Interview 08.12.2016, 10:45 Uhr

Smart-Home-Vermarktung: Die Zukunft liegt in den Diensten

Den endgültigen Schritt in den Massenmarkt hat Smart Home laut Ansgar Schlautmann, Associate Director bei Arthur D. Little, noch nicht vollzogen. Besonders die Telcos müssten andere Wege in der Vermarktung gehen.
(Quelle: Andrey-Popov - Shutterstock)
Der Smart-Home-Experte Ansgar Schlautmann, Global Head of Innovative Business Designs Competence Center bei der Unternehmensberatung Arthur D. Little, gibt einen Ausblick auf die Zukunft des vernetzten Wohnens.
Telecom Handel: Herr Schlautmann, von vielen Seiten wird Smart Home der baldige Durchbruch in den Massenmarkt prophezeit – stimmen Sie dem zu?
Ansgar Schlautmann, Global Head of Innovative Business Designs Competence Center bei Arthur D. Little
Ansgar Schlautmann:
Nein, vom Massenmarkt sind wir derzeit noch weit entfernt. Im Bereich Convenience beispielsweise, also der Steuerung von Licht et cetera, sehen wir aktuell noch keinen Massenmarkt. Das ist auch darauf zurückzuführen, dass der Nutzen für den Kunden bei einem Starter-Kit mit einem Gateway, zwei smarten Steckdosen und vielleicht noch einem programmierbaren Wandtaster doch sehr gering ausfällt – vor allem in Anbetracht des oftmals relativ hohen Preises von mehreren hundert Euro. Ein Szenario, bei dem die heimische Kaffeemaschine vom Büro aus bedient werden kann, löst bei potenziellen Neukunden eher ein müdes Lächeln als Begeisterung aus. ‚Plug & Play‘-Lösungen sind sicherlich nicht die Zukunft von Smart Home, da wirklicher Nutzen zu häufig fehlt.
Wie sieht es im Sicherheitssegment aus? Hier ist der Use Case meist klarer umrissen und der unmittelbare Nutzen für den Konsumenten auch besser ersichtlich …
Schlautmann: Security ist einer der aktuell wichtigeren Kaufentscheide, das umfasst sowohl die Installation von Hardware als auch eventuell in Kombination mit Dienstleistungen von Sicherheitsunternehmen wie etwa Securitas. Der US-amerikanische Netzbetreiber AT&T beispielsweise hat mittlerweile mehr als eine halbe Million Haushalte, die einen Vertrag über Managed Security abgeschlossen haben.
Hängt die Zukunft von Smart Home also auch davon ab, wie gut Hersteller und Diens­teanbieter zusammenarbeiten und ­gemeinsame Lösungen auf den Markt ­bringen?
Schlautmann: Das wird ein entscheidender Faktor sein. Versicherungsanbieter werden eine immer wichtigere Rolle im Smart Home spielen. Diese könnten zum Beispiel bei nachgewiesener Installation eines Alarmsystems die Gebühren für den Kunden senken oder ihm sogar im Vorfeld beim Erwerb der Sicherheits-Hardware subventionierend unter die Arme greifen. 
Wie weit sind wir hier schon?
Schlautmann: Bei den Versicherungsanbietern wächst der Appetit langsam, wir sind derzeit aber eher noch beim Horsd’œuvre als beim Hauptgang. Ob der erhoffte Erkenntnisgewinn aber schon in den nächsten zwei Jahren eintreten wird, wage ich zu bezweifeln. Ich rechne eher mit einem Zeitraum von fünf Jahren, bis sich hier signifikant etwas ändern wird.




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