Mehr Geld für Händler 14.12.2015, 08:24 Uhr

Yourfone versucht den Befreiungsschlag

Nachdem die meisten Shopbetreiber rote Zahlen schreiben, will Yourfone seinen Partnern­ mit einer substanziellen Ausgleichszahlung unter die Arme greifen
(Quelle: katarinag / Shutterstock

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Zuletzt waren es vor allem die Gebiets- und Regionalleiter, die den Frust der Yourfone-Shopbetreiber zu spüren bekamen: Als unprofessioneller Klugscheißer, Briefträger ohne Budget und strategieloser Feuerlöscher musste sich der ein oder andere von seinen zu betreuenden Partnern bereits wüst beschimpfen lassen. „Da wird viel versprochen, aber wenig gehalten. Die rauben einem echt den letzten Nerv“ – so zumindest lautet überwiegend der Tenor, den mehrere Yourfone-Shopbetreiber gegenüber Telecom Handel äußerten.
Dass die Nerven bei den Yourfone-Partnern seit Wochen blank liegen, liegt jedoch nicht an den Außendienstlern. Es ist die wirtschaftliche Situation der Shops, die bei den Betreibern Panik ausgelöst hat und für die sie vielleicht einfach nur einen Blitzableiter brauchten. „Die Verluste sind einfach enorm, da stehen jede Menge Existenzen auf dem Spiel. Wir wissen ehrlich gesagt nicht mehr, wie wir das stemmen sollen.
Und es geht ja nicht nur uns so: Man sieht viele Kollegen kaputt gehen“, resümiert ein Yourfone-Partner aus Nordrhein-Westfalen – der wie all seine Mitstreiter lieber anonym bleiben möchte – den Start der neuen PoS-Marke gegenüber Telecom Handel. Andere geben bereits auf: „Anfangs habe ich Yourfone ja wirklich positiv gesehen. Aber diesen Monat ist Schluss. Ich packe das einfach nicht und werde definitiv die Kündigung rausschicken.“

Yourfone-Shops: Resümee nach drei Monaten

Gut drei Monate betreiben die meisten der mittlerweile 107 Yourfone-Partner nun ihren Laden. Drei Monate, in denen die Zahl der Vertragsabschlüsse von den prognostizierten Plan­zahlen weit entfernt war. „Nach dem Umflaggen hatten wir noch einen vergleichsweise guten Monat, aber dann wurde es immer schlechter. Während es beim alten Netzbetreiber noch weit über 100 Karten pro Monat waren, kommen wir jetzt noch auf 20 bis 25“, sagt ein Betreiber aus dem Ruhrgebiet.
Ein anderer gibt an, im Oktober 15 Karten geschaltet zu haben – früher bei Base seien es oft über 100 gewesen. „Bei etwa 60 bis 80 Euro Provision pro Karte komme ich damit auf vielleicht 1.000 Euro Provision. Das reicht nicht einmal für meine Ladenmiete“, so ein frustrierter Your­fone-Partner. Hinzu käme: „Die Zielvereinbarung basiert auf Ergebnissen, die man einfach nicht schaffen kann. Und selbst wenn ich sie erreichen würde, gäbe es immer noch nicht genug Geld, um in die Gewinnzone zu kommen. Wenn wir nicht noch andere Shops hätten, wären wir längst pleite.“
Dass der Tipp verein­zelter Außendienstler, die schwierige Anfangsphase mit der Speed-Prämie oder der Abfindung von Telefónica zu überbrücken, nicht gut ankommt, versteht sich da von selbst. So mancher versucht daher, Kosten zu sparen: „Wir haben die Kernöffnungszeiten und auch das Personal reduziert“, so ein Betreiber. Und mancher wurde aus der Not heraus sogar vertragsbrüchig: „Wir halten uns nur über Wasser, weil wir unter der Theke auch Karten von Fremdanbietern verkaufen“, so ein Shopinhaber. Denn was könne schon Schlimmeres passieren als eine fristlose Kündigung seitens Yourfone?
Klar zu sein scheint nur eins: So wie bisher kann es nicht weitergehen. „Die Story ist noch nicht rund. Aber es muss einfach eine Lösung her. Entweder es passiert jetzt etwas ganz Großes, oder es geht zu Ende“, gibt ein Yourfone-Partner die Stimmung in der Handelslandschaft wieder.

