Kommentar: Doppelt hält nicht immer besser
31.10.2008
Stephan von Voithenberg
Die Systems wird durch zwei Veranstaltungen ersetzt. Ob die Rechnung aufgeht, wird sich zeigen
Noch heute bekommen die Organisatoren der Systems feuchte Augen, wenn sie an das Boomjahr 2000 zurückdenken. Alles, was Rang und Namen hatte in der Branche, versammelte sich damals auf dem Münchner Messegelände und feierte das goldene ITK-Zeitalter. Rund 150.000 Besucher und über 3.250 Aussteller machten die Systems aus Sicht der Veranstalter zu einer "Messe der Superlative". Acht Jahre später ist jetzt Schluss: Stetig sinkende Aussteller- und Besucherzahlen, der Konkurrenzkampf mit der CeBIT und diversen Hausmessen und nun auch noch die Finanzkrise haben dazu geführt, dass im "Arbeitszimmer der Branche" für immer das Licht ausgeknipst wird.
Dass angesichts der negativen Entwicklung in den vergangenen Jahren dringender Handlungsbedarf bestand, dürfte außer Frage stehen. Doch wohin geht nun die Reise? Diese Frage stellen sich wohl nicht nur die überraschten Aussteller, die trotz der strukturellen Probleme vom Konzept der Systems überzeugt waren. Auch die Messe München selbst hat bislang nur vage Andeutungen gemacht, welche Gestalt die zwei neuen Veranstaltungen annehmen könnten, die die Systems zukünftig ersetzen werden.
Die Rede ist zum einen von einer IT-Security-Messe, die erstmalig im Juni 2009 stattfinden wird. Der eigentliche Hoffnungsträger ist jedoch ein "völlig neuartiges Format", das Internet, Ausstellung, Firmen-Events, öffentliche Foren, Konferenzen und Social Events zusammenfassen und dabei vor allem "Entscheider" und die "Technologie-Avantgarde" adressieren soll. Dabei wird bereits heute der Eindruck erweckt, dass die Organisatoren mit dieser Veranstaltung alle Fliegen auf einmal mit einer Klappe schlagen wollen.
Doch wer zu viel will, steht am Ende manchmal mit leeren Händen da. Denn angesichts der überladenen Agenda besteht die Gefahr, die wesentlichen Bedürfnisse vieler Aussteller aus den Augen zu verlieren. Gerade kleinere Unternehmen haben die ruhige Atmosphäre auf der Systems geschätzt, um mit Fachbesuchern ins Gespräch zu kommen. Ob das neue Konzept diesem Anspruch gerecht werden kann, muss sich erst noch zeigen.
Vielleicht wäre es besser gewesen, die Veranstalter hätten die Systems einfach neu erfunden. Kompakter - und ohne sich an den Nimbus früherer Jahre zu klammern. Doch das wäre einem öffentlichen Eingeständnis gleichgekommen, dass die "alte" Systems die ursprünglichen Ansprüche einfach nicht mehr erfüllen konnte. Das neue Konzept hingegen konnte Messechef Klaus Dittrich der Öffentlichkeit "als notwendige Reaktion auf den Wandel in der ITK-Branche" verkaufen - und damit das offensichtliche Scheitern verschleiern. Überraschend ist das nicht: Denn spätestens seit der letzten Landtagswahl weiß ganz Deutschland, wie schwer sich so mancher Bayer mit Niederlagen tut.
- Umfrage