine Chance, das Produkt gut zu verkaufen.
Telecom Handel: Dennoch gab es Kritik am neuen Provisionssystem. Manchem Händler ist der Spatz in der Hand – also eine ordentliche Abschlussprämie – lieber als die Taube auf dem Dach, sprich die Billsize-Beteiligung …
Haeser: Hier ist vielleicht ein Umdenken nötig: O2 o ist für den Fachhändler eine Chance, langfristig an den Umsätzen des Kunden mitzuverdienen – und das ohne Vertragsverlängerung. Außerdem können die Händler mit O2 o ganz andere Stückzahlen umsetzen als vorher mit den alten Tarifen, die höhere Einstiegsbarrieren für den Kunden hatten. O2 o zu verkaufen ist viel leichter als einen Tarif mit 20 Euro Grundgebühr und 24 Monaten Vertragslaufzeit.
Telecom Handel: Sie selbst sind erst seit kurzem Vertriebschef für das Privatkundengeschäft. Welche Pläne haben Sie für 2010?
Haeser: Ein ganz großes Thema wird sicherlich Online sein, hier steckt meiner Meinung nach noch vieles in den Kinderschuhen. Wir müssen uns den neuen Medien weiter öffnen. Gerade das Zusammenspiel von physischen Vertriebskanälen mit dem Internet ist eine spannende Sache.
Telecom Handel: Wie könnte ein derartiges Zusammenspiel denn aussehen?
Haeser: Ein Beispiel: Wenn ein Kunde auf das Online-Portal von O2 geht, könnte er sich dort einen Gutschein ausdrucken, mit dem er dann zu seinem stationären Händler um die Ecke geht. Gegen Vorlage des Gutscheins erhält er dann bestimmte Vorteile. Umgekehrt kann ich mir vorstellen, dass ein Kunde, der beim Händler steht und zum Beispiel Fragen zu seinem Vertrag oder seiner Rechnung hat, gesagt bekommt: Ich kann das zwar hier machen, aber warum erledigen Sie das nicht selbst online. Das geht schneller, und der Kunde bekommt dabei bestimmte Vorteile.
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Leserkommentare (6)
Tom | Freitag, 19. März 2010 15:18:07
Flankentarife
Als Händler sollte man sich hier mehr auf Flankentarife und Data fokussieren. O2o sollte einfach nur ein Cross-Seller sein.
Einfach jedem einen mitgeben und die Quote stimmt.
Dirk Drexler | Freitag, 22. Januar 2010 11:22:15
Base/EPLUS überholt jetzt 02
Hi
Habe gerade die neuen Tarife von Base am 1 Februar.
Nachzulesen auf Teletarif.de
Base hat jetzt den o2o überholt. Keine Grundgebühr inclusvie 30 min Telefonieren und SMS zu Base. Für 10 EURO SMSFLAT/Allnet. Kein Anschlußpreis. ALLNET gibt für 100% alles gibt es als Option mit nur 1 Monat Vertragslaufzeit.
Nur sie haben 19 Cent in alle Netze ohne Option.
Mal gespannt ob die Provisionen bleiben oder jetzt da auch 10 Euro kommen.
MR. X | Donnerstag, 21. Januar 2010 14:31:20
O2O
Hallo an alle...
O2 arbeitet völlig unüberlegt...
Sicher kann man nicht von der Hand weisen das sich der Tarif gut verkaufen läßt, da er für Viel-, Mäßig- und Wenigtelefonierer geeignet ist...
Aber der Handel verdient kaum was dran und in der Regel hat der Kunde nur eine Nummer maximal 2 und was kommt dann????
Zudem gab es schon die ersten Kündigungen von O2 bei sogenannten Heavyusern und da freut es den Kunden nicht das es keine Laufzeit gibt....
Das war dann eher ein Rettungsanker von o2...
Mal schauen wann telefonica den Geldhahn zu dreht!!!!!!
Herbert | Donnerstag, 21. Januar 2010 13:28:44
O2 ist unfair gegenüber den Händlern
Wenn man betrachtet was O2 zurzeit betreibt muss mann sagen es ist der Unfairste Anbieter gegenüber den Händlern. Sogar bei den O2o hat der Kunde monatlich 9€ ersparnis wenn er den Vertrag Online über O2 Direkt abschliesst.
Dirk Drexler | Mittwoch, 20. Januar 2010 17:53:48
Meine Meinung
Hi
Genau. Wenn ein Händler da schon 2 bis 3000 Karten geschaltet hat ist das was anderes wie ein Händler der gerade anfängt. Der kann nicht überleben, da er vorher Pleite ist. Deswegen meine ich auch, das Shops aus den Fußgängerzonen verschinden werden und keine neue Folgen. Nur alt eingesessene können das vielleicht machen. Und der Tarif ist Super für den Kunden, aber deswegen wird man nicht das dreifache an o2o verkaufen. Es gibt immerhin Prepaid Karten ab 5 Cent Pro Minute und auch Fonic ist ein Produkt wo man sich selber Konkurenz macht. Also mit 15 Euro Prov.oder Prepaid nicht zu erwähnen , wer soll da überlegen ohne schon viele viele Karten im Umlauf zu haben (Fixkosten). Das holt man mit Airtime nie im Leben rein.
Thomas | Mittwoch, 20. Januar 2010 13:47:19
Zwei Seiten betrachten
Wichtig ist es hier, zwei Seiten zu betrachten. Auf der einen Seite hat Herr Haeser Recht, wenn er die langfristige Seite betrachtet, als Händler sein Geld zu verdienen. Die Einstiegsbarriere für neue Händler ist durch dieses Angebot aber unverhältnismäßig hoch, weil die Fixkosten von Beginn an da sind. In solchen Fällen muss eine gute Mischung gefunden werden, andernfalls wird es auch für die Marktstrategie von o2 schwer, vor Ort noch präsent zu sein.