Kommentar: Der Lotse muss von Bord

TK-Urgestein Harald Stöber hat auf das künftige Schicksal "seiner" Arcor keinen Einfluss mehr

Am 1. August ist es soweit. Dann wird Harald Stöber nach mehr als elf Jahren an der Spitze des Festnetz- und Internetanbieters Arcor seinen Posten als Vorstandsvorsitzender abgeben. Während andere Manager ihre Schreibtische oft schon nach weniger als einem Jahr wieder räumen mussten, wurde Stöber zu einer festen Größe im deutschen Festnetzmarkt, der "seine" Arcor mit geschickten und auch harten Manövern durch die teilweise rauen Gewässer des Marktes manövriert hat. Nach der Liberalisierung des Festnetzmarkts im Januar 1998 sah sich Stöber mit dem Konzern Mannesmann Arcor starker Konkurrenz vor allem durch o.tel.o und MobilCom ausgesetzt.
Mit dem für alle äußerst über-raschenden Coup der Übernahme von o.tel.o im April 1999 machte der Manager Arcor mit einem Schlag zur eindeutigen Nummer zwei hinter der Deutschen Telekom, wo sich das Unternehmen bis heute behaupten kann. Drei Jahre später wurde Arcor selbst als Teil des Mannesmann-Konzerns von Vodafone übernommen, wenn auch nicht zu einhundert Prozent. In den Plänen des britischen Mobilfunkriesen hatte die Festnetzsparte jedoch keinen Platz, aufgrund einer Vertragsklausel konnte die unliebsame Festnetztochter aber nicht verkauft werden.
Das änderte sich erst vor etwas mehr als zwei Jahren, als Arcor dank des anhaltenden Breitband-Booms zum ersten Mal schwarze Zahlen schrieb und mit ständig steigenden Kunden- und Umsatzzahlen zunehmend attraktiver wurde. Das Ziel vieler großer Mobilfunkkonzerne in Europa, so auch von Vodafone, war es nun, als integrierter Anbieter Internet, Festnetz und Mobilfunk aus einer Hand vermarkten zu können. Die vollstän-dige Übernahme von Arcor im Mai dieses Jahres war dementsprechend absehbar.
Vodafone-Chef Friedrich Joussen will mit dem Arcor-Kauf den Abstand zur Deutschen Telekom deutlich verringern, immerhin kommen mit Arcor mehr als 2,6 Millionen DSL-Kunden zu Vodafone. Noch heißt es, die Marke Arcor werde für einige Jahre weiter existieren, es erscheint jedoch äußerst unwahrscheinlich, dass die britische Mutter langfristig eine kostspielige Zweimarkenstrategie dulden wird. Für das Arcor-Urgestein Stöber ist in der neuen Führungsstruktur von Vodafone indes kein Platz mehr, er wird als Aufsichtsratsvorsitzender in die Rolle des passiven Zuschauers gedrängt.
Es ist nun an Friedrich Joussen, den Erfolg Stöbers weiterzuführen. Um das selbst ausgelobte Ziel von 20 Prozent Marktanteil im DSL-Bereich binnen fünf Jahren erreichen zu können, muss die Einbindung der einstigen Tochter möglichst rasch erfolgen. Die Integration von Arcor kommt zwar nicht zu spät, Vodafone hätte sich aber die äußerst aufwendige und kostspielige Vermarktung von DSL-Angeboten unter eigenem Label durch schnelleres Handeln sparen können. Dass die von Joussen so genannte "Bündelung der Kräfte" langfristig unumgänglich war, steht außer Frage. Nicht zuletzt aufgrund stagnierender Umsätze im Mobilfunkmarkt ist die Bindung bestehender Kunden wichtiger denn je. Und diese Bindung ist unter anderem damit zu erreichen, dem Kunden alle TK-Dienste aus einer Hand zu bieten.

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