Smarte Städte: Stuttgart verdrängt München von der Spitze
Deutschland hat eine neue smarteste Stadt: Stuttgart löst München an der Spitze des Smart City Index ab, den der Branchenverband Bitkom zum nunmehr achten Mal erstellt hat. Dafür wurden insgesamt 14.442 Datenpunkte erfasst, überprüft und qualifiziert. Analysiert und bewertet wurden alle 83 deutschen Städte mit einer Bevölkerung von mehr als 100.000. Untersucht wurden die fünf Themenbereiche Verwaltung, IT und Kommunikation, Energie und Umwelt, Mobilität sowie Gesellschaft und Bildung.
Die Schwabenmetropole erreicht 92,8 von 100 möglichen Punkten, vor München (92,0 Punkte) und Hamburg (91,5 Punkte). Es folgen Nürnberg (91,3 Punkte), das sich um vier Plätze verbessert, und Düsseldorf (90,9 Punkte). Neu in den Top 10 ist Aachen (85,5 Punkte), das um sechs Plätze auf Rang 10 vorrückt, aus der Spitzengruppe herausgefallen ist Heidelberg (84,7 Punkte, Rang 13).
Stuttgarts Erfolg beruht laut dem Bitkom auf einer Digitalisierung in der Breite: Als einzige der 83 untersuchten Großstädte landet die baden-württembergische Landeshauptstadt in allen fünf untersuchten Kategorien unter den besten 10: Platz 1 bei Energie und Umwelt, Platz 3 bei der Verwaltung, Rang 6 bei IT und Kommunikation, Rang 7 bei Gesellschaft und Bildung und Rang 8 bei der Mobilität.
Erlangen und Hildesheim verbssern sich
Die größten Sprünge nach vorn machen in diesem Jahr Städte aus dem Mittelfeld. Erlangen (69,7 Punkte) verbessert sich um 19 Plätze auf Rang 56. Das liegt vor allem an der Verwaltung, wo die Stadt um 43 Plätze auf Rang 29 klettert. Inzwischen sind in Erlangen 100 Prozent der abgefragten Leistungen digital verfügbar, in Bürger- und Gewerbeamt gibt es eine verbindliche digitale Terminbuchung, bei internen Prozessen und Bezahlvorgängen erreicht Erlangen die volle Punktzahl. Ebenfalls um 19 Plätze verbessert sich Hildesheim (68,8 Punkte) auf Rang 60. Unter anderem sind die eAkte, Dokumentenmanagement und Künstliche Intelligenz in allen Ämtern im Einsatz, dazu kommen digitale Wärmeplanung und eine stark ausgebaute Ladeinfrastruktur.
Es gibt aber auch Städte, die deutlich zurückfallen: Paderborn (71,6 Punkte) verliert 16 Plätze und liegt nun auf Rang 52, ebenso viele Plätze verlieren Heilbronn (71,3 Punkte, Rang 53) und Koblenz (69,0 Punkte, Rang 59). Dresden (78,8 Punkte) rutscht um zwölf Plätze auf Rang 30 ab, 2023 schaffte es die Stadt an der Elbe noch in die Top 10 auf Platz 6. Darmstadt (79,0 Punkte) verliert elf Plätze auf Rang 28, obwohl die Stadt die Kategorie Gesellschaft und Bildung gewinnt, bei der Verwaltung geht es um 34 Plätze nach unten. Schlusslicht im Ranking ist Remscheid (47,3 Punkte) auf Rang 83.
Größere Städte im Vorteil
Landeshauptstädte (im Schnitt 79,3 Punkte), Städte mit Exzellenzunis (79,7 Punkte) und die vom Bund geförderten Modellprojekte Smart Cities (76,2 Punkte) schneiden besser ab als der Durchschnitt aller Städte (73,8 Punkte). Deutlich sichtbar bleibt der Unterschied zwischen großen und kleineren Großstädten. Städte ab einer Million Einwohner erreichen im Mittel 87,5 Punkte (Vorjahr: 85,8 Punkte), Städte zwischen 500.000 und 999.999 Einwohnern 84,5 Punkte (81,0). Am unteren Ende stehen die Städte zwischen 100.000 und 149.999 Einwohnern mit 66,8 Punkten – sie legen mit plus 4,4 Punkten allerdings am stärksten zu (Vorjahr: 62,4 Punkte).
„Der Smart City Index zeigt: Viele Städte sind in einzelnen Bereichen richtig gut, auch wenn es in der Gesamtschau nicht für eine Top-Platzierung reicht. Die Stärken entstehen nicht zufällig, sie sind das Ergebnis klarer Prioritäten und der Arbeit vieler engagierter Menschen in den Kommunen“, so Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst. „Umso wichtiger ist es, voneinander zu lernen und dafür zu sorgen, dass vorbildliche Lösungen über die jeweilige Stadt hinaus sichtbar werden.“