Identifikation per Handy-Nummer
08.02.2018, 11:13 Uhr

Deutsche Telekom, Telefónica und Vodafone führen Mobile Connect ein

Die Telekom, Telefónica und Vodafone wollen noch in diesem Jahr den GSMA-Dienst Mobile Connect einführen. Die einheitliche Lösung soll eine schnelle und sichere Anmeldung bei Internet-Diensten ermöglichen - ohne Eingabe von Username und Passwort.
(Quelle: Gyorgy Barna - Shutterstock)
Die drei Netzbetreiber Deutsche Telekom, Telefónica Deutschland und Vodafone Deutschland haben heute vereinbart, noch in diesem Jahr den GSMA-Dienst Mobile Connect einzuführen. Diese einheitliche Lösung soll Nutzern die schnelle und sichere Anmeldung bei Internet-Diensten ermöglichen - und zwar ohne Eingabe von Username und Passwort.
Bisher erfolgt der Zugang zu Online-Angeboten in der Regel per Benutzername und Passwort – was zahlreiche Risiken birgt. Denn wegen der Vielzahl an genutzten Plattformen machen es sich die Nutzer oftmals einfach und verwenden simple Passwörter, ändern die Daten selten oder setzen sie oft für mehrere Portale ein. Das macht diese Zugangsdaten zum beliebten Ziel für kriminelle Hacker.
Mit Mobile Connect benötigen die Kunden der drei Netzbetreiber demnächst nur noch ihre Mobilfunknummer und ihr Handy, um sich im Internet bei digitalen Diensten oder Websites anzumelden. Der Netzbetreiber übernimmt gegenüber dem Anbieter die Identifizierung des Kunden, denn er kann die Mobilfunknummer jederzeit eindeutig zuordnen. Ein Log-In per Passwort entfällt. Das soll den Anmeldeprozess nicht nur einfacher, sondern auch sicherer machen, versprechen die Anbieter. Als erster großer Partner in Deutschland wird die Identitäts- und Datenplattform Verimi künftig das Mobile-Connect-Verfahren anbieten.
„Mit Mobile Connect erfüllen Mobilfunkanbieter eine wichtige Rolle im Bereich der digitalen Identifizierung. Sie geben den Nutzern damit die Kontrolle über ihre eigenen Daten. Der Dienst ermöglicht es Nutzern, Unternehmen und Behörden bequem in einer privaten und vertrauenswürdigen Umgebung zu interagieren", sagt Alex Sinclair, CTO,GSMA.

So funktioniert Mobile Connect

Noch in diesem Jahr sollen sich Mobilfunkkunden in Deutschland auf vielen Online-Portalen mit ihrer Handy-Nummer anmelden können. Mit deren Angabe, zum Beispiel beim Verimi-Login, wird eine SMS an das Handy des Kunden geschickt. Über den in der Textnachricht integrierten Link bestätigt er dann auf seinem Smartphone den Erhalt und erlaubt dem Netzbetreiber gleichzeitig die verschlüsselte Übermittlung einer pseudonymisierten Kundenreferenznummer an den Portalbetreiber. Damit kann der Betreiber den Kunden immer wieder zuordnen und gewährt auch ohne Passwort Zugang.

Mobile Connect will mittelfristig den Kunden einen weiteren Service bieten. Wer in Online-Shops etwas bestellen will, braucht Daten wie Lieferadresse und Bankverbindung dann nicht mehr manuell einzugeben. Die Informationen liegen dem Netzbetreiber vor und können auf Wunsch auch gleich in die Bestellmaske des Internet-Shops übertragen werden. Die explizite Freigabe für den Austausch soll sicherstellen, dass der Kunde jederzeit die volle Kontrolle über seine persönlichen Daten behält.
 
Doch nicht nur für die Anwender selbst, auch für Portal- und Shop-Betreiber soll das Verfahren erhebliche Vorteile bringen. Die Argumentation: Oftmals brechen Nutzer Kaufprozesse im Internet vorzeitig ab, sobald sie sich mit ihrer E-Mail-Adresse und einem Passwort registrieren müssen. Auch das zeitraubende Ausfüllen von Bestellmasken fördert den Ausstieg aus dem Kaufprozess. Dank Mobile Connect sollen diese Hürden entfallen und höhere Abschlussquoten sowie mehr Umsatz generieren.

"Großer Schritt nach vorne"

Die drei Netzbetreiber loben unisono die Einführung und Vorteile von Mobile Connect. „Passwortdiebstahl hat riesige Dimensionen erreicht. Mit Verimi und Mobile Connect werden wir mehr Schutz und Komfort im Internet bieten. Gemeinsam sorgen wir dafür, dass digitale Identitäten unserer Kunden den EU-Rechtsraum nicht verlassen und die Sicherheit des deutschen Datenschutzes genießen“, so Dirk Backofen, Leiter Telekom Security, erklärt die Vorteile von Mobile Connect:
Und Pia von Houwald, Director B2P Digital Processes and Services bei Telefónica Deutschland, ergänzt: „Dass sich die drei Netzbetreiber im Interesse aller Kunden auf eine universelle Spezifikation geeinigt haben, ist ein großer Schritt nach vorn.“ Auch Michael Reinartz, Direktor Strategie und Innovation bei Vodafone Deutschland, ist von der Lösung überzeugt: „Mobile Connect ist enorm flexibel und bietet zukünftig ganz neue Anwendungsszenarien für eine zuverlässige Identifizierung beispielsweise auf Behörden-Portalen und in eCommerce-Shops.“
Mobile Connect soll künftig auch auf sensible digitale Geldtransaktionen jeder Art anwendbar sein. Für diesen Zweck lässt sich das Verfahren um weitere Sicherheitsmerkmale wie biometrische Daten oder die Verwendung von TAN-Nummern erweitern. Auch Behördengänge könne der neue Authentifizierungs-Standard zukünftig unterstützen. Die Beantragung eines neuen Personalausweises soll dann beispielsweise ganz ohne Besuch im Bürgerbüro direkt auf dem Smartphone erfolgen.




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