Kommentar zur von der Telekom geforderten Datenlöschung
28.11.2008
"Löschen? Oder nicht? Die Datenlöschaktion der Telekom ist wenig durchdacht."
Die Aufforderung der Deutschen Telekom an ihre Handelspartner, sämtliche Kundendaten zu löschen, ist ein Schnellschuss. Getrieben von der öffentlichen Meinung versucht die Konzernspitze, ihr Unternehmen endlich aus den Schlagzeilen zu bringen, und zwingt Mitarbeiter und Handelspartner quasi über Nacht in ein enges Korsett. Ohne Rücksicht auf bestehende Strukturen belebt die Telekom eine schon lange existierende Datenschutzrichtlinie wieder, deren Einhaltung sie selbst in der Vergangenheit nicht konsequent genug verfolgt und damit unseriösen Callcentern und Strukturvertrieben Vorschub geleistet hat. Dass nun langjährige und loyale Fachhandelspartner die Leidtragenden der zum Teil hausgemachten Probleme sein sollen, darf nicht sein.
Insbesondere der Aktionismus, mit dem nun in Bonn gehandelt wird, vergrätzt die Handelspartner - und das zu Recht. Denn die Datenlöschaktion ist nicht bis zu Ende gedacht: Würden die Händler tatsächlich alle Kundendaten vernichten, so müssten auch Teile der Buchhaltung gelöscht werden - was beim Finanzamt gar nicht gut ankäme.
Darauf, dass die Telekom von dem jetzt eingeschlagen Weg wieder abrücken könnte, sollten Händler jedoch nicht vertrauen. Nicht zuletzt der vom "Stern" aufgedeckte erneute Datenskandal von letzter Woche, demzufolge Adresshändler Kundendaten der Telekom auf dem Schwarzmarkt verkauft haben sollen, macht einen Rückzieher für die Telekom-Bosse unmöglich. Dennoch ist es jetzt wichtig, pragmatisch nach vorne zu schauen. Will die Telekom nicht Gefahr laufen, ihre besten Handelspartner und deren Kunden zu verlieren, muss sie einen Weg finden, um die Händler auch zukünftig am VVL-Geschäft teilhaben zu lassen - und das möglichst schnell.
Die Händler wiederum sollten die Möglichkeiten nutzen, die Daten von Bestandskunden legal zu speichern. Der Schwenk zu einem anderen Carrier ist dagegen sinnlos, da die Telekom mit Sicherheit dafür sorgen wird, dass auch die Wettbewerber beim Thema Datenschutz in Zukunft strenger verfahren werden. Langfristig könnte der Fachhandel von der gesamten Problematik sogar profitieren, da schwarzen Schafen die Grundlage für ihr Treiben entzogen wird.
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