Bitkom-Studie 15.07.2019, 11:52 Uhr

Jugendschutz: Schulen setzen auf Netzsperre

Um Schüler vor jugendgefährdeten Inhalten im Internet zu schützen, setzen fast 90 Prozent aller Schulen auf Netzsperren. Bitkom-Präsident Berg sieht das kritisch - und fordert mehr aktive Aufklärung statt Verbote.
(Quelle: antoniodiaz/shutterstock )
An neun von zehn Schulen (88 Prozent) kommen technische Schutzmöglichkeiten zum Einsatz, um den Internetzugang für die Schüler zu begrenzen und den Aufruf bestimmter Seiten und Anwendungen zu blockieren, etwa mittels Filter-Software oder Proxy-Lösungen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung von mehr als 500 Lehrerinnen und Lehrern im Auftrag des Digitalverbands Bitkom.
In der Lehrerschaft stoßen Netzsperren auf breite Zustimmung. Fast ausnahmslos alle Lehrerinnen und Lehrer (99 Prozent) finden den Einsatz technischer Schutzmechanismen an Schulen grundsätzlich sinnvoll.
Bitkom-Präsident Achim Berg sieht das anders: „Kinder und Jugendliche müssen vor gefährdenden Inhalten wie Gewalt, Pornografie und politischem Extremismus geschützt werden. Verbote allein bewirken hier aber meist das Gegenteil und machen Schülerinnen und Schüler überhaupt erst neugierig – das gilt auch für Netzsperren.“ Sein Vorschlag: Kinder- und jugendgefährdende Inhalte sollten in der Schule offen diskutiert und es sollte auf die Gefahren hingewiesen werden“, so Berg.
In diesem Zusammenhang nennt Berg als Vorbild die sogenannten Smart Schools, von denen bundesweit aktuell 41 existieren - und für deren flächendeckenden Ausbau der Bitkom eintritt. Hier ist die Vermittlung von Digital- und Medienkompetenz ein wesentliches Lehrziel - dafür kommen an Smart Schools digitale Infrastruktur, digitale Curricula, entsprechend angepasste pädagogische Konzepte und digitalkompetente Lehrerinnen und Lehrer zum Einsatz. 
Berg: „Digitalkompetenz ist die wohl wichtigste Fertigkeit im Digitalzeitalter. Ziel muss es sein, neben dem souveränen Umgang mit digitalen Medien auch eine grundständige IT-Kompetenz aufzubauen. In Zeiten der digitalen Transformation reicht es nicht aus, wenn Kinder und Jugendliche Smartphones und Tablets bedienen – sie müssen sie auch verstehen und verantwortungsvoll einsetzen können.“



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