Kommentar: Das sind die sieben Trends des Mobile World Congress
20.02.2009 Boris Boden
Boris Bodenstellv. ChefredakteurTelecom Handel
Android-Handys, Touchscreens und mobile Datendienste - Diese und andere Themen standen in Barcelona im Mittelpunkt des Interesses
Als am Donnerstagabend die rote Sonne vor Barcelona im Meer versank, machten sich wieder tausende Manager und Ingenieure der Mobilfunkbranche auf den Weg nach Hause. In den letzten Jahren nahmen sie meist die Zuversicht mit, auf der Gewinnerseite zu stehen. Das war 2009 jedoch anders, denn vor allem in Europa und Ostasien stagnieren die Märkte, und gestern noch erfolgsverwöhnte Optimisten müssen nun die Krise meistern. Dabei sollten die Erkenntnisse vom Mobile World Congress helfen, denn einige Trends für 2009 waren durchaus erkennbar:
1.Trend: Auch wenn es niemand mehr hören will: Ohne Touchscreen geht nur noch wenig bei den meisten Herstellern. Manchmal gibt es noch eine Tastatur dazu, die sich dann wie beim LG GD900 wieder als Touchscreen entpuppt, aber der Trend, den das iPhone gesetzt hat, hält an.
2.Trend: Smartphones ohne Ende: Auch wenn diese Produkte in Europa kaum 20 Prozent des gesamten Handy-Absatzes ausmachen, hatte man beim Messerundgang den Eindruck, dass es kaum noch "klassische Handys" gibt. In das vermeintlich margenträchtige Segment drängen nicht nur die Handy-Schmieden, sondern auch immer mehr IT-Firmen, die sich per se für Experten halten bei allem, wo Windows draufsteht.
3.Trend: Android kommt: Auch wenn in Barcelona nicht viele Geräte zu sehen waren, wird es 2009 etliche Produkte geben, auch von den Platzhirschen. Denn das Google-Betriebssystem sieht einfach zu gut aus und ist zu leicht zu bedienen, als dass man es ignorieren könnte, wenn man nicht gerade Nokia heißt.
4.Trend: Dienste ohne Ende: Ausgerechnet die Finnen verabschieden sich vom Sex-Appeal der Hardware und wollen die Tür zum mobilen Web ganz weit aufstoßen. Schade ist nur, dass die Netzbetreiber weiter mit teuren Tarifen, vor allem im Roaming, dagegenhalten. Die Übertragung dieses Kommentars aus Barcelona haben wir uns für Sie immerhin 14,95 Euro kosten lassen.
5.Trend: Frischer Wind: Nicht nur die IT-Firmen mit Smartphones treten verstärkt auf, auch Hersteller "normaler" Handys wie Hyundai Mobile oder die Chinesen mischen jetzt mit und bringen mehr Features und Design ins untere Segment.
6.Trend: Öko auch im Handy: Wenn IT "green" wird, darf TK nicht fehlen. So sollen Solarlader, essbare Verpackungen und intelligentes Strommanagement die Welt ein bisschen besser machen. Ob das nicht eigentlich Selbstverständlichkeiten sind oder ob man sich darüber noch freuen darf, kann glücklicherweise jeder selbst entscheiden.
7.Trend: Es gibt noch Nischen: Wer schon immer mit zwölf Megapixeln mit dem Handy fotografieren, Filme in HD aufnehmen oder mit der Armbanduhr ein Videotelefonat führen wollte - das alles gibt es 2009.
Und dann noch eine Schlussbemerkung: Wenn Sie Motorola in unserer Berichterstattung zum MWC vermissen, gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht: Die gute ist, dass Motorola in Barcelona war. Schlecht ist dagegen, dass man außer wenigen bekannten Geräten nichts Neues dabei hatte. Angeblich soll an Android-Handys gearbeitet werden - diese müssten angesichts der momentanen Flaute aber schon echte Megaknaller werden, damit dieser traditionsreiche Name nicht vom Markt verschwindet.
- Umfrage