Kommentar: In stürmischen Zeiten

Boris Boden

Die Handy-Sparte von Motorola muss in einer schweren Marktsituation alleine laufen lernen

Ob es am Handy-Markt in den letzten Monaten rauf oder runter ging, Motorola zeigte einen konstanten Kurs - nur leider nach unten. Nachdem man kurz vor dem Verlust auch des dritten Platzes im Weltmarkt steht, musste die Reiß-leine gezogen werden. Durch die nun beschlossene Abspaltung soll ein frischer Wind durch die Firma wehen, während der gesunde Restkonzern gestärkt aufblühen soll. Das ist zumindest die Theorie der -Manager und Großaktionäre, doch es könnte alles ganz anders kommen.

Denn das weltweite Geschäft mit Mobiltelefonen steht gegenwärtig an der Schwelle zu einem Abklingen des Booms, ein ernstes Vorzeichen sind die ständig sinkenden Erträge, mit denen die Handy-Schmieden zu kämpfen haben. Angesichts -drohender Überkapazitäten hat sich letztendlich auch kein Käufer für Motorolas Handy-Sparte gefunden. Denn die Konkurrenten würden es wohl lieber sehen, wenn ein Wettbewerber aus dem Markt verschwindet, dessen Anteile sie dann selbst einnehmen könnten. So profitierte schließlich Motorola vor zwei Jahren noch selbst vom Siemens-Mobile-Niedergang.

Jetzt muss sich der Spin-off von Motorola ausgerechnet in dieser ungünstigen Phase beweisen: In den Industrieländern ist die Sättigung groß, und neue, den Markt treibende Innovationen sind kaum in Sicht; in den Entwicklungsländern hingegen hält der Boom zwar noch an, dort ist aber wenig zu verdienen. Selbst der Branchenprimus Nokia hat darunter zu leiden und reagiert mit vorsorglichen Maßnahmen wie der umstrittenen Werksschließung in Bochum.

Wie unter diesen Bedingungen ausgerechnet Motorola wachsen will, ist höchst fraglich. Es fehlen attraktive neue Modelle, die Kunden von der Konkurrenz weglocken können. Jetzt müsste dringend in neue Entwicklungen investiert werden, doch genau dazu braucht es Kapital und Top-Personal. Das Beispiel Siemens Mobile hat jedoch gezeigt, dass gerade die besten Kräfte als Erste das Weite suchen, wenn die Firma in eine Dauerkrise abrutscht. Zumindest ist die Trennung vom Restkonzern für die Entwicklung kein Drama, denn die viel beschworenen Synergien wurden schon in den letzten Jahren immer geringer. Es wurde zwar bei Motorola viel über Technologie geredet, doch verkauft haben sich die Handys aus den USA eigentlich immer nur über das Design und ein gutes Marketing.

Schade wäre ein weiterer Niedergang auf jeden Fall, denn Motorola hat als Pionier der Handy-Welt zahlreiche Innovationen und Top-Designs beschert. Der Fachhandel hat Motorola einst gehasst für die kryptische Bedienung und geliebt für Telefone, die sich - wie am Anfang das Razr - praktisch von selbst verkauft haben. Doch das waren die guten alten Zeiten, 2008 wird für alle deutlich härter.

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