Grüner Fachhandel 19.06.2023, 10:49 Uhr

Umweltschutz beginnt auch am Point of Sale

Der stationäre ­Handel kann durch viele Maßnahmen seine CO2-Bilanz verbessern und damit aktiv zum Klimaschutz beitragen.
(Quelle: j.chizhe/Shutterstock)
Auch der Fachhandel ist beim Thema Nachhaltigkeit gefragt und gefordert: Einerseits ist er ebenfalls von den Folgen des Klimawandels bedroht, denn Hitzeperioden wie im vergangenen Jahr führen zu weniger Frequenz im Shop. Noch viel dramatischer wirkte sich die Flut im Ahrtal 2021 auf einige Händler aus. Der HDE hat vor diesem Hintergrund einen Maßnahmenkatalog für den stationären Handel entwickelt, wie dieser mit den Folgen der sich verändernden Rahmenbedingungen umgehen kann.
Andererseits ist der Handel aber auch gefordert, die eigenen CO2-Emissionen zu reduzieren, um seinen Teil zum Umweltschutz beizutragen. Schließlich lag der Gesamtenergiebedarf im deutschen Einzelhandel laut dem HDE im Jahr 2021 bei 33,3 TWh, ein Großteil davon (49 Prozent) wurde durch Erdgas abgedeckt, das sich im vergangenen Jahr dramatisch verteuert hat. Ein Grund mehr also, den eigenen Energieverbrauch zu reduzieren – und bestenfalls erneuerbare Energien zu nutzen. Dass dies bei vielen Händlern auch im Trend liegt, zeigt eine weitere HDE-Studie: 27 Prozent der deutschen Händler setzten im Jahr 2021 bereits Photovoltaik ein.
Es gibt darüber hinaus eine ganze Reihe von Maßnahmen, um den eigenen Shop „grüner“ zu machen. Zum Teil sind diese ganz einfach umzusetzen: Der Einsatz von LED-Lampen beispielsweise hilft dabei, Strom zu sparen. Dies gilt auch für die Beleuchtung der Schaufenster, die nicht die ganze Nacht angeschaltet bleiben muss.

Kleine Investition mit großer (Außen-)Wirkung

Auch bei der Shop-Gestaltung lohnt es sich, auf nachhaltiges Material zu setzen. Holz statt Plastik schafft beispielsweise eine angenehme Atmosphäre und trägt zum Umweltschutz bei. Noch besser ist es, wenn die Möbel von einem Schreiner in der Region gefertigt werden, doch das kann sich nicht jeder Händler leisten.
Pflanzen im Shop, um ein weiteres Beispiel zu nennen, sorgen für bessere Luft im Laden und sind zugleich eine ­Augenweide – für Kunden und Mitarbeiter gleichermaßen. Und schließlich gilt es, im Laden selbst so wenig Abfall wie möglich zu erzeugen. Repair-Services und der Verkauf von „refur­bished“ Smartphones sind ein weiteres Mittel, um den Umweltschutz zu verbessern.

Netzbetreiber gehen mit gutem Beispiel voran

Eine Reihe von Möglichkeiten zeigen zudem die Netzbetreiber in ihren eigenen Shops, die sie sukzessive auf mehr Nachhaltigkeit trimmen. Digitalisierung steht dabei bei Telefónica, Telekom und Vodafone ganz oben auf der Agenda. So werden Flyer immer häufiger durch digitale Plakate ersetzt, um den Papierverbrauch zu reduzieren. Auch bei der Shop-Ausstattung achten sie auf nachhaltige Möblierung und Energieversorgung. ­Einige dieser Maßnahmen werden auch Partnershops und freien Händlern angeboten. Nachfragen lohnt sich.

