Kommentar: Gleiches Recht für alle
01.07.2008
Christopher Bertele, Redakteur
Der Fachhandel hat gegen die Dumping-Angebote aus dem Web kaum eine Chance
Kommentar zum Thema "Online-Vermarktung - Kundenklau im Web"
Früher war alles besser: Wer sich ein neues Handy kaufen oder -einen komplett neuen Mobilfunkvertrag abschließen wollte, den führte sein erster, weil einzig möglicher Weg zum Fachhändler seines Vertrauens. Wer sich informieren wollte, plante entweder den Besuch bei den einzelnen Netzbetreibern ein oder zog eine Fachzeitschrift zu Rate. Wie auch immer sich der Kunde informierte: in jedem Fall erfolgte der Vertragsabschluss beim Händler. Im Jahr 2008 sieht die Lage etwas anders aus, das World Wide Web bietet nicht nur alle Infos mit einem Mausklick, auch der Vertragsabschluss ist ohne weiteres online möglich. Für den Endkunden wurde durch den Internet-Boom vieles einfacher, der Fachhandel dagegen klagt über leere Shops. Stein des Anstoßes sind meist die Rabatte und Vergünstigungen, die Netzbetreiber und Service Provider bei Vertrags-abschlüssen auf ihren Webseiten anbieten und die der Fachhandel finanziell so kaum darstellen kann.
Auf diese Online-Vorteile angesprochen, führen die Anbieter gerne das Einkaufserlebnis an, das der Kunde nach wie vor nur im stationären Fachhandel bekommen könne. Allerdings ist dieses auch von einem gewissen Schnäppchengedanken geprägt, und wirkliche Schnäppchen gibt es leider vor allem im Web. Nicht selten kommt also der Kunde mit dem schönen Online-Rabatt im Hinterkopf in den Laden des -Händlers und ist durchaus bereit, einen Vertrag abzuschließen. Wenn der Verkäufer dann jedoch die -gewünschten Sonderkonditionen nicht bieten kann, wird der Kunde seinen Vertrag kurzerhand online abschließen. Da helfen auch die gerne zitierte Beratungskompetenz und die Service-Dienstleistung nichts - wenn der Kunde sparen kann, ist er durchaus bereit, darauf zu verzichten. Nicht umsonst erfreuen sich die Mobilfunk-Discounter eines ungebrochenen Zuspruchs.
Auf der anderen Seite kann man für die Online-Vermarktung der Netzbetreiber und Service Provider zumindest ein gewisses Verständnis aufbringen. Gerade in einem gesättigten Markt muss zwangsläufig mit harten Bandagen um jeden einzelnen Kunden gekämpft werden. Es ist allerdings nicht nachvollziehbar, weshalb Angebote wie eine Base-2-Flatrate zum halben Preis ausschließlich übers Web vermarktet werden können. Mit solchen Aktionen vergrault sich jeder Anbieter genau die treuen Fachhändler, die ihn über die Jahre groß gemacht haben. Hier muss ein Umdenken stattfinden - der Händler muss im Ladengeschäft dieselben Angebote machen können wie der Online-Shop und mit den gleichen Waffen um neue Kundschaft kämpfen dürfen. Geschieht dies nicht, dann verkommt der stationäre Handel zum reinen Beratungs- und Reparaturdienstleister, während die margenträchtigen Verträge weiterhin im Web abgeschlossen werden.
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