Microsoft erweitert sein Angebot für digitale Souveränität
Der Softwarekonzern Microsoft hat in Paris die nächsten Schritte seiner Sovereign Cloud vorgestellt. Kunden sollen damit festlegen können, wie viel Kontrolle über Daten, Betrieb und technische Abhängigkeiten sie für welche Anwendung brauchen. Satya Nadella kündigte die Neuerungen auf der Microsoft Frontier Tour an, ausführlich erläutert werden sie in einem Blogbeitrag von Douglas Phillips, President und Chief Technology Officer von Microsoft Specialized Clouds. Das Angebot hatte Microsoft im vergangenen Jahr eingeführt.
Es besteht aus drei Teilen: der Sovereign Public Cloud auf Basis von Azure, der Sovereign Private Cloud in Umgebungen, die Kunden selbst betreiben, und einem Partner-Ökosystem. Ausgangspunkt ist laut Phillips der einzelne Workload. Jede Anwendung stelle andere Anforderungen an Daten, Betrieb und Ausfallsicherheit, deshalb solle nicht jede im selben Betriebsmodell laufen müssen.
Mehr Kontrolle in der Public Cloud
Das Sovereign Control Panel, das bei der Microsoft Ignite in die öffentliche Vorschau geht, bündelt im Azure-Portal Informationen zur Souveränitätslage eines Kunden. Es zeigt Lücken und Risiken und hilft bei der Frage, wie sich Workloads zwischen Umgebungen verlagern lassen. Für den Zugriff auf Kundenumgebungen gibt es Just-in-time Access und die Customer Lockbox. Kunden in EU und EFTA sollen mit Data Guardian eine europäische Aufsicht durch einen vertrauenswürdigen EU-Partner erhalten, wenn Microsoft-Ingenieure aus der Ferne auf Produktivsysteme zugreifen. Der Production Touch Ledger protokolliert diese Zugriffe schrittweise manipulationssicher. Allgemein verfügbar ist das externe Schlüsselmanagement mit Azure Managed HSM, bei dem der Hauptschlüssel in Hardware liegt, die der Kunde selbst oder ein vertrauenswürdiger Dritter betreibt.
Azure Local wird ausgebaut
Für Kunden, die Workloads im eigenen Rechenzentrum betreiben wollen, erweitert Microsoft Azure Local. Confidential Virtual Machines, die Daten auch während der Verarbeitung schützen, sind dort allgemein verfügbar, ebenso SQL Server. GitHub Enterprise Local und Foundry Local für KI-Modelle sollen bei der Ignite allgemein verfügbar werden, DocumentDB und Blob Storage starten in der Vorschau. Zudem soll Azure Local künftig mehrere Mandanten auf gemeinsamer Infrastruktur trennen können. Laut Microsoft eröffnet das lokalen Betreibern und Service Providern die Möglichkeit, eigene souveräne Cloud-Dienste auf Azure-Local-Infrastruktur anzubieten. Auch der Wechsel vom verbundenen zum getrennten Betrieb ohne Internetverbindung geht in die öffentliche Vorschau. Dazu veröffentlicht Microsoft Leitfäden für die Geschäftsfortführung bei Störungen.
Das Partner-Ökosystem umfasst laut Microsoft 29 genannte Unternehmen, darunter Accenture, Avanade, Dell, HPE, Fortinet, Veeam, Rubrik, NVIDIA und Mistral. Hinzu kommen nationale Partner-Clouds wie Bleu in Frankreich, die unabhängig betrieben werden, sowie spezialisierte Partner mit lokalem Know-how. Deutsche Systemhäuser sind in der Aufstellung nicht aufgeführt. Wie groß der Bedarf an solchen Angeboten ist, zeigt eine aktuelle Bitkom-Umfrage: 73 Prozent der Unternehmen machen sich Sorgen wegen der Abhängigkeit von US-Technologien, 2024 waren es 38 Prozent.