Im Test: Das erste Video-Navi Blaupunkt Travel Pilot 700

Blaupunkt Travel Pilot 700

Komplette Ausstattung und gute Navigationsleistungen - Das Video-Feature ist aber noch nicht ausgereift

Recht viel mehr kann man momentan nicht in ein Navigationsgerät packen: Der Blaupunkt Travel Pilot 700 kommt mit einer Fülle von Features, neben DVB-T verfügt er auch über WLAN und - erstmals in einem Navigator - Video-Navigation. Diese kann allerdings im Praxiseinsatz nur bedingt überzeugen. Um das Feature zu nutzen, muss der Fahrer zunächst das Gerät an der Windschutzscheibe anbringen und mittels im Display eingeblendeter Linien ausrichten. Damit das Navi anhand der 2-Megapixel-Kamera justiert werden kann, muss man jedoch theoretisch mitten auf seiner Fahrspur stehen, was höchstens auf Nebenstraßen mit wenig Verkehr möglich ist.
Wer sein Gerät samt Halterung zwecks Diebstahlschutzes nach der Fahrt entfernt, muss den Ausrichtungsvorgang zudem vor jeder Fahrt wiederholen. Während der Fahrt bringt die Kamera das Geschehen auf der Straße gut und mit nur geringer Zeitverzögerung auf den Touchscreen, Fahranweisungen werden in Form von Pfeilen direkt auf die jeweilige Fahrspur eingeblendet. Das funktioniert zumeist sehr gut, allerdings muss man sich erst an die Darstellung auf dem Display gewöhnen. Letztlich werden die meisten Nutzer aber auf die exzellente 3D-Darstellung zurückgreifen, zumal dabei das umständliche Ausrichten entfällt. Im 3D-Modus wird das Straßenbild übersichtlich angezeigt, und auch der Fahrspurassistent lotst zuverlässig auf die richtige Spur. Gerade in diesem Punkt würde sich die Video-Navigation anbieten, leider kam das Gerät hier aber immer wieder mit den einzelnen Fahrbahnen durcheinander.
Schildererkennung mit Schwächen
Die Kamera wird nicht nur zur Video-Navigation genutzt, Blaupunkt hat auf dem Gerät auch eine Software installiert, die Straßenschilder erkennt und so die aktuelle Geschwindigkeitsbegrenzung einblenden kann. Dieses Feature ist allerdings nicht im Video-Modus verfügbar, dazu reicht die Rechenleistung des Dual-Core-Prozessors mit 500 MHz wohl nicht aus. Die Erkennung der Schilder klappte in 90 Prozent der Fälle sehr gut, auch in Tunnels wurde fast immer das richtige Tempo-Limit angezeigt. Allerdings denkt die Lösung nicht mit, so wird beispielsweise ein Schild mit der Aufschrift "Zone 30" innerhalb einer Ortschaft schon mal als "Höchstgeschwindigkeit 90 km/h" interpretiert. Solch kleine Patzer wiegen aber relativ schwer, denn wenn der Fahrer sich nicht zu 100 Prozent auf die Anzeige verlassen kann, wird er sie auch nicht nutzen.
Vielfalt an Features
Auch wenn die neuen Features mit der Digitalkamera noch nicht wirklich ausgereift sind, hat Blaupunkt ein insgesamt gutes Navigationssystem entwickelt. Das Menü ist übersichtlich strukturiert, der Benutzer kommt mit wenigen Klicks zurück zum Hauptmenü. Zur Übersichtlichkeit trägt auch der sehr gute und kontrastreiche Touchscreen bei, der präzise auf Eingaben reagiert. Bis auf die Lautstärketasten und den Ein- und Ausschaltknopf wird der Travel Pilot komplett über das Display gesteuert. Zumindest zwei zusätzliche Tasten wären praktisch gewesen, etwa um die Sender im DVB-T-Modus zu wechseln, ohne Fingerabdrücke auf der Anzeige zu hinterlassen. Der Fernsehempfang ist dank der ausziehbaren Antenne gut, manchmal ruckelt allerdings das Bild ein wenig. Über Bluetooth fungiert das Gerät auch als Freisprecheinrichtung, der Klang der integrierten Lautsprecher ist sehr gut. Das Telefonbuch des Handys kann problemlos überspielt werden, und auch Daten wie Musikstücke oder Videos kommen mittels Bluetooth, USB oder WLAN zügig aufs Gerät. Über den integrierten Browser kann der Benutzer via WLAN auch im Internet surfen, eine Datenverbindung über das Handy ist aber nicht möglich.
Gehorcht aufs Wort
Wie in vielen Oberklasse-Navis lässt sich auch beim Blaupunkt das Reiseziel mittels Sprachkommando eingeben. Das klappte im Test recht gut, Ansagen während der Fahrt setzen allerdings eine relativ ruhige Umgebung voraus. Die manuelle Zieleingabe ist einfach und logisch, auch die Routenberechnung erfolgt sehr schnell. Auf Wunsch berücksichtigt das Gerät auch Verkehrsmeldungen über TMC, das deutlich bessere TMCpro ist trotz des stolzen Preises von 599 Euro nicht enthalten. Die berechneten Routen waren im Test gut bis sehr gut, auch durch schwierige Situationen lotste der Travel Pilot meist auf dem besten Weg.
Die Fahranweisungen erfolgen rechtzeitig und sind gut verständlich. Beim Rerouting vergehen maximal drei Sekunden, bis das Gerät die Route neu berechnet hat und das erste neue Sprachkommando gibt. An Kartenmaterial stehen 42 Länder Europas zur Verfügung, inklusive Russland. Witziges Detail: Ein Sprachführer liest die wichtigsten Sätze, die ein Tourist im Urlaubsalltag benötigt, auf Englisch vor.
Insgesamt bietet der Travel Pilot 700 gute Leistungen, der hohe Preis ist aber in Anbetracht der etwas unausgereiften Video-Features nicht gerechtfertigt. Keine Schwächen leistet sich das Gerät in puncto Navigation und Ausstattung: Wireless LAN, Text-to-Speech, Sprachkommandos und DVB-T sucht man woanders in dieser Kombination vergebens.

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