Geschäftsbericht 13.07.2020, 09:59 Uhr

Expert: Stabil in schwierigen Zeiten

Expert verzeichnet im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Minus beim Innenumsatz von 2,8 Prozent, vor allem der Corona-Lockdown trübte das sonst positive Jahr.
Der Vorstand der Expert SE: Gerd-Christian Hesse, Stefan Müller (Vorsitz) und Frank Harder (v.l.n.r.)
(Quelle: Exoert )
Es hätte ein positives Ergebnis des Geschäftsjahres 2019/20 für die Expert SE werden können, doch am Ende kam Corona und damit die Schließung der Märkte der Gesellschafter. So stand zwischen dem 1. April 2019 und dem 31. März 2020 ein Innenumsatz von 2,08 Milliarden Euro an, der 2,8 Prozent unter dem Vorjahresniveau lag.
Der Vorstandsvorsitzende der Verbundgruppe, Stefan Müller zeigte sich im Gespräch mit Telecom Handel trotzdem recht zufrieden: „Wir haben uns unter schwierigen Voraussetzungen auf hohem Niveau stabilisiert. Die zwei bis drei Wochen Shutdown aller unserer Geschäfte haben uns dann aber die schöne und realistische Perspektive von Wachstum für das Jahr verhagelt.“ 
Die Zahl der Märkte stieg innerhalb des Geschäftsjahres um zwei auf 277, bis Ende 2020 sollen es 282 mit neuen Standorten werden. Bei den Produktgruppen hatte die Unterhaltungselektronik im Geschäftsjahr einen Einbruch von 10,6 Prozent, der ungefähr auf Marktniveau lag, während die Telekommunikation um 2,2 Prozent zulegen konnte.
Der IT-Bereich wuchs mit 7,7 Prozent sogar deutlich stärker als der Markt, vor allem in den Corona-Monaten konnte dieser sehr stark gewinnen. Dazu Müller: „Das Thema Laptop war ja praktisch tot und wurde jetzt wieder deutlich belebt. Die Digitalisierung der Schulen dürfte weiter für Umsatz sorgen.“ Die Telekommunikation hatte dagegen einen Umsatzeinbruch, was Vorstand Frank Harder vor allem auf das im Lockdown fast nicht mehr mögliche Vertragsgeschäft zurückführt. Nach der Öffnung im Mai seien die Umsätze aber wieder deutlich gestiegen.

Verändertes Kaufverhalten

Diese wurden dann auch wieder in den Shops gemacht, laut Harder kommen die Kunden zurück, auch wenn sich das Einkaufsverhalten verändert habe: „Sie kaufen gezielter und hochwertiger, zudem haben viele zusätzliches Geld, weil sie dieses Jahr den Urlaub sparen. Sie kaufen Produkte, die ihnen zu Hause einen Gewinn bringen – ein Renner sind zum Beispiel Brotbackautomaten.“ Beim Lockdown sei auch der Online-Absatz sehr stark gewachsen und bestehe zu einem beträchtlichen Teil weiter, was er als sehr positives Zeichen wertet. 
Auf den Corona-bedingten Zwang, im März alle Standorte sehr plötzlich zu schließen, hat Expert umgehend reagiert und die Gesellschafter mit Beratung unterstützt, vor allem das drängende Thema Sicherung der Liquidität wurde umfassend behandelt. Müller zeigt sich deshalb optimistisch: „Wir rechnen nicht damit, dass ein Experte aktuell oder im Herbst durch die Krise in ernsthafte wirtschaftliche Schwierigkeiten kommt. Sie haben sehr schnell Pläne erarbeitet und sich sogar auf einen längeren Lockdown eingestellt.“
Die Expert-Vorstände sehen auch positive Aspekte in der Krise. Frank Harder: „Viele Händler haben über Werbung und Social Media trotz der Schließung intensive Präsenz gezeigt und Kunden telefonisch oder zu Hause beraten. Sie haben auch vermehrt repariert, denn die Zahl der Serviceaufträge ist gestiegen. Wir haben die Erfolgsbeispiele intern weiter kommuniziert, viele Partner konnten so von anderen lernen.“ Müller ergänzt: „Unsere mittelständische Struktur mit der starken regionalen Verwurzelung der Experten hat sich hier als viel kreativer als die Großfläche gezeigt.“
Das Thema neue Produktgruppen trat durch die Krise aber etwas in den Hintergrund. So habe man zwar auf der Frühjahrstagung ein Modul mit Büchern von Hugendubel gezeigt, das auf einiges Interesse der Gesellschafter gestoßen sei. Aufgrund des Wunsches des Buchhändlers, der sich in der Krise auf den eigenen Vertrieb konzentrieren will, werde die Einführung aber um drei Monate verschoben. Bei einem anderen Produkt ist sich Müller sogar sicher: „Wir werden nicht wie unser Konkurrent anfangen, Autos zu verkaufen.“


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