Smartphone-Test 09.06.2021, 10:04 Uhr

Find X3 Pro vs. Mi 11 Ultra: Duell der Verfolger

Die neuen Flaggschiffe von Oppo und Xiaomi sollen die Hersteller auch im Highend-Bereich nach vorne bringen. Wir haben das Find X3 Pro und das Mi 11 Ultra ausprobiert.
Oppo Find X3 Pro
(Quelle: Oppo )
Bei den Highend-Smartphones über 800 Euro dominierten Apple und Samsung den Markt in den letzten Jahren, die Herausforderer von Huawei oder Sony konnten daran wenig ändern. Doch jetzt betreten mit dem Mi 11 Ultra von Xiaomi und dem Find X3 Pro von Oppo zwei neue vielversprechende Spieler das umkämpfte Feld.
Das gesunde Selbstbewusstsein der beiden chinesischen Hersteller spiegelt sich in den Preisen wider: Oppo verlangt 1.149 Euro, für das Xiaomi werden noch einmal 50 Euro mehr fällig. Mit der vergleichbaren Speichergröße kostet ein Samsung Galaxy S21 Ultra allerdings 1.299 Euro und ein iPhone 12 Pro Max 1.369 Euro.
Für das Geld gibt es schon auf den ersten Blick viel Smartphone, denn beide Geräte sind groß und unterscheiden sich in der Breite sowie Länge kaum. Allerdings wiegt das Xiaomi mit seinen stolzen 234 Gramm immerhin 41 Gramm mehr als der Kontrahent, was längere Telefonate am Ohr schnell ermüdend macht.
Dazu kommt eine sehr große Einheit für die Kamera und das darin integrierte kleine Zweit-Display, die ein Viertel der Rückseite und fast die ganze Breite einnimmt. Diese Einheit steht mit deutlichen Kanten auch fast vier Millimeter ­heraus, was das Smartphone leider schnell in der Tasche festhängen lässt.
Wie man eine sehr elegante Kameraeinheit baut und damit ein neuartiges Design ins Spiel bringt, zeigt dagegen Oppo: Hier nimmt sie weniger als ein Achtel der Rückseite ein und die Wölbung ist abgerundet. Ohnehin wirkt das Gehäuse mit der Rückseite aus Keramikglas wie aus einem Guss, allerdings ist die Fläche extrem glatt und zieht Fingerabdrücke magisch an.
Xiaomi Mi 11 Ultra
Quelle: Xiaomi
Die Verarbeitung ist auch bei Xiaomi sehr gut, zudem ist das Mi 11 Ultra ebenfalls gemäß IP68 vor Staub und Wasser geschützt – und droht ebenso schnell vom Tisch zu rutschen. Das kleine 1,1-Zoll-Zusatz-Display neben den Kameralinsen, das normalerweise die Uhrzeit und den Ladezustand zeigt, ist ein netter Gag. Es kann auch als Sucher für Selfies mit den Hauptkameras verwendet werden.

Opulente Displays bei beiden Geräten

Das 6,81 Zoll große OLED-Haupt-Display des Xiaomi-Smartphones nimmt fast die ganze Vorderseite ein und ist ganz leicht über die Ränder gebogen. Das Oppo bietet minimal weniger Diagonale, aber sonst eine ähnliche Schärfe und ebenfalls eine hohe Wiederholrate von 120 Hz. Bei beiden ist die Frontcam in einem kleinen Loch in der linken oberen Ecke platziert, der Fingerabdrucksensor liegt unter dem Glas und spricht bei beiden gut an.
Der Xiaomi-Bildschirm wirkt noch etwas leuchtstärker, dafür erscheinen bei Oppo die Farben realistischer – beide Smartphones bieten insgesamt ein sehr hohes Niveau. Ein netter optischer Effekt beim Find X3 Pro ist das kurze Aufleuchten des Display-Rahmens bei eingehenden Nachrichten, zudem hat der Bildschirm eine Always-on-Funktion.

