Summer Convention 05.07.2019, 10:29 Uhr

Euronics fordert mehr Verbindlichkeit und führt Malus-System ein

Die Fachhandelskooperation Euronics fordert von ihren Mitgliedern deutlich mehr Verbindlichkeit ein und stellt „Spielregeln“ für das Thema Cross-Channel-Vertrieb auf.
Benedict Kober präsentierte die langfristige Strategie für die Kooperation. Im Zentrum stehen Wertschöpfung, Kundenorientierung und Prozessvereinfachung
(Quelle: Euronics)
Unter der Sonne Mallorcas hatte Euronics zum bereits neunten Mal Fachhändler und Industriepartner zur großen „Summer Convention“ geladen. 50 Jahre ist die Kooperation gerade geworden – Zeit für einen Rückblick, aber auch für wichtige Weichenstellungen in die Zukunft. Denn auch wenn Euronics-Chef Benedict Kober von einem im Branchenvergleich „guten Jahresstart“ ins Jubiläumsjahr sprach, so machte der Vorstandssprecher auch keinen Hehl daraus, dass er von so manchem Mitglied deutlich mehr Verbindlichkeit in Richtung Kooperation erwartet, und hier insbesondere im Bereich CCR (Cross-Channel-Retail)-Vertrieb. 
Einige Freiheiten, die sich der ein oder andere Genosse bislang erlaubt hätte, könnten zukünftig nicht mehr akzeptiert werden, betonte Kober. Als Beispiele nannte er die Nicht-Teilnahme an zentralen Werbemaßnahmen, den Preisverriss im Online-Kanal unter der Marke Euronics oder die Vermarktung von Exklusivgeräten auf Drittplattformen. „Da legen wir jetzt unser Regelwerk, unsere Spielregeln für den Cross-Channel-Vertrieb drüber“, sagte Kober. Wer sich als Mitglied nicht „konzeptkonform“ verhalte, müsse ab 1. Oktober für jeden Verstoß mit „Malus-Punkten“ rechnen. Ähnlich der Flensburger Verkehrssünder-Datei werden Strafpunkte saldiert, aber nach einer bestimmten Zeit auch wieder gelöscht. Wer über 100 Punkte kommt, dem droht die Kündigung des CCR-Vertrags. Für Kober ist dies transparent und konsequent: „Das System sagt, dass man über eine rote Ampel gefahren ist.“ Noch deutlicher drückt sich Chief Digital Officer Jochen Mauch aus: „Was wir hier brauchen, ist eine etwas größere Rücksichtslosigkeit. Es kann gut sein, dass wir mit dem ein oder anderen zukünftig nicht mehr zusammenarbeiten werden.“
Geht es nach der Euronics-Chefetage, so soll sich die Beziehung zwischen Mitglied und Zentrale sowieso wandeln: „Unser Ziel muss es sein, dem Händler mehr Zeit für den Kunden zu geben“, sagt Kober. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dem Händler Tätigkeiten abzunehmen und zu zen­tralisieren. „So bauen wir etwa eine zen­trale Datenbank mit Standorten, Bestellprozessen, Konditionen und vielem mehr auf“, so der Vorstandssprecher. Die Einführung von solchen Cloud-Lösungen könne beispielsweise auch zur Folge haben, dass „unsere Mitglieder keinen IT-Leiter mehr brauchen und sich die Euronics-Zentrale in Ditzingen ein Stück weit in Richtung ‚Systemzentrale‘ entwickelt.“
Eingebettet ist dieses Vorgehen in die neue „Euronics-Strategie 2020/2025“, die gemeinsam mit der Managementberatung Horváth & Partners ausgearbeitet wurde. Alle Projekte, die Euronics in diesem Zusammenhang einleitet oder steuert, müssen zukünftig laut Kober auf eines der drei folgenden Ziele einzahlen: Wertschöpfung, Kundenorientierung oder Prozessvereinfachung. „Wir verbringen heute noch viel zu viel Zeit mit Dingen, die nicht wertschöpferisch­ sind. Das wollen wir ändern­“, so Kober. 



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