Digital Team Austria 17.04.2020, 10:42 Uhr

Viele Hersteller wünschen sich unabhängige Plattform für ihre Corona-Angebote

Damit KMU mit den Anforderungen an das mobile Arbeiten in Zeiten der Corona-Krise nicht allein gelassen werden, hat Österreich die Initiative „Digital Team Österreich“ ins Leben gerufen – und das bereits Mitte März. Wäre dies auch in Deutschland hilfreich?
(Quelle: Digital Team Austria )
Seit Mitte März gibt es in Österreich eine Plattform Digital Team Austria, auf der Unternehmen – auch Händler – Unterstützung für ihr Business in der Corona-Krise einfordern können. Anbieter können ihre Services auf der Plattform einstellen, wenn sie für mindestens drei Monate gratis sind. Eine ähnliche Initiative gibt es in Deutschland nicht – wir haben dennoch Hersteller befragt, ob sie sich an einer ähnlichen Plattform beteiligen würden, und welche Ansätze aus ihrer Sicht sinnvoll sind.

Swyx gehört zu den Herstellern, die Digital Team Austria unterstützten. DazuHarald Bender, VP Marketing Swyx Solutions GmbH. „Wir beteiligen uns an der Initiative von Digital Team Österreich und würden ein vergleichbares Angebot auch in Deutschland unterstützen. Wir begrüßen jede Informationsplattform, die wichtige Tools zur Digitalisierung und Zusammenarbeit für Unternehmen bereitstellt. Auch in Deutschland gibt es schon einige Informationsquellen hierzu, wie beispielsweise den eco Verband: https://www.eco.de/eco-fokus-zu-covid-19/#videokonferenzen. Die aktuelle Situation bringt schon genug Herausforderungen für Unternehmen mit sich, daher beteiligen wir uns selbstverständlich gerne an Initiativen, die Hilfestellungen leisten – schließlich liegt es auch in unserem Interesse, wenn sich die Wirtschaft nach Ende der Einschränkungen schnellstmöglich wieder erholt. Wichtig bei einer solchen Informationsplattform ist, dass ein seriöser, unabhängiger Anbieter dahintersteht, das ist bei Digital Team Österreich natürlich gewährleistet. Zudem ist es wünschenswert, wenn das Angebot möglichst viele Unternehmen erreicht.“
Nfon beteiligt sich an der Österreich an Digital Team Austria – und würde dies auch in Deutschland machen. „Die Initiative des österreichischen Bundesministeriums für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort ist der absolut richtige und große Schritt pro Innovierung modernster und einfachster Kommunikationstools aus der Cloud. Wenn wir in Österreich oder vielleicht auch in Deutschland dazu beitragen können einen schnellen und einfachen Zugang zu notwendigen Tools für das Homeoffice, für das zuverlässige mobile Arbeiten auch in der post Coronahochzeit zu gewährleisten, dann ist das ein großer Dienst zur Steigerung, Stabilisierung und Stärkung der Wirtschaftslage – dies ist zweifelsohne ein wertvoller Beitrag für unser Land“, so CEO Horst Szymanski.

Auch Regina Dettmer von Auerswald findet die Initiative grundsätzlich gut: „Sehr sehr positiv ist die Tatsache, dass die Initiative in diesem Fall von der Politik ausgegangen ist. Da kann sich Deutschland auf jeden Fall ein Beispiel daran nehmen. Man redet nicht nur sondern versucht aktiv mitzugestalten und zu helfen in dieser für uns alle noch nie dagewesenen Situation. Das Portal ist auch recht einfach und überschaubar gestaltet, was auch positiv ist. Die Frage, die sich hierbei nur stellt wie gelangen die Kunden zu diesem Portal und wie kann man es erreichen, dass der Kunde sich dann aus der großen Liste für unser Produkt entscheidet. Denn häufig hapert es bei solchen Portalen an der Vergleichbarkeit der Angebote, die dann im direkten Vergleich nicht immer stimmig sind. Auf jeden Fall sollte der Pflegeaufwand gering gehalten werden, eine klare Struktur für den Endkunden vorhanden sein, der Vergleich fair sein und Sonderkonditionen von verschiedenen Unternehmen nicht ausgrenzen (z.B. nicht unbedingt kostenloser Account, aber dafür andere Benefits) sonst sind die größeren Unternehmen in der Regel besser aufgestellt bezüglich der. Ausfallzeiten, Redundanzen, Hotlinezeiten, kostenlose Zusatzdienste.“