Das Find X3 Pro unterstützt 5G Stand-alone

Sowohl bei Oppo als auch Xiaomi gibt es praktisch alle aktuelle Top-Technik für Smartphones. Beide sind 5G-fähig, das Find X3 Pro unterstützt als erstes Gerät hierzulande sogar 5G Stand-alone bei Vodafone, das noch mehr Leistungsmerkmale bietet. Als Prozessor kommt das Flaggschiff von Qualcomm, der Snapdragon 888, zum Einsatz, beide Geräte erreichen damit fast identische Antutu-Benchmark-Werte von über 700.000, was sie bei den schnellsten Smartphones mithalten lässt.
An Speicher bieten beide Modelle gute 12 GB RAM und 256 GB für Daten, der leider nicht per Speicherkarte erweitert werden kann. Einen kleinen Vorteil verschafft sich das Xiaomi mit dem sehr guten und auch lauten Klang seiner Lautsprecher, bei deren Entwicklung Harman Kardon geholfen hat – das Oppo bietet hier nur durchschnittlichen Sound. Dass das Xiaomi mit 5.000 mAh einen zehn Prozent größeren Akku als das Oppo hat, merkt man im Alltag allerdings kaum: Beide Smart­phones halten einen Tag intensiver Nutzung durch, echte Dauerläufer sind sie aber damit nicht. Das Mi 11 Ultra kann hingegen mit 67 Watt in rund 45 Minuten wieder voll geladen werden. Das ist schon schnell, doch Oppo jagt 65 Watt durchs Ladegerät und füllt den Kraftspender so in knapp 40 Minuten.
Ein Vorteil gegenüber Apple und Samsung ist, dass die schnellen Ladegeräte hier auch beiliegen. Kabelloses Laden unterstützt Oppo mit bis zu 30 Watt und Xiaomi mit einem speziellen zusätzlich erhältlichen Ladegerät sogar mit 67 Watt.

Verschiedene Strategien bei den Kameras

Auffällig: die Kamera­einheit des Mi 11 Ultra mit dem kleinen Zusatz-Display
Quelle: Xiaomi
Unterschiedliche Wege gehen die Hersteller unterdessen bei den Kameras: Das Xiaomi hat drei Linsen, das Oppo vier. Im Mi 11 Ultra arbeitet eine 50-Megapixel-Hauptlinse, die von einer 48-Megapixel-Weitwinkellinse mit 128-Grad-Aufnahmewinkel und einer Makrofunktion unterstützt wird. Besonders stark ist das Zoom-Objektiv: Neben fünffachem optischem Zoom wird damit bis zu 120-facher digitaler Zoom möglich, wobei die Resultate bereits ab 30-facher Vergrößerung nicht mehr gut aussehen. Die Ergebnisse der Kameras insgesamt sind sehr gut, Xiaomi schließt hier zu den besten der Smartphone-Welt auf. Sowohl Aufnahmen bei dürftigem Außenlicht als auch mit optischem Zoom, der einen eigenen optischen Stabilisator hat, sind erstklassig.
Auch das Oppo hat eine 50-Megapixel-Hauptlinse mit einer Blende von f/1.8 und verwendet denselben leistungsstarken Sony-Sensor (IMX766) auch für die Weitwinkellinse, die allerdings nur 110 Grad erfasst. Das Zoom-Objektiv schafft hier nur eine zweifache optische Vergrößerung, die Resultate des 20-fachen digitalen Zooms liegen damit deutlich hinter jenen des Xiaomi zurück.
Die vierte Linse bietet eine Mikroskop-Funktion für eine bis zu 60-fache Vergrößerung kleiner Motive aus bis zu 2 Millimeter Abstand – das liefert interessante Bilder von guter Qualität, ist aber etwas knifflig bei der Bedienung. Insgesamt ist die Hauptkamera von Oppo nicht ganz so stark wie beim Xiaomi, aber im Vergleich zu anderen Smartphones auf dem Markt immer noch sehr gut.
Beide Hersteller setzen darüber hinaus auf das Betriebssystem Anroid 11 ihre eigenen Oberflächen. Ob einem MIUI von Xiaomi oder ColorOS von Oppo besser gefällt, ist dabei Geschmackssache.
Und während Oppo für sein Flaggschiff Find X3 Pro zumindest für zwei Jahre Updates verspricht, hält sich Xiaomi beim Mi 11 Ultra zurück.
Fazit
Quelle: Telecom Handel




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