Einzelhandel wächst im ersten Halbjahr vor allem dank höherer Preise
Der deutsche Einzelhandel hat seinen Umsatz im ersten Halbjahr 2026 vor allem durch höhere Preise gesteigert. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts lagen die Einnahmen von Januar bis Juni nominal um 2,2 Prozent über dem Vorjahresniveau. Preisbereinigt blieb durch die Inflation lediglich ein Plus von 0,7 Prozent.
Der Handelsverband Deutschland (HDE) bewertet die Lage weiter kritisch. „Die Lage im Einzelhandel ist alles andere als gut“, sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Die Konsumstimmung bewege sich seit längerer Zeit auf dem Niveau des zweiten Corona-Lockdowns und sei damit zu schwach, um der Branche spürbaren Auftrieb zu geben. Belastend wirkten weiterhin die internationalen Krisen sowie die politische Unsicherheit.
Für das Gesamtjahr 2026 erwartet der HDE ein nominales Umsatzwachstum von zwei Prozent. Real soll der Zuwachs lediglich 0,5 Prozent betragen. Wachstumstreiber bleibt nach Einschätzung des Verbands vor allem der Online-Handel. Gleichzeitig fordert der HDE Reformen zur Entlastung von Unternehmen und Verbrauchern, etwa bei Lohnnebenkosten, Energiepreisen und Bürokratie.
Etwas verbessert hat sich zuletzt das Geschäftsklima im Einzelhandel. Der entsprechende Index des Ifo-Instituts stieg im Juli von minus 32,4 auf minus 28,7 Punkte und legte damit zum dritten Mal in Folge zu. Von einer nachhaltigen Erholung könne jedoch noch keine Rede sein, betonte das Ifo. Viele Händler blickten weiterhin zurückhaltend auf den weiteren Jahresverlauf. Die Unsicherheit durch den Nahostkonflikt und steigende Inflationsrisiken belasteten die Verbraucherstimmung.
Im Juni musste der Einzelhandel zudem einen Dämpfer hinnehmen. Gegenüber dem Vormonat gingen die Umsätze nominal um 1,0 Prozent und preisbereinigt um 0,7 Prozent zurück. Damit fiel der Rückgang stärker aus als von vielen Ökonomen erwartet.