Am 1. Februar führte Nfon ein radikal vereinfachtes Partnerprogramm ein. Statt mehrerer Dutzend Provisionssätze soll es künftig nur noch zehn geben. KI-Features werden direkt in die Lizenzpakete integriert.
Alexander Wettjen, Executive Vice President Sales & Marketing bei Nfon, stellte beim Nexus Connect 2026 in München das neue Partnerprogramm vor
(Quelle: Nfon)
Beim Nexus Connect 2026 in München gab es eine Premiere: Nfon startete mit einem Hackathon für Partner. 65 Plätze, innerhalb von fünf Tagen ausgebucht – und das, bevor auch nur ein einziger Student angemeldet war. Ursprünglich wollte Nfon Vertriebspartner mit jungen Programmierern zusammenbringen. „Dann stellte sich heraus, dass wir innerhalb von fünf Tagen überbucht waren, nur mit Vertriebspartnern“, berichtet Alexander Wettjen, Executive Vice President Sales & Marketing bei Nfon. Einen ganzen Tag lang arbeiteten die Partner gemeinsam mit Nfon-Experten an realen Use Cases – von der Konfiguration KI-gestützter Funktionen über Voice- und Chat-Automatisierung bis hin zu Contact-Center-Szenarien. „Enablement bedeutet nicht Training, sondern Co-Creation mit direkter Umsetzung“, so Wettjen.
Der Hackathon markierte den Auftakt zu Nexus Connect 2026, wo Nfon die nächste Phase seiner Strategie „Nfon Next 2027“ konkretisierte. Im Zentrum stehen zwei Elemente: das neue Partnerprogramm Nexus, das am 1. Februar 2026 offiziell startet, und ein modulares Lizenzmodell.
Nur noch 10 Provisionssätze
Das neue Partnerprogramm Nexus (lateinisch für „verbindend“) soll vor allem Komplexität reduzieren. „Wir hatten in der Vergangenheit zu viele unterschiedliche Provisionssätze“, erklärt Wettjen. Im neuen Programm gibt es nur noch rund zehn: einen für Telefonie, ein bis zwei für KI, einen für Customer Engagement. „Wir sprechen zu viel über Abrechnung. Das ist nicht das, was eine Partnerschaft ausmacht.“
Statt bisher sechs gibt es künftig drei Partnerstufen. Neu: Nfon bietet erstmals Vertragslaufzeiten an – der bisherige USP monatlicher Kündigungsmöglichkeit bleibt aber erhalten. Bestandsumsatz und Neugeschäft werden gleichberechtigt bewertet. Marketing Development Funds gibt es künftig zielbasiert statt pauschal nach Stufe.
Eine Zwangsmigration gibt es nicht. Die alten Programme laufen parallel weiter. Wettjen rechnet dennoch damit, dass in den nächsten zwölf Monaten rund 50 Prozent der aktiven Partner zum neuen Programm wechseln werden.
Lizenzmodell mit vier Paketen
Parallel zum Partnerprogramm führt Nfon ein neues Lizenzmodell mit vier Paketen ein. Angeboten werden die Pakete Access, Base, Complete und Ultimate. Wettjen: „Ziel ist es, Komplexität zu reduzieren und den Vertrieb zu vereinfachen.“ Die Pakete sind vorkonfiguriert und auf typische Nutzerrollen sowie Einsatzszenarien ausgerichtet. „Wir bauen konsequent vom konkreten Bedarf der Kunden aus auf“, sagt Wettjen.
Das Modell ist user-basiert, nicht anlagen-basiert. In einer Anlage können unterschiedliche Nutzertypen kombiniert werden, vom Produktionsmitarbeiter bis zum mobilen Außendienstler. KI-Features sind direkt integriert. „AI Essentials“ sind ab einer bestimmten Stufe bereits enthalten, „Nia FrontDesk“ kann mit Testminuten ausprobiert werden.
„KI ist kein Zusatz, sondern ein selbstverständlicher Bestandteil des Angebots“, betont Wettjen. „Klar positionierbar, überzeugend vermittelbar und für unsere Partner wie für Nfon nachhaltig monetarisierbar.“ Das neue Lizenzmodell war bereits im vierten Quartal 2025 mit ausgewählten Partnern in einer Pilotphase im Einsatz. Das Feedback sei eingearbeitet worden.