Deutsche Telekom

Pilotprojekt: Umweltschutz im Hamburger Flagship-Store
Deutsche Telekom
Quelle: Deutsche Telekom
Erst im April hat die Deutsche Telekom ­einen neuen Flagship-Store in Hamburg eröffnet: Ein zentraler Aspekt bei der Gestaltung des Shops war die Nachhaltigkeit, die sich durch alle Bereiche zieht. „Jede Entscheidung, die mein Team trifft, ist immer eine Entscheidung für Nachhaltigkeit“, betonte Karin Kranz, Leiterin Retail Design Telekom Privatkunden Vertriebsgesellschaft, bei der Eröffnung. Und sie nennt eine ganze Reihe von Beispielen: Die Telekom verwendet recycelte Möbel, nachhaltige Rohstoffe und setzt auf eine großzügige Begrünung im Innenraum. Neue Möbel wurden von lokalen Herstellern gefertigt. Der Shop verkauft außerdem gebrauchte, aufbereitete Handys, und das Team nimmt ausgediente Geräte zur Wiederverwertung entgegen. Sogar die Bekleidung der Mitarbeiter ist aus zertifizierter Biobaumwolle und recyceltem Polyester. Sicher, der Hamburger Store wurde erst kürzlich eröffnet, er zeigt aber die Richtung, in die sich die Telekom bewegen möchte. Ein Beispiel dafür ist: Am Earth-Day Mitte April fanden in einigen Telekom-Shops Aktionen und Workshops statt, bei denen Besucher sich zum Thema Umweltschutz informieren konnten.

O2 Telefónica

Fokus auf Ressourcenschonung
O2 Telefónica
Quelle: O2 Telefónica
Auch beim Münchner Netzbetreiber Telefónica O2 setzt man in den eigenen Shops auf Umweltschutz – und hat sich dabei ein groß angelegtes Programm auferlegt. So wird der Papierverbrauch in den Shops sukzessive reduziert: Im vergangenen Jahr hat O2 beispielsweise digitale Flyer entwickelt, um gedruckte zu ersetzen. Zuvor waren jährlich drei Millionen Flyer auf 75 Tonnen Papier gedruckt und an die Stores versendet worden. Ein Großteil der Werbe- und Bildschirme wird nachts ausgeschaltet, die Maßnahme bringt eine wöchentliche Energieeinsparung von rund 8.800 kWh. Außerdem werden die Shops laut Telefónica zu 100 Prozent mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben, und das Unternehmen strebt eine jährliche Wassereinsparung von fünf Prozent in Bezug auf das Jahr 2019 an. Die Münchner haben sich für die Zukunft ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Bis 2025 soll die Recyclingquote der operativen Abfälle in ­allen Shops – und übrigens auch an den ­Bürostandorten – auf 98 Prozent erhöht werden. Darüber hinaus beteiligt sich O2 am Eco Rating und bietet Recyclingboxen für Altgeräte an.

Vodafone

Grünes Shop-Konzept zum Schutz des Klimas
Vodafone
Quelle: Vodafone
Schon vor einem Jahr hat Vodafone angekündigt, künftig alle eigenen Shops – nach Angaben des Netzbetreibers sind das 150 Stores – so umzugestalten, dass sie klimaneutral sind. Der CO2-Fußabdruck der Shops wird dabei durch zahlreiche grüne Maßnahmen wie Ökostrom, digitale Services und den Einsatz nachhaltiger Materialien kontinuierlich reduziert. Restliche CO2-Emissionen gleichen die Düsseldorfer nach ­eigenen Angaben durch die Unterstützung zertifizierter Klimaschutzprojekte aus – das sind jährlich knapp 3.000 Tonnen CO2. Ein wichtiges Element von Vodafones Nachhaltigkeitsstrategie ist die Digitalisierung. Tarif-Informationen werden für Vodafone-Filialen und Partneragenturen nicht mehr gedruckt, sondern sind digital für jeden zugänglich. Statt Broschüren und Flyern sind Aufkleber mit QR-Codes die Aufsteller der Verkaufsflächen. Allein dadurch werden jährlich fast 300.000 Kilogramm Papier eingespart. In Ausnahmefällen gibt es zwar noch Poster, diese werden aber laut dem Netzbetreiber auf biologisch abbaubarem Material klimaneutral gedruckt. Wie auch die anderen deutschen Netzbetreiber beteiligt sich Vodafone am Eco Rating.