IFA 2008 04.09.2008, 13:20 Uhr

Messe Berlin zieht positive Bilanz

Trotz eher schwacher Besucherzahlen zeigten sich die Organisatoren der weltgrößten CE-Messe rundum zufrieden mit dem Messeverlauf
"Wir ziehen übereinstimmend eine positive Bilanz": So lautet das Fazit zur IFA 2008 von Christian Göke, Geschäftsführer der Messe Berlin. Tatsächlich konnten die Organisatoren dieses Jahr mit 122.000 Quadratmetern mehr Ausstellungsfläche denn je vermieten - auch dank der Hersteller von Haushaltsgeräten, die in diesem Jahr ihr Debüt auf der IFA feierten. Einen neuen Rekord meldete die Messe Berlin auch bei der Zahl der Aussteller: Insgesamt wurden 1.245 Unternehmen aus 63 Ländern für ein Engagement auf der weltgrößten CE-Messe gewonnen - im Vorjahr waren es noch 1.212 Aussteller aus 32 Ländern. Enttäuschender fielen hingegen die Besucherzahlen aus. Ersten Schätzungen zufolge kamen nur rund 220.000 Interessierte (Vorjahr: 222.780), womit die Messe gerade mit Blick auf die neue Themenvielfalt nicht zufrieden sein kann. Doch wenig berauschende Besucherzahlen hin oder her - dem Anspruch, sich stärker international auszurichten, konnte die IFA 2008 auf jeden Fall gerecht werden. Noch nie hörte man bei einem Streifzug über das Messegelände eine solche Vielfalt von Sprachen. Und auch die gefühlt hohe Dichte an Anzugträgern in den Hallen lässt den Schluss zu, dass die IFA schon lange nicht mehr nur als marktschreierische Konsumentenmesse wahrgenommen wird. Diese Vermutung wird nicht nur durch die wachsende Zahl an Fachbesuchern (+24 Prozent) gestützt, sondern auch von dem hohen Ordervolumen, das der Aufsichtsratsvorsitzende der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu) Rainer Hecker stolz verkündete. Dieses wuchs demnach im Vergleich zum Vorjahr um 250.000 auf drei Milliarden Euro. Allerdings sind solche Prognosen grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen, da sie ausschließlich auf Schätzungen beruhen und nicht verifiziert werden können. Wer beim Besuch der IFA nach den ganz großen revolutionären Neuerungen in der CE-Branche Ausschau hielt, wurde hingegen nicht fündig. Doch bei einem jährlichen Messe-Rhythmus wäre es auch vermessen zu glauben, dass die Innovationszyklen in der Industrie diesem Tempo standhalten könnten. Vielmehr traf man auf altbekannte Produkte wie beispielsweise Flat-TVs, Digitalkameras, HiFi-Geräte und Navigatoren, die allerdings in puncto Form und Funktionalität ständig zu neuen Höchstleistungen getrieben werden. Einige wichtige Trends der IFA 2008: Produktdesign, Full-HD-Auflösung bei Flat-TVs, Blu-ray, Digicams mit "intelligenter" Software, Touchscreens in mobilen Endgeräten sowie das Thema Energieeffizienz. Für den TK-Fachhandel lohnte sich auf der IFA insbesondere ein Besuch der Halle 9, wo sich nahezu die komplette Riege an Navi-Herstellern in Stellung gebracht hatte. Ansonsten wurde deutlich, dass das Thema Telekommunikation auf der weltgrößten CE-Messe immer mehr in den Hintergrund rückt.
Durchweg positiv äußerten sich hingegen die großen Einkaufskooperationen wie Expert, Telering, Euronics oder ElectronicPartner, die bereits zuvor im Rahmen strategischer Partnerschaften die Zusammenarbeit mit der Messe intensiviert hatten und von der diesjährigen IFA begeistert waren. Insgesamt fiel auf, wie sehr die IFA-Organisatoren um die Betreuung der zahlreichen Fachbesucher bemüht waren - dass dieses Konzept Früchte trägt, zeigte auch der stark gewachsene Reseller Park. Überschattet wurde die IFA 2008 indes von einer Großrazzia an den ersten beiden Messetagen. Über 200 Zollbeamte beschlagnahmten im Rahmen der Aktion insgesamt fünf Lkw-Ladungen an CE-Ware. Die betroffenen Aussteller kamen vorwiegend aus dem asiatischen Raum - ihnen wird unter anderem vorgeworfen, Lizenzen für die Nutzung von Patenten nicht gezahlt zu haben. Während sich die IFA-Veranstalter anfangs zu den Geschehnissen partout nicht äußern wollten, übte IFA-Direktor Jens Heithecker später im Gespräch mit Telecom Handel Kritik an der medienwirksam inszenierten Zoll-Aktion: "Recht muss Recht bleiben, und Recht muss auch durchgesetzt werden. Wir haben aber auch das Gefühl, dass es einige Unschuldige erwischt hat", so Heithecker. Und weiter: "Wir sind nicht glücklich über die Art und Weise der Aktion. Sicherlich wäre mehr Fingerspitzengefühl und ein angemessener Umgang mit den Betroffenen der bessere Weg gewesen."



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