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Lesedauer 3 Min.

Einzelhandel: Vor allem die kleinen Läden verschwinden

Eine Studie zeigt den dramatischen Umbruch im deutschen Einzelhandel: Immer mehr kleinere inhabergeführte Geschäfte verschwinden aus den Innenstädten. Dagegen gewinnen Onlineplattformen, Discounter und große Ketten Marktanteile.
Leere Einkaufsstraße
© ChatGPT

Es ist eine erschreckende Zahl, die wohl jeder beim Gang durch deutsche Innenstädte nachvollziehen kann: Die Zahl der Einzelhandelsbetriebe ist zwischen 2010 und 2025 um rund 16 Prozent auf 316.310 gesunken. Vor allem kleine, inhabergeführte Geschäfte verschwinden zunehmend. Das zeigt eine aktuelle Studie der Creditreform Wirtschaftsforschung und des Handelsblatt Research Institut (HRI).

Wie unterschiedlich Unternehmen in diesem Markt betroffen sind, zeigt sich hier: Während es im Jahr 2010 in Deutschland noch 236.143 kleine Einzelhandelsgeschäfte mit Jahresumsätzen von unter 250.000 Euro gab, waren es 15 Jahre später nur noch 170.770. Das ist ein Rückgang um 28 Prozent. Im gleichen Zeitraum verdoppelte sich die Zahl der großen Einzelhandelsunternehmen mit Umsätzen von über 25 Millionen Euro.

Ein wichtiger Indikator für die wirtschaftliche Lage einer Branche ist laut den Verfassern der Studie die Entwicklung der Insolvenzen. Im Handel zeigt sich seit einigen Jahren verstärkt, dass zunehmend größere und bekanntere Unternehmen betroffen sind – darunter Galeria Karstadt Kaufhof, Esprit, Gerry Weber sowie der Schuhhändler Görtz und jüngst der Deko-Händler Depot. Diese Fälle bilden jedoch nur die Spitze des Eisbergs. Der Rückzug geschieht größtenteils still. Insgesamt gab es im Einzelhandel im Jahr 2025 rund 2.440 Insolvenzen – ein Anstieg von etwa 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit setzte sich der Negativtrend fort. Bereits 2024 war die Zahl der Insolvenzen im Einzelhandel um fast 20 Prozent gestiegen. Überdurchschnittlich stark betroffen waren zuletzt unter anderem der Buchhandel, der Einzelhandel mit Back- und Süßwaren sowie der Textileinzelhandel.

Die Ergebnisse der Untersuchung kommentiert Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung: „Der deutsche Einzelhandel steckt mitten in einem historischen Strukturbruch. Während Onlineplattformen, Discounter und große Filialisten Marktanteile gewinnen, geraten viele kleine und mittelständische Händler wirtschaftlich an ihre Grenzen. Besonders in den Innenstädten wird dieser Wandel sichtbar: Fachgeschäfte verschwinden, Leerstände nehmen zu und die Vielfalt des stationären Handels geht verloren. Das klassische Warenhausmodell hat vielerorts keine Zukunft mehr.“

Um sich künftig stabiler und profitabler aufzustellen und dem Abwärtstrend entgegenzuwirken, seien laut Hantzsch vor allem mehr Kundennähe, Spezialisierung und Effizienz erforderlich: „Wer als kleiner Händler austauschbar bleibt, wird es künftig schwer haben. Erfolgreich werden vor allem diejenigen Unternehmen sein, die Beratung, Erlebnis, Spezialisierung und digitale Präsenz intelligent miteinander verbinden. Gerade individuelle Angebote und schnelle Reaktionsfähigkeit können im Wettbewerb mit großen Ketten und Plattformen entscheidende Vorteile schaffen“.

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