Internationaler Vergleich
04.01.2018, 14:00 Uhr

Deutschland verliert an Relevanz als Rechenzentrums-Standort

Der Standort Deutschland verliert trotz steigender Investitionen für Rechenzentren zunehmend an Bedeutung. Schuld daran sind neben hohen Energiekosten und der bald in Kraft tretenden DSGVO auch das Fehlen einer politischen Strategie zur Stärkung nationaler Rechenzentren.
(Quelle: Scanrail1 / shutterstock.com )
Der Standort Deutschland verliert für Rechenzentren zunehmend an Relevanz. Das ergab nun eine Studie [PDF] des Borderstep Instituts für Innovationen und Nachhaltigkeit im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. Dies könne auch durch steigende Investitionen nicht aufgehalten werden.
Besonders die Zuverlässigkeit der Stromversorgung, die Anbindung an das Internet sowie die Rechtssicherheit und der Datenschutz gelten als wichtige Standortfaktoren für Rechenzentren.
(Quelle: Bitkom)
Zwar würden die Mehrausgaben in diesem Bereich vermutlich um rund zehn Prozent auf fast eine Milliarde Euro steigen (970 Millionen Euro in 2016), im Vergleich zu Nordamerika, Asien sowie europäischen Standorten in Skandinavien und speziell in den Niederlanden, könne Deutschland jedoch nicht mithalten. "Die internationale Bedeutung des Standorts Deutschland nimmt bei Rechenzentren ab. So positiv die Wachstumsraten auch sind - im globalen Vergleich sind sie unterdurchschnittlich", sag der Bitkom-Präsident Achim Berger.

Energiekosten sind maßgeblicher Standortfaktor

Deutsche Rechenzentren zählen zu den energieeffizientesten Rechenzentren weltweit. Der Energiebedarf steige dennoch von Jahr zu Jahr kontinuierlich. So wurden im Jahr 2016 12,4 Milliarden kWh Strom in deutschen Rechenzentren verbraucht.
"Die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands hängt dabei ganz maßgeblich von den Energiekosten ab. Die Strompreise sind entscheidend dafür, ob Rechenzentrumsbetreiber in Deutschland weiterhin einen attraktiven und wettbewerbsfähigen Standort finden", so Berger weiter. Zudem würden langwierige Genehmigungsverfahren der Entwicklung entgegenstehen. Positiv bewertet werden hingegen die Faktoren Sicherheit der Stromversorgung, gute Internetanbindung, Datenschutz und die Rechtssicherheit am Standort Deutschland.
Durch die bald in Kraft tretende Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) auf EU-Ebene verlieren besonders die beiden letzten Punkte jedoch wohl bald an Gewicht. Damit wird die Wahl des Standortes für Rechenzentren innerhalb der europäischen Union vermehrt flexibel.
Besonders viele Rechenzentren befinden sich hierzulande im Raum Frankfurt am Main, der Anteil liege derzeit dennoch deutlich hinter London und Amsterdam. Durch den EU-Ausstieg von Großbritannien (Brexit) könnte sich allerdings ein Vorteil für Deutschland ergeben.
Problematisch sei jedoch, dass es im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern keine definierte politische Strategie für die Stärkung des nationalen Rechenzentrumsstandortes gebe und dies entsprechend zu wenig gefördert werde.


TH Kongress 2018


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