Hackathon als Antwort auf Partner-Feedback
Warum dieser Aufwand mit dem Hackathon? Nfon war 2025 deutlich an Tempo gewonnen und zwischen 20 und 25 neue Funktionen in den Markt gebracht. Das Feedback aus der Partnerlandschaft war dabei klar: Der hohe Innovationsgrad erfordert neue, praxisnahe Formate, um Neuerungen schnell und wirkungsvoll in die Anwendung zu bringen. Der Hackathon ist Teil der Antwort darauf. Nfon setzt gezielt auf praktisches Arbeiten an realen Use Cases. Weitere Hackathons sind an anderen Standorten geplant, dort in kleinerem Rahmen mit 20 bis 25 Teilnehmern. Ergänzend bietet Nfon interaktive Webinare und vertriebliche Schulungen an.
Interessant ist auch, dass neue Partner-Typen hinzukommen. „Wir haben Partner aus dem IT-Bereich, die sagen: Ich kann meinen Kunden KI-Bots für eine bestimmte Industrie anbieten, und da brauche ich eine Plattform, die mit Telefonie integriert ist“, berichtet Wettjen.
Teilnehmer beim Hackathon von Nfon zum Auftakt der Nexus Connect 2026
Quelle: Nfon
KI-Portfolio in drei Bereichen
Das KI-Portfolio strukturiert Nfon entlang dreier Bereiche. Die Businesstelefonie bildet das Fundament, Intelligent Assistant steht für Automatisierung und Customer Engagement umfasst die Contact-Center-Lösungen. Neu ist, dass KI-Funktionen wie Anruftranskription jetzt auch auf Tischtelefonen laufen. Das ist wichtig, denn etwa die Hälfte der Cloud-Nutzer arbeitet noch mit Geräten von Yealink und anderen Herstellern.
Im Bereich Intelligent Assistant steht „Nia FrontDesk“ im Mittelpunkt. Der KI-Agent für Telefonzentralen lässt sich in drei Schritten konfigurieren. Die Botario-Plattform ermöglicht es Partnern, individuelle KI-Agenten zu entwickeln.
Wettjen berichtet, dass KI zunehmend zum Türöffner für umfassendere Lösungen wird. Im Customer Engagement positioniert sich Nfon bei 30 bis 500 Agenten. Ein Projekt mit 400 Agenten für die öffentliche Hand habe man gewonnen. Der Fokus liegt auf Deutschland, UK, Österreich und Italien.
Herausforderungen bleiben
Die Integration der 2019 übernommenen DTS ist noch nicht vollständig abgeschlossen. „Das hat etwas Anlaufschwierigkeiten gehabt“, so Wettjen. Eine Migration erfolge „entlang eines klar definierten Fahrplans“ – konkrete Zeitpläne nannte er nicht.
Dennoch sendet Nfon positive Signale. Das Unternehmen wurde als Top Employer 2026 zertifiziert, die Technik ist nach Ausfällen 2024 nun stabil. Das Vertriebsteam wächst: In Deutschland sind es 35 Personen im direkten Vertrieb, mit Support-Funktionen 40 bis 45. Im Dezember und Januar kamen Spezialisten für den KI-Vertrieb hinzu.
2026 als Umsetzungsjahr
Der Wechsel des Partnertags von Q4 auf Q1 zeigt die neue Ausrichtung. Jetzt sei Budget und Strategie finalisiert, so Wettjen, und man könne eine klare Richtung vorgeben. „Das Jahr 2026 steht für Nfon im Zeichen von Skalierung, Monetarisierung und Partner-Enablement“, resümiert CEO Andreas Wesselmann.
Die zentrale Frage bleibt: Kann Nfon klassische Telko-Partner und neue IT-affine Partner gleichermaßen mitnehmen? Wettjen ist überzeugt, dass KI-Integration keine Option mehr sei. „Wer das jetzt nicht macht, hat morgen verloren“, sagt er. Business-seitig sei es an der Zeit, den Schritt zur KI-getriebenen Business-Kommunikation zu gehen. Ob die Partner mitgehen, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.