Manuel Ferre Hernandez, Geschäftsführer von Mitel Deutschland vermisst bei dem Portal mehr Beratung, findet den Ansatz aber gut: „Wir erleben gerade ganz besondere Zeiten – privat wie geschäftlich. Die umfassende Umstellung der Arbeit auf das Homeoffice verlangt Mitarbeitern und Unternehmen viel ab. Initiativen wie Digital Team Österreich bieten KMUs eine gute Anlaufstelle, um schnell und zusammengefasst die Unterstützung zu finden, die sie brauchen, um ihr Business so erfolgreich wie möglich fortsetzen zu können. Vergleichbare Initiativen würden wir auch in Deutschland begrüßen, denn sie helfen Kunden in vielen digitalen Bereichen – auch über die Kommunikation hinaus. Sie ermöglichen ihnen neue Wege und in der aktuellen Situation produktiv zu sein. Was dem Portal einen weiteren Mehrwert geben würde, sind Hinweise, die den Nutzern helfen, die richtige Lösung oder Anwendung für sie zu finden. Die fachliche Beratung ist hier nicht zu ersetzen, Einstieghilfen wie Checklisten, Übersichten oder Tipps sind dennoch sinnvoll für sie, um besser durch die vielen Angebote zu navigieren. Das Portal bietet für viele Themen bereits einen Chatbot, der bei der Auswahl des richtigen Angebots bislang leider nicht helfen kann.“
Sion Lewis, VP EMEA bei LogMein: „Eine ähnliche Initiative wie Digital Team Österreich in Deutschland wäre wünschenswert. Als Initiative des Bundesministeriums für Digitalisierung und den Wirtschaftsstandort Österreich wird die Initiative als vertrauensvolle Quelle für unterstützende Software während der Coronavirus-Pandemie wahrgenommen. Es ist eine gute Gelegenheit direkt mit den Behörden in der Region in Kontakt zu treten.“

Starface: „Dass es die Initiative in Österreich gibt, finden wir gut. In Deutschland ist so etwas prinzipiell auch denkbar. Aber: Wer informiert sich im Bedarfs- und Notfall des Umzugs seines Unternehmens ins Homeoffice auf einer Website der Regierung über die potentiellen Angebote? In Deutschland sind wohl eher Bundesverbände wie Bitkom und andere Organisationen, die so eine Übersicht publizieren müssten oder sollten. Übersichten wie beispielsweise auf Telecom Handel sind natürlich auch sehr wichtig, weil dadurch der Channel eine aktuelle Angebots-Übersicht erhält. Gerade Mittelständler haben ja in der Regel feste, ihn betreuende IT-Partner, die in einem solchen Fall dann schnell Empfehlungen aussprechen können, wie der Umzug ins Homeoffice vonstatten gehen kann und welche günstigen oder kostenlosen Specials es dafür gibt.

Alexandra Biebel, Marketingleiterin bei Alcatel-Lucent Enterprise: „Ich finde diese Initiative prima und würde sie auch für Deutschland begrüßen. Das Ganze dient ja als Hilfestellung für die Privatwirtschaft und Wirtschaftstreibenden in Österreich, da öffentliche Organisationen bekanntlich Vergabe rechtliche Rahmenbedingungen einzuhalten haben. Wenn ich sehe wie viele unterschiedliche Online-Plattformen nun vermeintliche Angebote zusammenstellen – mal ist es ein Überblick der Leistungsmerkmale verschiedener Videokonferenzsysteme oder UCC-Plattformen, mal ist es eine Zusammenstellung verschiedener Hersteller-Aktionen. Dann fände ich ein zentrales Portal nach österreichischem Vorbild sowohl für die Anbieter als auch für die suchenden Unternehmen sehr viel hilfreicher. Mir ist leider nicht bekannt, dass die deutsche Regierung so etwas plant. Es gibt eine weitere französische Initiative von OVH Cloud, die eine ähnliche Plattform unter dem Namen Open Solidarity – meines Wissens mit Unterstützung der französischen Regierung - ins Leben gerufen haben. Ursprünglich französisch geprägt hat das Unternehmen nun entschieden, die Plattform zu öffnen und bietet sie in fünf oder sechs Sprachen an: https://us.open-solidarity.com/. Zurück zu Digital Team Österreich. Das Portal ist einfach aber übersichtlich aufgebaut. Die Unterscheidung nach Videokonferenzsystemen, UC-Plattformen und Zugangstechnologien finde ich hilfreich, da sich die Vielzahl der Angebote eben in diesen Bereichen tummeln. Einen ähnlichen Aufbau würde ich mir auch für ein „deutsches“ Portal wünschen.“

