Kommentar zum Start der Photokina 2008

Die Spiegelreflexkamera soll der Fotobranche den lang ersehnten Aufschwung bescheren

Deutschland, das Land der Dichter und Denker." Das kennt man, das ist nichts Neues. "Deutschland, das Land der Fotografen." Das ist neu, klingt aber etwas überzogen, ruft man sich das bekannte Bild des mit etlichen Kameras behängten Asiaten vor allen nur erdenklichen Sehenswürdigkeiten in Erinnerung. Der Satz, mit dem Constanze Clauß, Sprecherin des Deutschen Photoindustrie-Verbandes, die Presse und die Öffentlichkeit für die Photokina in Köln begeistern will, drückt neben aller Euphorie auch eines aus: die Hoffnung, dass der seit langem prophezeite Boom in der Branche endlich eintreten möge. Zwar werden dieses Jahr mit neun Millionen Kameras so viele Geräte wie noch nie zuvor über die Ladentische gehen, für Ende 2008 rechnet der Bundesverband Technik des Einzelhandels (BVT) aber nur mit 200.000 Stück mehr als 2007. Das ist zwar ein stabiles Wachstum, von einem echten Boom kann aber keine Rede sein.
Zu lange hat sich die Photoindustrie auf das Rennen um die Kamera mit der höchsten Pixelzahl konzentriert und dabei oft die Qualität der Aufnahmen vernachlässigt. Nachdem der Markt mit kompakten Digitalkameras langsam einer gewissen Sättigung entgegengeht und wohl keine allzu großen Sprünge nach oben mehr zulässt, setzen die Hersteller nun auf das etwas kryptische Zauberwort DSLR. Die digitale Spiegelreflexkamera soll der Branche neue Impulse geben und die Absätze ankurbeln. Die Hoffnungen sind nicht ganz unberechtigt, denn aufgrund zuletzt stark gesunkener Preise ist die Spiegelreflexkamera längst kein reines Profi-Werkzeug mehr, sondern auch für Fotografie-Einsteiger erschwinglich; die Verkaufszahlen steigen entsprechend stark an.
Hinzu kommt, dass damit auch das Geschäft mit margenträchtigem Zubehör forciert werden kann, seien es zusätzliche Objektive oder größere Fototaschen. Doch auch der Umsatz mit anderen Zubehörprodukten entwickelt sich richtig gut. Wie die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) mitteilt, wurden 2007 rund 370.000 digitale Bilderrahmen verkauft, im Jahr davor waren es nur 33.000. Auch bei Speicherkarten steigen die Absatzzahlen stetig an, aufgrund der deutlich gesunkenen Preise fällt das Umsatzwachstum hier aber eher moderat aus.
Diese Zahlen belegen jedoch, dass im Bereich Digital Imaging noch gutes Geld zu verdienen ist, und das längst nicht mehr nur vom reinen Foto-Fachhandel. Durch die zunehmende Verbreitung von Foto-Handys kann auch der TK-Handel mit leicht erklärbaren Zubehörangeboten punkten und seine Umsätze aufbessern. Dennoch: Auch einfache Produkte wie Speicherkarten oder digitale Bilderrahmen verkaufen sich nicht von allein. Der Händler muss diese aktiv vermarkten, damit sich der Schritt in die Digital-Imaging-Branche für ihn auszahlt.

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