Kommentar zu Nokias verlorenen Marktanteilen: Wie erstarrt
12.07.2010 Boris Boden
Boris Boden, Stellv. Chefredakteur
Im ersten Quartal des Jahres verzeichnete der Handy-Absatz in Westeuropa solides Wachstum, nur Nokia verliert im Vergleich zum Vorjahr.
Es ist schon verwunderlich: Während Apple mit dem neuen iPhone Verkaufsrekorde aufstellt und Samsung in Europa mit starkem Wachstum die Spitzenposition anstrebt, scheint (Noch-) Marktführer Nokia wie erstarrt.
So wurde der neue Smartphone-Hoffnungsträger N8 praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit vorgestellt und lässt bereits seit Monaten auf sich warten. Auch Produkte mit dem in Barcelona vollmundig angekündigten MeeGo-Betriebssystem sind bisher kaum in Sicht.
Währenddessen bröckelt der Marktanteil von Nokia sowohl bei normalen Handys als auch bei Smartphones dramatisch. Stückzahlen machen die Finnen vor allem in Märkten wie Indien oder Afrika, was sich negativ auf die Durchschnittserträge auswirkt.
Ein Gegensteuern ist dringend nötig, doch derzeit nicht erkennbar. Nokia braucht attraktive Touchscreen-Modelle in den mittleren und oberen Segmenten sowie endlich wieder ein Produkt, das bei den Kunden Begehrlichkeit weckt.
Die Zeiten, als die Marke der Maßstab für innovatives Marketing bei jungen Zielgruppen war, sind jedenfalls vobei – nur in der finnischen Zentrale scheint das noch nicht angekommen zu sein. Ein Tiefpunkt waren dabei die Web-Witze über den iPhone-Empfang – wer so neidisch wird, muss echte Probleme haben.
Dabei hat Nokia in der Entwicklung noch immer viel Potenzial und mit seinen Diensten eine breite Basis, das mobile Netz zu Millionen Kunden zu bringen. Doch dies muss das Unternehmen auch endlich wieder kraftvoll und glaubwürdig nach außen vermitteln.
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