Wildix: „Auch wir beteiligen uns an der Aktion „Digital Team Österreich“. In Zeiten wie diesen ist es wichtig, zusammen zu halten und sich gegenseitig unter die Arme zu greifen. Daher ist es für unseren CEO Steve Osler und das komplette Team eine Selbstverständlichkeit, den Umstieg ins Homeoffice und damit den Fortbestand der Wirtschaft zu unterstützen. Damit dieses Angebot auch möglichst viele Unternehmen erreicht, ist eine entsprechende Plattform elementar. Digital Team Österreich bietet eine solche Plattform. Wir haben uns auch in Deutschland schon nach einer ähnlichen Plattform umgesehen, sind allerdings nicht fündig geworden. Unserer Ansicht nach ist eine solche Initiative definitiv sinnvoll und wir würden diese sofort unterstützen. Viele Unternehmen stehen derzeit vor der Herausforderung, von jetzt auf gleich auf Smart Working umzusteigen. Doch wer sich noch nie großartig damit beschäftigt hat, steht nun vor vielen Fragen und gegebenenfalls unseriösen Angeboten. Eine zentrale, verifizierte Plattform (beispielsweise von Regierungsseite) würde diese „Suchenden“ sicher unterstützen und Ihnen auch Ängste nehmen. Auf dieser Seite sollte übersichtlich dargestellt werden, welcher Service jeweils geboten wird, welche Bestandteile die Lösung hat, sowie ein Richtwert, für welche Unternehmensgrößen und Anwendungsgebiete sich die Lösung besonders eignet.“

Philipp Truckenmüller, Head of Channel Marketing, Innovaphone: "Selbstverständlich unterstützen wir derartige Initiativen auch in Deutschland. Derzeit gibt es ja auch bereits einige, wie zum Beispiel die der TeleTrust, bei der wir auch gelistet sind: https://www.teletrust.de/kostenfreie-it-sicherheitsloesungen/. Sinnvoll und übersichtlich ist bei dem österreichischem Projekt die Einteilung der angebotenen Services in vier Kategorien. Auch die kurzen Abrisse zu den zur Verfügung gestellten Features und die entsprechenden Verlinkungen erleichtern die Orientierung. Hilfreich wäre eventuell, wenn die vier Hauptkategorien noch weiter in Unterkategorien unterteilt wären, da sich hier doch relativ viele Anbieter mit teils sehr unterschiedlichem Portfolio wiederfinden."

Der Anbieter RoutIT vertreibt seine Lösungen als Whitelabel über Partner, könnte auf der Plattform also nicht direkt gelistet werden. Entsprechend kritisch fällt das Urteil aus: „Aus unserer Sicht benachteiligt ein solches zentrales Listing kleinere, lokale Anbieter. Wie vertreiben unser Produkt exklusiv über Reseller, die unter eigenem Namen auftreten. RoutIT ist nicht sichtbar für den Endkunden (Whitelabel). Weder unsere Partner noch die Interessenten hätten etwas davon, wenn RoutIT genannt würde, da Endkunden dann immer noch nach einem Reseller/Partner in ihrer Nähe suchen müssten. Alle Partner zu listen würde jedoch die online Datenbank vermutlich unübersichtlich machen. Die Umkreissuche eines IT-Partners nach Spezialgebiet (nicht nach Hersteller) wäre am sinnvollsten. Vermutlich ist das schwieriger umzusetzen, es böte dann aber einen echten Mehrwert für den Kunden. Aus unserer Sicht ist Digital Team nicht spezifisch/informativ genug. Ein Listing von Firmenlogos wie auf https://www.usp.gv.at/Portal.Node/usp/public/content/home/532053.html ist nicht wirklich hilfreich. Dort stehen Amazon Web Services genauso wie Canon oder Microsoft – alle drei bieten grundverschiedene Dienste.“

Auch Voiceworks tritt als Marke nicht in Erscheinung und vertreibt seine Lösungen wie RoutIT als Whitelabel über Reseller. Dennoch betont Vertriebsleiter Bernd Becker, der Cloud-PBX-Anbieter würde an einer entsprechenden Initiative teilnehmen, vorausgesetzt es gibt einen seriösen Initiator, einen professionellen Auftritt und der Plattformbetreiber dürfe kein kommerzielles Eigeninteresse haben. Zudem sollten auf der Plattform die wesentlichen Inhalte der Angebote sichtbar sein und nur geprüfte Inhalte, die auch den Anforderungen der Aktion entsprechen, sollten dort vertreten sein.“




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