Marktreport 10.06.2021, 11:25 Uhr

Boom bei Business-Headsets: Profitieren von Corona

Der durch Corona ausgelöste Homeoffice-Boom beschert den Herstellern von Profi-Headsets klingelnde Kassen, und auch die Vertriebspartner können profitieren.
(Quelle: Kinga/Shutterstock )
Die Corona-Pandemie hat die gesamte Telekommunikationsbranche vor massive Herausforderungen gestellt. Diese sind zum einen negativer Art, wie die immer noch anhaltenden Schließungen der Ladenlokale. Es gibt aber auch positive Veränderungen, wie die extreme Beschleunigung der Digitalisierung in Unternehmen – von der neben dem Handel auch die Anbieter entsprechender Lösungen und Produkte profitieren.
Quelle: Telecom Handel
So hatten die Hersteller von Office-Headsets wie Epos, Jabra, Poly, Logitech oder Snom bereits im vergangenen Jahr das Luxusproblem, die immense Nachfrage nicht immer befriedigen zu können. Und der Trend zu neuen Arbeitsformen wie Homeoffice und Mobile Working hält unverändert an. Allein Microsoft konnte die Zahl der aktiven Nutzer seiner Lösung Teams enorm in die Höhe schrauben. Egal ob Teams, klassisches Festnetz, Softphone oder Smartphone – die Mitarbeiter im Homeoffice erledigen die meiste Kommunikation per Sprache und benötigen hierzu die passende Hardware.

Homeoffice wird zur neuen Normalität

Stefan Grewe, Sales Director DACH, Enterprise Solutions bei Epos
Quelle: Epos
Bei Epos ist man davon überzeugt, dass die in vielen Unternehmen durch Corona erzwungene Umstellung auf Homeoffice auch nach Ende der Krise weitergeführt werden wird. „Diese neue Arbeitsweise wird für viele zur Normalität und damit in Zukunft bei den Endnutzern eine Nachfrage nach solchen Lösungen schaffen“, so Stefan Grewe, Sales Director DACH, Enterprise Solutions bei Epos. Auch bei Poly hat man in den vergangenen Monaten die Erfahrung gemacht, „dass Unternehmen in die Qualität der Zusammen­arbeit zwischen den Mitarbeiter/-innen investieren und trotz Homeoffice eine bestmögliche Meeting-Umgebung schaffen wollen“, so Henning Schäfer, Senior Director Sales DACH & EE bei Poly.
Gregor Knipper, Managing Director DACH Jabra Business Solutions
Quelle: Jabra
Auch bei Jabra erwartet man nach der Corona-Krise einen anhaltenden Boom bei UCC-Lösungen. „Viele Unternehmen haben durch Corona gelernt, remotes Arbeiten funktioniert gut. Ebenso schätzen zahlreiche Mitarbeiter mittlerweile die Vorteile der Arbeit von zu Hause und wollen dies auch zukünftig stärker nutzen“, so Gregor Knipper, Managing Director DACH für Jabra Business Solutions. Die Unternehmen müssen nach Einschätzung von Epos-Sales-Chef Grewe aber auch aus einem anderen Grund in die Zukunft denken. Für viele Arbeitskräfte sei bei der Wahl des Arbeitgebers künftig maßgeblich entscheidend, inwiefern dieser das Thema Smart Working umsetzt und professionelle Ausstattung zur Verfügung stellt.

