Kommentar: Kein schöner Land
31.05.2010 Roland Bernhard
Roland Bernhard, Chefredakteur Telecom Handel
E-Plus gibt das Ziel der Breitbandversorgung auf dem Land auf.
27 Tage lang rangen die vier Mobilfunk-Netzbetreiber um die zur Versteigerung anstehenden LTE-Lizenzen.
Nach 224 Auktionsrunden trat dann ein, worüber schon zuvor spekuliert wurde: E-Plus zog sich aus dem Wettstreit um die begehrten, aber auch teuren 800-Megahertz-Frequenzen zurück; die sechs Frequenzblöcke für die Versorgung der ländlichen Bevölkerung gingen damit an die Telekom, Vodafone und Telefónica O2.
Seither bemüht sich E-Plus redlich, nicht als Verlierer der Auktion dazustehen. Von der Verdoppelung des bisherigen Frequenzspektrums schwärmt E-Plus-Chef Thorsten Dirks seitdem und verkündet zudem, dass die Kombination der ersteigerten Frequenzen mindestens so stark sei wie die der Wettbewerber. Dass dies nicht ganz der Wahrheit entspricht, weiß auch Dirks. Denn mit den ersteigerten Lizenzen wird der Netzbetreiber letztlich niemals eine flächendeckende Breitbandversorgung auf dem Land sicherstellen können.
Um dem Schicksal eines „Mobilfunk-City-Carriers“ zu entgehen, hat Dirks noch eine Möglichkeit: Genauso wie O2 früher teilweise im T-Mobile-Netz funkte, könnte E-Plus im Rahmen eines National-Roaming-Abkommens auf dem flachen Land ein fremdes LTE-Netz nutzen. Doch ob sich das für E-Plus rechnet, darf bezweifelt werden – und die Kundschaft von E-Plus war ja auch bisher nicht sonderlich verwöhnt, was die Netzabdeckung außerhalb der Ballungsräume angeht.
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