Glasfaser-Memorandum: Mehr Kunden statt nur mehr Anschlüsse
Beim Glasfaserausbau gehört Schleswig-Holstein bundesweit zu den Vorreitern. Inzwischen liegt bei 86 Prozent der Hausadressen Glasfaser mindestens an der Straße, 56 Prozent sind bereits tatsächlich angeschlossen. Doch mit dem Ausbau allein ist es nicht getan. Künftig sollen mehr Haushalte die vorhandene Infrastruktur auch nutzen. Darauf haben sich 47 Unternehmen und Institutionen im neuen „Glasfaser-Memorandum 2.0“ verständigt.
Die Vereinbarung knüpft an die 2018 begonnene Zusammenarbeit an. Ziel bleibt eine möglichst flächendeckende Glasfaserversorgung bis 2030. Gleichzeitig verschieben sich die Schwerpunkte: Neben dem weiteren Ausbau sollen vor allem bestehende Netze besser ausgelastet, Anschlüsse aktiviert und die Voraussetzungen für den Übergang von Kupfer auf Glasfaser geschaffen werden.
Open Access soll Wettbewerb stärken
Eine wichtige Rolle spielt dabei der offene Netzzugang. Durch Open Access sollen mehrere Anbieter dieselbe Glasfaserinfrastruktur nutzen können. Das soll den Wettbewerb stärken und den wirtschaftlichen Betrieb bestehender Netze verbessern. Parallele Ausbauvorhaben sollen möglichst vermieden werden, sofern wettbewerbsfähige Zugangsangebote zu angemessenen Bedingungen bestehen.
Der Telekommunikationsverband VATM begrüßt diese Ausrichtung. Für den Verband unterzeichnete Präsidiumsmitglied Reinhard Sauer, zugleich CEO der Deutschen GigaNetz, das Memorandum.
Klare Regeln für den Haustürvertrieb
Auch die Vermarktung der Glasfaseranschlüsse ist Bestandteil der Vereinbarung. Ausdrücklich verankert wurde der sogenannte Haustürkodex, den der VATM gemeinsam mit Unternehmen der Telekommunikationsbranche und der Selbstregulierung Informationswirtschaft (SRIW) entwickelt hat.
Der Kodex sieht unter anderem klare Vorgaben zur Legitimation von Vertriebsmitarbeitern, zur Kundeninformation und zu Beschwerdemöglichkeiten vor. Auch die Vertriebsprozesse sollen kontrolliert und die Einhaltung der Standards regelmäßig unabhängig überprüft werden. Damit soll das Vertrauen der Verbraucher in die persönliche Beratung beim Glasfaservertrieb gestärkt werden.
„Der Glasfaserausbau ist längst nicht beendet, wenn die Leitung vor dem Haus liegt“, erklärt Sauer. Entscheidend sei, die Menschen für Glasfaser zu gewinnen und die Anschlüsse tatsächlich zu aktivieren. Dafür bleibe die persönliche Beratung wichtig, müsse aber fair, transparent und nach klaren Regeln erfolgen.
Mit dem Memorandum richtet Schleswig-Holstein seine Glasfaserstrategie stärker auf die tatsächliche Nutzung der Infrastruktur aus. Für Netzbetreiber und Diensteanbieter gewinnen damit neben dem weiteren Ausbau vor allem die Kundengewinnung, der offene Netzzugang und die Migration bestehender Kupferanschlüsse an Bedeutung.