Kommentar: Mehr Markt

Roland Bernhard

Die Preise für IP-Bitstrom sind umstritten, doch der Markt profitiert

Mit der Genehmigung der Entgelte für den IP-Bitstrom-Zugang hat die Bundesnetzagentur den Weg frei gemacht für mehr Wettbewerb auf dem Breitbandmarkt. Ob mit dem Entscheid tatsächlich ein Schlussstrich im Streit um das neue Vorleis-tungsprodukt gezogen wurde, ist jedoch unsicher: Nicht nur die Telekom, sondern auch alle anderen -Anbieter von DSL-Anschlüssen mit und ohne Netz sind mit der neuen Regelung und speziell mit der Tarifierung unzufrieden. Je nachdem, wie weit die alternativen Carrier und Provider über ein gut ausgebautes -eigenes Netz verfügen, erscheint -diesen der nun genehmigte Preis -entweder als zu niedrig oder zu hoch. -
So hat sich auch der sonst so wortgewaltige VATM in diesem Fall mit der salomonischen Mitteilung begnügt, dass "die Preisfeststellung für den -IP-Bitstrom-Zugang vom Markt unterschiedlich aufgenommen worden ist". Dass die Telekom, die ursprünglich 24,76 Euro für den IP-Bitstrom-Zugang beantragt und dieses An-gebot dann wieder zurückgezogen hatte, um es zu überarbeiten, nicht zufrieden ist, verwundert nicht. Der Konzern hatte sich lange Zeit grundsätzlich gegen die Einführung des neuen Vorleis-tungs-pro-dukts gesträubt und wurde von der Bundesnetzagentur letztlich auf Drängen der EU-Kommission dazu genötigt.
Wie die Nachrichtenagentur dpa meldete, will die Telekom jetzt offenbar gerichtlich prüfen lassen, ob die Bundesnetzagentur nicht erst den neuen Antrag der Telekom hätte abwarten müssen. Unterstützung bekam die Telekom ausnahmsweise vom Breko. Dieser kritisierte die "Festsetzung niedriger IP-Bitstrom-Entgelte" als "Schlag ins Gesicht des Infrastrukturwettbewerbs", während BT Medienberichten zufolge gegen die Entscheidung vorgehen soll, weil die Tarife "zu nah am Endnutzerpreis und damit zu hoch" liegen.
Letztlich ist entscheidend, dass mit dem IP-Bitstrom-Zugang der Wettbewerb im DSL-Markt weiter angekurbelt wird und auch in ländlichen Regionen marktähnliche Verhältnisse geschaffen werden. Bei einer so komplexen Materie liegt es in der Natur der Sache, dass man es nicht allen recht machen kann.

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