Wer billig kauft, kauft zweimal

Insgesamt bemerken alle Branchenteilnehmer aber einen Wandel beim Kaufverhalten. „Die Nachfrage nach massentauglichen Lösungen, die von Unternehmen pauschal für ihre Mitarbeiter/iinnen gekauft werden, hat sich hin zu individuellen Lösungen verlagert“, sagt Henning Schäfer. Auch bei Jabra kennt man dieses Phänomen: „Für die Unternehmen heißt es jetzt: prüfen, ob die getätigten Anschaffungen die richtigen waren, mit den Mitarbeitern sprechen und entsprechend nachjustieren“, erzählt Gregor Knipper. Der Handel kann nun doppelt verdienen, da viele Unternehmen sukzessive die eher günstigen Headsets, die im vergangenen Jahr gekauft wurden, durch bessere und damit teurere Modelle ersetzen.
Für den gelegentlichen Gebrauch waren diese Lösungen noch akzeptabel, wer aber täglich mehrere Stunden mit einem Headset arbeiten muss, wird schnell nach besserem Tragekomfort und vor allem mehr Features verlangen. Eines der wichtigsten ist – vor allem mit Blick auf den Einsatz im Homeoffice – die effektive Ausblendung von Umgebungsgeräuschen. Gute Noise-Cancelling-Headsets sollen sowohl das tieffrequente Brummen der Turbinen auf dem nächsten Urlaubsflug eliminieren, gleichzeitig aber auch Stimmen und andere Geräusche ausblenden, die beim Einsatz zu Hause von der Arbeit ablenken können.
Das Busy Light bei Jabras Evolve 2-Serie zeigt, wenn der Nutzer beschäftigt ist
Quelle: Jabra
Denn gerade durch den Trend zum Homeoffice müssen die Kopfhörer echte Alleskönner sein, da die wenigsten zwei separate Modelle kaufen beziehungsweise vom Arbeitgeber gestellt bekommen werden.
Neben der Geräuschunterdrückung sind aber auch andere Features immer gefragter – etwa die Einbindung in Lösungen wie Microsoft Teams. Hier haben die großen Hersteller spezielle Modelle im Portfolio, die nicht nur für das Microsoft-Tool zertifiziert sind, sondern zum Beispiel mit einer dedizierten Taste zusätzliche Schnellzugriffe auf bestimmte Funktionen in Teams bieten.
Ein weiteres praktisches Feature ist das Busy Light. Dabei wird über eine oder mehrere LEDs am Kopfhörer ein Präsenzstatus signalisiert. Leuchtet die LED rot, will man nicht gestört werden oder befindet sich gerade in einer Konferenz. Diese ursprünglich für Großraumbüros konzipierte Technologie passt perfekt ins Homeoffice, vor allem wenn der Heimarbeitsplatz nicht räumlich abgetrennt ist und man beispielsweise am Küchentisch sitzt.

Mikrofonqualität steht an erster Stelle

An erster Stelle steht aber nach wie vor die Mikrofonqualität. Wird man vom Gesprächspartner in einer Telefon- oder Videokonferenz nicht richtig verstanden, führt dies schnell zu Frustration auf beiden Seiten. Hier hat sich in den vergangenen Jahren sehr viel getan, die Entwickler verbauen immer mehr Mikrofone in die Geräte, die dann alle störenden Umgebungsgeräusche ausfiltern und nur die Sprache des Nutzers übertragen. Hier gibt es je nach Preiskategorie immense Unterschiede: Professionelle Headsets etwa schalten den Ton des Nutzers bei Gesprächspausen nicht komplett auf stumm, denn dann könnte der Partner am anderen Ende der Leitung denken, die Verbindung sei zusammengebrochen.
Monaurale Lösungen wie das Poly Savi 7310 bieten hohen Tragekomfort
Quelle: Poly
Doch auch abseits des Homeoffice-Booms sind professionelle Headsets stärker gefragt denn je. Viele Unternehmen können in der Corona-Krise oft nur via Telefon mit den Kunden in Kontakt treten und investieren deshalb in bessere Ausstattung für ihre Callcenter. Dadurch haben auch klassische Office-Lösungen wie zum Beispiel monaurale Headsets oder Kopfhörer mit DECT-Technologie Konjunktur. Speziell Letztere sind nach wie vor das Mittel der Wahl in größeren Büros, da ihre Reichweite die von Bluetooth-Geräten um ein Vielfaches übersteigt. Modelle mit Multizellen-Funktion wie etwa das Snom A190 bieten noch größere Reichweite, da der Nutzer selbst während eines Telefonats zwischen verschiedenen DECT-Basisstationen nahtlos wechseln kann.
Letztlich können die Hersteller von Office-Headsets und auch ihre Vertriebspartner viel Positives aus der Corona-Krise ziehen. Dennoch sind die Produkte keine Selbstläufer, immer noch wissen viele Unternehmen nicht, welche Vorteile hochwertige Business-Kopfhörer bieten.