Ohne Digitalimporte würden Firmen 16 Monate durchhalten
Der Digitalverband Bitkom hat zum Digital-Gipfel der Bundesregierung 602 Unternehmen ab 20 Beschäftigten befragt, wie lange sie einen Ausfall digitaler Importe verkraften würden. Im Durchschnitt wären es 16 Monate, im Vorjahr lagen die Unternehmen bei 14 Monaten. 96 Prozent beziehen digitale Technologien und Services aus dem Ausland, am häufigsten Endgeräte wie Smartphones und Notebooks (94 Prozent), Bauteile wie Chips und Sensoren (79 Prozent) sowie Cloud-Dienste (73 Prozent). Dahinter folgen Software (68 Prozent), Cybersicherheit (62 Prozent) und Künstliche Intelligenz (56 Prozent).
94 Prozent stufen Deutschland bei Digitaltechnik aus dem Ausland als stark oder eher abhängig ein, zwei Drittel erwarten, dass die Abhängigkeit in den kommenden fünf Jahren weiter zunimmt. Am größten ist sie nach Angaben der Unternehmen von China: 88 Prozent der Importeure sehen sich abhängig, 61 Prozent sogar sehr. Bei den USA wuchs die Sorge besonders stark. 73 Prozent machen sich Gedanken über die Abhängigkeit von US-Technologien, 2024 waren es 38 Prozent. Bei China stieg der Wert von 69 auf 79 Prozent.
Ein Ausfall träfe vor allem das Kerngeschäft. 93 Prozent der Importeure erwarten Folgen für Produktion oder Leistungserbringung, 91 Prozent für Vertrieb und Verkauf und 87 Prozent für Logistik und Lieferketten. „Wenn digitale Importe aus wichtigen Herkunftsländern ausfallen, trifft das nicht nur die IT-Abteilung, es trifft das Kerngeschäft“, sagt Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst.
Preis bleibt entscheidend
Viele Unternehmen reagieren bereits. 44 Prozent setzen verstärkt auf Anbieter aus Deutschland und Europa, 41 Prozent halten größere Vorräte an Bauteilen vor, 40 Prozent bereiten sich auf einen möglichen Wechsel wichtiger Anbieter und Systeme vor. Nur 3 Prozent haben nichts unternommen. Bei der Auswahl ausländischer Partner bleiben die finanziellen Konditionen aber für 97 Prozent das wichtigste Kriterium, gefolgt vom technologischen Know-how (93 Prozent) und den IT-Sicherheitsstandards (89 Prozent).
Von der Politik verlangen jeweils 97 Prozent mehr Investitionen in Schlüsseltechnologien und eine Stärkung der digitalen Souveränität. 84 Prozent sprechen sich dafür aus, dass die EU ihre Handelsschutzinstrumente stärker nutzt. Gleichzeitig sehen viele wenig Spielraum: 68 Prozent sagen, für bestehende Abhängigkeiten gebe es keine Alternative.