Kommentar zu den neuen O2-Tarifen

Alles oder nichts - O2 geht mit seiner radikalen Tarifreform ein hohes Risiko ein

Mit einem gigantischen Werbeaufwand bemüht sich der Netzbetreiber O2 derzeit, seiner Tarifneuheit "O2 o" etwas Revolutionäres anzudichten. Ähnlich wie die Produktinnovationen Genion und Base soll "o" den Münchnern als hoffnungsvoll ersehnter Heilsbringer den Weg in die Mobilfunkzukunft aufzeigen. Über zwei Jahre lang, so heißt es, hat man bei O2 an dem neuen Konzept gestrickt, da liegt es auf der Hand, dass man den Erfolg nun schier erzwingen will - koste es, was es wolle.
Gut möglich ist jedoch, dass der Wunsch Vater des Gedankens bleibt. "o" ist als Kombination eines auf Minutenabrechnung basierenden Tarifs mit eingebautem Kosten-Stopp eine recht interessante Neuheit auf dem Markt, aber in der Innovationskraft wohl nicht mit Base oder Genion zu vergleichen. Das Problem dabei: Wenigtelefonierer greifen vermutlich auch zukünftig lieber zu einem Discount-Angebot, während sich Normaltelefonierer auch mit einer "normalen" Flatrate wohlfühlen dürften. Die kleine Gruppe derjenigen, deren Telefonaufkommen stark schwankt und für die "o" daher besonders interessant ist, bringt O2 jedoch kaum das notwendige substanzielle Wachstum bei den Neukunden.
O2 steckt in einem Dilemma. Seit Jahren verändern sich die Marktanteile im Mobilfunkmarkt kaum. Einzig E-Plus kann den Wettbewerbern mit seiner Billigstrategie das ein oder andere Prozentchen abluchsen. Um zu den Großen aufzuschließen, muss O2 jedoch T-Mobile und Vodafone attackieren - und fährt daher nun auf gut Glück eine Art "Alles oder nichts"-Strategie mit unsicherem Ausgang.
Unsicher ist jedoch auch, wie die Vertriebspartner auf das neue Modell reagieren werden - insbesondere in Hinblick auf die Provisionen.
Eine aufgestockte Billsize-Beteiligung klingt zwar nicht schlecht, doch in wirtschaftlich angespannten Zeiten dürfte so manchem Händler der Spatz in der Hand lieber sein als die Taube auf dem Dach. Und letztlich weiß niemand, wie lange die für "o" geworbenen Kunden tatsächlich bei den Münchnern bleiben werden - für den Handel ein schwer zu kalkulierendes Risiko. Sicher dagegen ist nur: Nicht jede Revolution in der Geschichte war von Erfolg gekrönt ...

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