B2B-Umfrage 23.07.2020, 09:29 Uhr

Unternehmensstrategie: Was KMU aus der Covid-19-Krise gelernt haben

Als Folge der Covid-19-Krise richten zahlreiche kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) ihre Unternehmensstrategie neu aus. Wie haben die Firmen in den vergangenen Monaten reagiert und vor allem: Was haben sie gelernt?
(Quelle: Fotolia/Rawpixel)
Die vergangenen Krisenmonate haben vor allem viele kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) getroffen und erschüttert. Nahezu alle mussten und müssen ihre bisherigen Ansätze überdenken, innovativ und kreativ werden und neue Unternehmensstrategien etablieren.
Welche das sind, wie Firmen in den vergangenen Monaten reagiert und was sie gelernt haben, zeigt eine Befragung von Vimcar, Anbieter von Connected-Mobility-Lösungen. Die Umfrage wurde zwischen April und Juni 2020 unter mehr als 100 KMU durchgeführt.

Die Ergebnisse

Eine breite Mehrheit der befragten Mittelständler hält es für eine erfolgreiche Strategie, die "neue Normalität" zu akzeptieren und sich an die "Post-Corona"-Marktsituation anzupassen. Das heißt auch, krisenbedingt ergriffene Maßnahmen dauerhaft in die Geschäftsprozesse zu integriert.
Dazu gehören den Befragten nach:
  1. Digitalisierung von Geschäftsprozessen
  2. Digitalisierung der Customer Relations
  3. Identifikation versteckter Sparpotenziale
  4. Ausbau von Kundenbindungsstrategien und -programmen
  5. Flexibilisierung von Arbeitsort und -zeit

1. Digitalisierung von Geschäftsprozessen

Nahezu alle KMU wollen Corona-bedingte IT-Maßnahmen dauerhaft beibehalten. Dazu zählen vor allem:
  • Teleworking-Lösungen
  • Video-Chat-Lösungen
  • Cloud-Services
  • Kollaborationslösungen wie Microsoft Teams oder Slack

2. Digitalisierung der Customer Relations

Die meisten KMU beobachten bis heute andauernde Veränderungen in der Customer Journey. Denn der Lockdown im Zuge von Covid-19 und weitreichende politische Maßnahmen (wie das Distanzgebot, das Verbot von Massenveranstaltungen oder die Mundschutz-Pflicht) haben auch das Konsumverhalten der Bundesbürger verändert.
Dabei empfehlen die befragten KMU überwiegend folgende Maßnahmen für eine Anpassung an die neue Marktsituation:
  • Ausbau digitaler Kommunikations- und Einkaufs-Kanäle, Ausbau der Social-Media-Präsenz
  • Angebot eines Lieferservices
  • Digitales Standortmarketing (Öffnungszeiten, Postings, Bewertungen bei Apple Maps, Google Maps/ My Business)
  • Verstärkte Nutzung von Messenger-Apps (iMessage, WhatsApp, Facebook Messenger u.a.)
  • (Video-)Chat in der Kundenberatung
Gute Erfahrungen im digitalen Kundenkontakt haben die befragten Mittelständler auch mit Facebook-Gruppen und Shopping-Plattformen wie Shopify oder Boxbote gemacht.

3. Identifikation versteckter Sparpotenziale

Umsatzeinbußen sind nach wie vor an der Tagesordnung. Als Möglichkeiten, Zeit und/ oder Kosten einzusparen, haben die befragten KMU am häufigsten genannt:
  • Personalkürzungen/ Kurzarbeit
  • Priorisierung und Fokus aufs Kerngeschäft
  • Veränderte berufliche Mobilität

4. Ausbau von Kundenbindungsstrategien und -programmen

Vor dem Hintergrund eines gedämpften Konsumklimas und steigender Arbeitslosenzahlen gewinnen Upselling-Strategien, Kundenbindungsprogramme und proaktive Kundenkommunikation im Mittelstand an Bedeutung. Auch für die Mehrheit der deutschen KMU soll das Thema "Kundenbindung" zukünftig "einen höheren Stellenwert im Unternehmen" einnehmen.
Als "erfolgreiche Maßnahmen zur Kundenbindung" wurden von den befragten KMU am häufigsten genannt:
  • Proaktive Kommunikation
  • Strukturiertes Kundenfeedback
  • Upselling an Bestandskunden
  • Individuelles Onboarding bei Neuprodukten
  • Optimierung der Zahlungsmodalitäten.
Zur Optimierung der Zahlungsmodalitäten zählen:
  • Die Einführung eines gestaffelten Preismodells
  • Die Möglichkeit zum Aufschub oder zur Stundung von Zahlungen
  • Die Umwandlung eines Fixbetrages in ein Abo-Modell oder eines jährlichen Fälligkeitsturnus in Monatsraten
  • Auch Rabatte für den Abschluss von Verträgen mit längerer Laufzeit wurden genannt.

5. Flexibilisierung von Arbeitsort und -zeit

Im Zuge des Lockdowns haben KMU ihre Richtlinien zur Anwesenheit der Mitarbeiter geändert. In den meisten Fällen wurde dabei Homeoffice genutzt, ein Drittel der KMU hat virenbedingte Rotations- oder Schichtmodelle eingeführt. Mehr als die Hälfte der KMU will nach eigenen Angaben die Anwesenheiten im Büro auch zukünftig flexibler gestalten.

Die Reduzierung persönlicher Kontakte im Zuge von Covid 19 hat in dem Zusammenhang auch Auswirkungen auf das Themenfeld "Mobilität". Viele KMU wollen zukünftig weniger Dienstreisen anstreben. Dazu gehören auch:
  • Ein Umstieg auf Elektro-Mobilität und klimaneutrale Firmen-KFZ
  • Die Einführung von Mobilitätsbudgets
  • Die Digitalisierung des Fuhrparks
  • Die Verringerung/ bessere Auslastung der Firmenfahrzeuge
  • Die Optimierung von Transport- und Lieferketten

Fazit

Ein übergreifendes Learning fasst Vimcar-Geschäftsführer Andreas Schneider zusammen: "Eine der Stärken des deutschen Mittelstands liegt in seiner Hands-On-Mentalität: Diejenigen Unternehmen, die nach eigenen Angaben gut bis sehr gut durch die Krise gekommen sind, haben frühzeitig umfassende Maßnahmen in den Bereichen Digitalisierung und Kundenkommunikation ergriffen und sich schnell an die neue Situation angepasst."

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