05.05.2009, 11:43 Uhr

Klarmobil-Chef Hartmut Herrmann im Interview

Der Chef des Mobilfunk-Discounters will künftig "die Masse der Kunden über den PoS erreichen"
Bis vor kurzem waren die Mobilfunk-Discounter dem Fachhandel ein Dorn im Auge. Nicht selten kamen Kunden in den Laden und forderten dort die gleichen Preise wie bei den No-frills-Anbietern. Immer mehr Discounter setzen inzwischen jedoch auch auf den Handel als Vertriebskanal, so zum Beispiel Klarmobil.de. Telecom Handel sprach mit dem Geschäftsführer Hartmut Herrmann über die neue Vertriebsstrategie.
Telecom Handel: Sie haben Anfang des Jahres damit begonnen, Ihre Produkte auch über den Handel zu vermarkten. Wie sind Ihre ersten Erfahrungen damit?
Hartmut Herrmann: Konkret lässt sich das noch nicht sagen, da wir den Vertrieb über den Channel ja gerade erst gestartet haben. Noch haben wir aus unserer Historie heraus einen hohen Anteil im Online-Geschäft, in absehbarer Zeit wollen wir die Masse der Kunden aber über den PoS erreichen. Der Schwerpunkt liegt dabei klar auf der Marke Klarmobil.de, bei Media Markt und Saturn beispielsweise verschwindet unsere Schwester Callmobile aus den Regalen.
Telecom Handel: Was hat letztlich den Ausschlag für den Einstieg in den Handelsvertrieb gegeben?
Herrmann: Mittlerweile muss man auch als No-frills-Anbieter seine Produkte außerhalb des Internet vermarkten. Über Mobilcom-Debitel haben wir eine sehr große Distributionsplattform, die wir seit Anfang April zum Verkauf unserer Angebote nutzen.
Telecom Handel: Weshalb sollte ein Händler ein Discount-Angebot verkaufen anstelle eines Prepaid-Tarifs vom Netzbetreiber?
Herrmann: Die Nachfrage ist ohne Zweifel vorhanden; immer mehr Kunden kennen die Produkte aus der Werbung oder von Freunden. Der Handel muss sich der Realität stellen: Wer keine No-frills-Tarife im Angebot hat, überlässt das Geschäft schlichtweg den Online-Shops und den Lebensmittel-Discountern. Außerdem ist die Provisionierung in der Regel besser als bei klassischen Prepaid-Produkten. Denn bei den Prepaid-Bundles müssen die Netzbetreiber die Subventionierung immer weiter zurückfahren, da viele Geräte entsperrt und weiterverkauft werden. Entsprechend sinken auch die Provisionen für den Verkauf.
Telecom Handel: Wie hoch ist denn die Marge genau?
Herrmann: Die Handelsmarge ist sehr gut mit über 30 Prozent relativer Marge. Dazu vergüten wir zum Beispiel zusätzliche Leistungen wie die Aktivierung der Karte durch den Händler oder die Distribution.
Telecom Handel: Immer mehr Kunden nutzen ihr Handy auch für E-Mails und zum Surfen. Weshalb gibt es von Klarmobil.de noch keinen speziellen Datentarif?
Herrmann: Der Trend zur mobilen Datennutzung ist sicherlich da. Innovationen wie diese wurden in der Vergangenheit stets von den Netzbetreibern getragen, Discount-Angebote haben sich auf günstige Telefonie beschränkt. Heute kommen auch wir als No-frills-Anbieter an dem Thema nicht mehr vorbei, deshalb werden wir noch in diesem Quartal entsprechende Daten-Angebote wie Datenflats, Datenpakete oder Surfsticks in unser Portfolio aufnehmen.
Telecom Handel: Seit kurzem ist die Preisuntergrenze im Mobilfunk auf 7,5 Cent pro Minute gesunken - wie weit wird sich die Preisspirale noch abwärts drehen?
Herrmann: Das hängt in erster Linie von den Terminierungsentgelten ab. Bei diesem Thema muss man aber auch die Kirche im Dorf lassen. Wenn man im Monat 50 Minuten für neun Cent telefoniert, kostet das vier Euro. Bei einem Minutenpreis von 7,5 Cent sind es 3,75 Euro. Die Ersparnis für den Kunden ist da wirklich äußerst gering. Viel interessanter sind da Zusatzdienste wie Daten oder Community-Tarife, wie wir sie auch bei Klarmobil.de und Callmobile bereits anbieten. Der Preis allein ist längst kein Differenzierungsmerkmal mehr.



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