Kommentar: iPhone 3G - Entzauberung eines Mythos
16.06.2008
Apple wagt mit dem neuen iPhone den Schritt zum Massenmarkt - das kann auch schiefgehen
Etwas zu haben, was nicht jeder hat und was damit gleichzeitig den Wohlstand seines Besitzers dokumentiert - das ist ein alter Traum vieler Menschen. Ein ganzer Markt baut auf Luxus auf, von der Uhr bis zum Sportwagen. Bei den Handys ist ein solch begehrtes Produkt das iPhone von Apple: Noch nie zuvor gaben Menschen vor dem offiziellen Marktstart eines Mobiltelefons so viel Geld aus, nur um an eines der raren Importgeräte zu kommen. Vielleicht waren es sogar - zumindest in Deutschland - zu viele, denn der "offizielle" Verkauf bei T-Mo-bile hinkt den Erwartungen hinterher. Wie es scheint, war nach der ers-ten Welle der Freaks und Avantgardisten der schmale Markt angesichts der sehr hohen Preise des Netzbetreibers schnell gesättigt. In den USA hingegen ist Apples erster Handy-Streich abverkauft und damit Platz für den Nachfolger in den Regalen der wenigen Shops, die das Privileg genießen, am Vertrieb teilhaben zu dürfen.
Das nun gezeigte neue Modell könnte vor allem in den USA wieder ein Erfolg werden und neue bisher iPhone-lose-Märkte erschließen. Es hat vor allem an Features zugelegt, wobei HSDPA endlich auch den Anspruch einer optimalen mobilen Web-Maschine rechtfertigt - zumindest wenn T-Mobile auch eine Flatrate zur 3,5G-Nutzung und nicht nur für EDGE dazu bringt. Auch GPS ist eine wichtige Ergänzung, denn die bisherige Standortbestimmung über das Mobilfunknetz war ziemlich ungenau. Nicht zugelegt hat dagegen die mittelmäßige Kamera, und auch der zunehmende Einsatz von Plastik dürfte dem Nobel-Look eher abträglich sein.
Doch irgendwo musste der Computerriese ja sparen, denn der Preis wurde mit 199 US-Dollar für die günstigste Version klar in Richtung Massenmarkt verändert und ist durchaus aggressiv. Wie viel die Kunden davon merken, ist jedoch fraglich, denn offenbar müssen die Netzbetreiber die Handys teuer bei Apple einkaufen und könnten daher in Versuchung geraten, ihre Marge über Grundgebühren oder Nutzungsentgelte zu machen. Solange der Verkauf an einen Vertrag gebunden bleibt, könnten sich gerade deutsche Kunden zurückhalten oder zum Kauf eines "freien" Geräts über die Grenze fahren. T-Mo-bile hat hier den Schlüssel zum Erfolg selbst in der Hand. Bisher lebten die Bonner bei der iPhone-Vermarktung ja offenbar in dem Irrglauben, es könne auch im Zeitalter des Internet-Shopping noch so etwas wie vertriebliche Exklusivität geben.
Banal könnte dagegen das iPhone als Konsumartikel werden: Wenn es sich jeder leisten kann, geht der -Nobel-Appeal flöten. Andererseits könnte Apple gerade auf dem hart umkämpften US-Markt den etablierten Handy-Schmieden richtig auf den Pelz rücken. Das Wort hat nun der Kunde - und der war schon immer unberechenbar.
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