Kritik ist bei Yourfone angekommen

Bei Yourfone ist die Kritik der Partner durchaus angekommen. „Ich habe relativ schnell festgestellt, dass bei den Partnern großes Rumoren herrscht“, sagt der neue Yourfone-Vorstand Heiko Hambückers im Interview mit der Redaktion und fügt an: „Und ich kann auch sehr gut verstehen, dass in den ersten zwei oder drei Monaten nicht alle Erwartungen der Partner erfüllt wurden.“
ist seit Oktober 2015 Vorstand der Yourfone AG und dort für Marketing und Vertrieb bei der Shopkette verantwortlich.
Im Gespräch mit Telecom Handel berichtet Hambückers über die Problematik, in der sich Your­fone und auch dessen Partner befänden: „Bei den Monobrand-Shops der anderen Netzbetreiber sind rund 80 oder 90 Prozent derjenigen, die in einen solchen Shop gehen, Bestandskunden.“ Doch bei Your­fone gebe es diese ja nicht. „Was wir an echten Neukunden generieren können, reicht nicht aus, um die Profitabilität unserer Partnershops zu gewährleisten“, gibt Hambückers zu. Zwar sei man durchaus erfolgreich im Neukundengeschäft und erlebe im vierten Jahresquartal auch deutliche Steigerungen im Vergleich zum Vorquartal, doch: „Was im Vergleich zu anderen fehlt, ist das Vertragsverlängerungsgeschäft sowie das Zusatzgeschäft in den Bestand.“
Und dann gebe es noch die Preisseite. „Wir sind in der Offline-Welt der Attackierer, das heißt wir gehen sehr preisaggressiv in den Markt. Parallel dazu müssen wir für die Handelspartner auf der Provisionsseite attraktiv sein“, sagt Hambückers.
Um dieses Dilemma zu lösen, sichert Yourfone nun eine weitgehende Absicherung der Aufwendungen für den PoS zu. „Dabei geht es um die Differenz zwischen den Erlösen aus dem normalen Provi­sionsmodell und den tatsächlichen Kosten für den Shop. Wir haben uns die Ladenmiete und Öffnungszeiten – und damit die Personalkosten – für jeden Laden angesehen und bieten nun einen in der Branche einzigartigen Absicherungsbetrag über ­einen Zeitstrahl von zwölf Monaten an“, erklärt Hambückers. Ziel sei dabei, dass sich der Zuschuss im Laufe der Monate sehr stark reduziere und bis Ende 2016 gegen null tendiere.


Ausgleichszahlung an Auflagen gebunden

Allerdings ist die Zahlung, die bei den einzelnen Partnern unterschiedlich ausfällt, aber im höheren vierstelligen Bereich liegt, an gewisse Auflagen gebunden. So vereinbart Yourfone mit seinen Shopbetreibern für jeden Monat einen individuellen Neukunden-Tarifumsatz, der bis Ende 2016 ansteigt. „Wir überprüfen diese Umsatzkurve jedes Quartal für alle PoS und können dann mit einer Kündigungsfrist von vier Wochen zum Monatsende von der Zahlung des Absicherungsbetrags zurücktreten, sofern der Partner diese Ziele nicht erfüllt“, kündigt Hambückers an.
Rechnet man das in einem Jahr geforderte Umsatzziel auf die notwendige Zahl an Verträgen um, so müssen binnen Jahresfrist allerdings zwischen 70 und 100 Verträge pro Monat geschaltet werden – zumindest, wenn man berücksichtigt, dass sich die 9,99-Euro- und 14,99-Euro-Tarifvarianten derzeit am besten verkaufen. „Das kann eigentlich nicht funktionieren“, sagt dazu ein erfahrener Mehrfachbetreiber, der auch mit einem Yourfone-Laden am Start ist.
Hambückers indes stellt fest: „Es besteht ja auch heute bereits ein Mix mit höherwertigen Tarifen.“ Doch auch der Yourfone-Vorstand gibt zu: „Wir haben eine ambitionierte Zielkurve, das muss aber auch so sein. Und vielleicht funktioniert das auch nicht bei jedem Betreiber. Dann muss man eben individuell überlegen, was man macht.“ Insgesamt sei das Ganze sowohl ein sehr starkes Commitment der Partner gegenüber Yourfone als auch ein sehr starkes Commitment von Yourfone gegenüber seinen Partnern.
Diese sind sich offenbar noch uneins, wie das neue Modell zu bewerten ist. „Man muss das als positives Signal sehen, aber es zeigt letztlich auch: Der Laden brennt“, sagt ein Betreiber aus dem Rheinland. Aus seiner Sicht dürften es insbesondere Neueinsteiger sein, die sich für das Sicherheitsnetz, das einen Großteil der Kosten trägt, begeistern lassen werden.

Yourfone-Shopbetreiber unzufrieden

„Einige Shopbetreiber der ersten Stunde wie mich wird Yourfone trotzdem verlieren“, so der Partner. Grund hierfür sind zum einen die für die Zahlung der Sonderprämie geforderten Umsätze, zum anderen aber auch einige Passagen in der Zusatzvereinbarung, die das Mietverhältnis und die Bürgschaft betreffen (siehe auch Interview). Andere Partner – vor allem solche, die in der Erreichung der geforderten Umsätze kein Problem sehen – berichten hingegen davon, die neue Vereinbarung sofort unterschrieben zu haben.
Hambückers zumindest ist von dem neuen Modell überzeugt: „Das Konzept bietet wesentlich mehr Sicherheit als in der Vergangenheit, daher rechnen wir auch mit neuen Partnern. Und ich weiß auch von Betreibern, die bereits einen Shop haben und sich nun noch weitere Outlets vorstellen können.“
Eine klare Absage erteilt der Yourfone-Chef im Übrigen allen Skeptikern, die Yourfone unterstellen, man meine es mit dem Aufbau einer stationären Outlet-Kette nicht wirklich ernst. „Im Gegenteil, wir meinen das sehr sehr ernst“, so Hambückers gegenüber Telecom Handel. Der Neukundenumsatz steige inzwischen wieder, „und wenn wir die Kurve so fortsetzen und mehr Dinge richtig als falsch machen, kann das PoS-Geschäft bereits Ende nächsten Jahres sehr profitabel sein.“ Um einen wirklich flächendeckenden Footprint zu bekommen, könne man dann sogar darüber nachdenken, in Richtung 500 oder 600 Shops zu gehen.
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