XXL-Lautsprecher 30.06.2020, 09:17 Uhr

Dicker Brummer: Marshall Woburn II im Test

Marshall Headphones stellt nicht nur Kopfhörer her, der Musikspezialist hat auch Bleutooth-Speaker im Programm. Wir haben uns das Topmodell, den Woburn II für 499 Euro angehört. 
(Quelle: Marshall)
Während die meisten Lautsprecher für heimischen Einsatz versuchen, sich mit einem dezenten Design unauffällig in die Wohnlandschaft einzufügen, ist das beim Topmodell von Marshall Headphones, dem Woburn II, allein schon aufgrund seiner Größe kaum möglich. Mit 400 x 310 x 200 Millimetern ist der Speaker ein echtes Statement und vermittelt bereits im ausgeschalteten Zustand eines – Lautstärke.
Beim Design orientiert sich das Modell – wie auch die kleineren Brüder Acton II Voice oder Stanmore II – am klassischen Verstärker-Look, mit dem der Hersteller seit 1962 auf den Bühnen dieser Welt vertreten ist. Die Verarbeitung des mit Kunstleder überzogenen Holzgehäuses ist sehr gut, auch die Frontabdeckung im Salt&Pepper-Muster sieht richtig wertig aus. An der Oberseite finden sich in Metall eingelassen Drehregler zur Feinjustierung der Lautstärke sowie der Bässe und Höhen, außerdem kann man das Gerät, im Gegensatz zum Acton II, auch manuell ein- und ausschalten. Zudem lässt sich hier auch einen 3,5-mm-Klinkenstecker einstecken, auf der Rückseite besteht die Möglichkeit, über Cinch anderen Geräte anzuschließen, wie etwa Plattenspieler.
Quelle: Marshall Headphones
Laut Datenblatt leisten die D-Class-Verstärker im Inneren insgesamt 130 Watt, diese befeuern zwei 1-Zoll-Hochtöner und zwei 5,25-Zoll-Subwoofer. Die maximale Lautstärke wollten wir aus Rücksichtnahme auf die Nachbarn nicht testen, selbst bei 75 Prozent ist kaum mehr eine Unterhaltung möglich. Positiv dabei: Ein Übersteuern konnten wir nicht feststellen. Echtes Stereofeeling kommt durch die enge Anordnung der Treiber beim Woburn II zwar nicht auf, doch darauf ist der Lautsprecher auch nicht ausgelegt. 
Musik gelangt auf verschiedenen Wegen auf den Speaker, die meisten werden vermutlich Bluetooth verwenden. Der Woburn II ist mit dem aktuellen Standard 5.0 kompatibel und unterstützt auch den HiFi-Codec aptX, allerdings nicht die nochmals besseren Varianten aptX HD oder aptX Low Latency. Dennoch ist die Klangqualität sehr gut, auch wenn die Bässe bei Standardeinstellung zu mächtig wummern. Hier hilft die Feinjustierung in der etwas sparsam gestalteten App oder direkt am Drehregler des Woburn II- allerdings nur bedingt. Die etwas zu schwache Betonung der Mitten lässt sich auch damit nicht komplett zufriedenstellend regeln. 
Die Entwickler hatten beim Design Woburn II aber auch ein Herz für Vinyl-Fans, denn dank Cinch und Klinke lassen sich Plattenspieler einfach an den Speaker anschließen. Wir haben den Lautsprecher mit einem Pro-Ject Debut Carbon DC in Verbindung mit der Phono Box S2 vom selben Hersteller getestet. Welche Wucht der Woburn II erzeugt, konnte er eindrucksvoll beim Genesis-Song „Firth of Fifth“ unter Beweis stellen, den wir in der neuen Variante von Steve Hackett vom Album „Live at the Royal Albert Hall“ laufen ließen. Das Piano-Intro erzeugt hier mächtigen Druck und man hört jeden einzelnen Tastenanschlag. Hier zeigt sich aber auch das oben angesprochene Dilemma des Lautsprechers, denn gerade die bei Stücken aus dem Genre Progressive Rock ist eine saubere Wiedergabe der mittleren Frequenzen essenziell. Hier stört mitunter der übermächtige Bass den Klanggenuss. So zeigte sich der Woburn II in unserem Test eher für moderne Musikrichtungen ausgelegt, weniger für Classic Rock oder gar Klassik.
Während Platte des Ex-Genesis-Gitarristen Hackett in diesem Jahr auf den Markt kam, entsprechend hochwertig produziert wurde und das Vinyl keine Kratzer aufwies, offenbart der Woburn II bei älteren Scheiben schonungslos den Zahn der Zeit. Eine der ersten Pressungen des Debütalbums von Black Sabbath in unserer Sammlung wurde in den vergangenen knapp 50 Jahren sicher mehrere hundert Male abgespielt und weist so etliche Kratzer auf. Diese und auch die eher simple Produktion der Platte hört man denn auch beständig heraus.
Wie groß der Woburn II ist, sieht man hier am Vergleich mit einem Smartphone.
Quelle: Marshall Headphones
Der Woburn II ist mit 499 Euro sicherlich nicht in jedermanns Preisklasse, dennoch findet er mit Sicherheit seine Käufer. Die hohe Verarbeitungsqualität, das einzigartige Design und nicht zuletzt der bis auf die etwas zu dominanten Bässe gute Klang in Verbindung mit der hohen Lautstärke dürften viele Nutzer überzeugen. Schön gewesen wäre ein USB-Slot zum Laden des Smartphones – zumal in Anbetracht des hohen Preises. Wem der Woburn II zu groß (oder zu teuer) ist, der ist auch mit dem kleineren Stanmore II oder dem Acton II Voice gut beraten. Letzteren haben wir hier getestet.


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