Kommentar zum Application Store von Apple: Ein saftiger Apfel

Der Application Store auf dem iPhone zeigt, wie man mit Diensten Geld verdient

Das waren noch Zeiten, als die Mobilfunkbranche von der Realität unberührt von gigantischen Umsätzen mit Datendiensten träumen konnte. Da gab es zum Beispiel das aufstrebende Unternehmen E-Plus, das auf der CeBIT 2002 mit i-mode ein in Japan extrem erfolgreiches Portal für den deutschen Markt adaptieren wollte. Vollmundigen Versprechungen folgte das große Gähnen, denn der Dienst wurde ungefähr so angenommen wie eine Sauna im Kongo. Auch andere Netzbetreiber versuchten sich seitdem an Content-Angeboten und waren wie Vodafone etwas erfolgreicher, doch ein Boom blieb aus. Nur Jamba schaffte es mit Klingeltönen und nicht immer jugendfreien Inhalten, gut zu verdienen - vielleicht gerade, weil man weniger Hemmungen hatte als andere.
Inzwischen herrscht allgemein Ernüchterung, und so mancher Manager wird das Thema Dienste nur noch mit Samthandschuhen angehen, um nicht unnötig Marketinggeld zu versenken. Doch nun zeigt offenbar Goldfinger Steve Jobs mit Apple, wie auch mit Inhalten auf dem Handy Geld verdient werden kann. Sein Application Store läuft auf dem neuen iPhone 3G erst seit rund einem Monat und verdient schon eine Million US-Dollar pro Tag, die zu einem Drittel bei Apple landen, wo man gar nichts anderes tun muss, als Fremd-Software online zu stellen.
Zwar ist die Kundschaft auf die Verbreitung des Apple-Smartphones begrenzt, doch dessen Nutzer sind meist solvent und langen viel intensiver im Store zu als andere Handy-Besitzer. Der deutsche iPhone-Vertriebspartner T-Mobile dürfte das mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehen: Einerseits wird die Attraktivität des Gerätes und der dazugehörenden Datentarife erhöht, andererseits gehen die Downloads meist über die Flatrate, und am Content verdient der Netzbetreiber jetzt auch nichts mehr. Selbst das hauseigene Navigationsportal Navigate ist mit dem iPhone nicht nutzbar.
Das Erfolgsrezept von Apple scheint dabei einfach: Man nehme attraktive Inhalte, biete diese für vertretbare Preise an, erleichtere Download und Abrechnung und unterfüttere das Menü noch mit ein paar verlockenden Gratisprogrammen. Schon entsteht in der iPhone-Community ein Wettbewerb, wer die cooleren Inhalte auf seinem Handy vorhält. Über das iTunes-Portal kann der Hersteller zudem den Zufluss von Software leicht regulieren und verhindern, dass ein Wildwuchs entsteht.
Durch die Flat-Tarife für Daten muss der Kunde zudem nicht auch noch für Übertragungsgebühren zahlen. Auch wenn diese heutzutage bei den Netzbetreibern eigentlich recht niedrig sind, stellen sie aufgrund der Intransparenz während der Nutzung doch eine psychologische Hürde dar.

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