EU-Kommission ermittelt gegen Amazon

Im Visier: Amazons Umgang mit den Marketplace-Händlern

Der Fragebogen zielt vor allem auf ein Geschäftsgebaren von Amazon ab, dass Marketplace-Händler seit Jahren beklagen: Läuft ein von einem Händler gelistetes Produkt auf dem Marktplatz gut, wird es oft von Amazon selbst übernommen und günstiger angeboten.
Die EU-Kommission spricht bei ihrer Recherche offenbar gezielt Händler an, die von diesem Vorgehen betroffen waren. Die Fragen haben es dabei durchaus in sich:
"Hat Amazon sich Ihres Wissens an Lieferanten gewandt, um das Produkt von diesem zu beziehen?" heißt es unter Punkt 10.3 beispielsweise. Oder unter Punkt 12: "Bitte erläutern Sie, wie sich der Umstand, dass Amazon das Produkt in sein eigenes Angebot aufnahm, auf der Website von Amazon ausgewirkt hat (Stieg oder fiel die Zahl der Anbieter/Verkäufer des Produkts)?" Oder unter Punkt 15: "Hat Amazon in den vergangenen fünf Jahren begonnen, unter einer Eigenmarke ein Produkt zu verkaufen, das mit einem Produkt, das Sie auf der Verkaufsplattform von Amazon angeboten haben, identisch oder diesem sehr ähnlich ist?" 
Der detaillierte Fragebogen scheint darauf hinzudeuten, dass der EU-Kommission sehr konkrete Beschwerden zum Wettbewerbsverhalten von Amazon vorliegen. "Die Fragen sind dazu geeignet sich ein realistisches, aussagekräftiges und umfassendes Bild von Amazons Handeln und deren Daten Nutzung zu machen", meint Wortfilter-Betreiber und Marktplatz-Experte Mark Steier. "Darüber hinaus können die Umfrageangaben auch einmal deutlich aufzeigen, wie sehr KMU-Händler möglicherweise durch Amazon in ihrer Unternehmensführung eingeschränkt werden." 
Amazon gerät bereits seit Ende vergangenen Jahres zunehmend ins Visier der deutschen und europäischen Behörden. Zuletzt kündigte Bundeskartellamts-Chef Andreas Mundt eine genauere Untersuchung von Amazon an. Hybridplattformen wie Amazon, die Händler und Marktplatz zugleich sind, hätten "ein gewisses Potenzial für eine Wettbewerbsbehinderung der anderen Händler", sagte der Behördenchef Anfang August. "Wir wollen uns daher diesen Teil des E-Commerce genauer anschauen." Jetzt sieht es so aus, als hätte Mundt sich für sein Vorhaben die EU-Kommission ins Boot geholt. 



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