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Lesedauer 4 Min.

Vodafone holt Samsung ins deutsche Netz – und setzt auf OpenRAN

Mit Samsung als drittem Ausrüster startet Vodafone das größte OpenRAN-Projekt Deutschlands. Mehrere tausend Mobilfunkstationen werden in den kommenden Jahren mit der neuen Technologie ausgestattet, die auf offene Standards und mehr Flexibilität setzt.

Offene Standards bei der Netzinfrastruktur öffnen neuen Playern den Markt

© (Quelle: EMGenie)

Vodafone bindet Samsung als dritten Netzausrüster ein und startet damit zugleich das ambitionierteste OpenRAN-Projekt in Deutschland. Ab 2026 sollen mehrere tausend Mobilfunkstationen mit der Technologie des koreanischen Elektronikkonzerns ausgerüstet werden – eine strategische Neuausrichtung, mit der sich Vodafone unabhängiger von einzelnen Lieferanten aufstellen will.

Die Entscheidung ist Teil eines europäischen Ausrüster-Auswahlprozesses der Vodafone-Gruppe. Der Großteil der insgesamt geplanten OpenRAN-Standorte in den europäischen Märkten wird auf Deutschland entfallen. Damit entsteht hierzulande nicht nur Deutschlands größtes OpenRAN-Projekt, sondern auch ein Vorzeigeprojekt für eine Technologie, die in der Branche als Zukunftsmodell gilt, aber in der Praxis bislang eher zögerlich umgesetzt wurde.

„Wir schalten im Mobilfunk auf Zukunft, stellen uns mit mehr Netzwerkausrüstern noch unabhängiger auf und starten Deutschlands größtes OpenRAN-Projekt", erklärt Marcel de Groot, CEO von Vodafone Deutschland. „In den kommenden Jahren bauen wir das flexibelste Mobilfunknetz der Republik – mit tausenden OpenRAN-Stationen, die offen sind für die besten Technologien von allen potenziellen Partnern.“

Wismar wird OpenRAN-Vorzeigestadt

Als erstes soll die Hansestadt Wismar in Mecklenburg-Vorpommern im Frühjahr 2026 zur vollständig mit OpenRAN ausgerüsteten Stadt im Vodafone-Netz werden. Vodafone hatte die Samsung-Technologie in den vergangenen Monaten bereits an einzelnen Stationen im ländlichen Raum getestet. Die Ergebnisse waren offenbar überzeugend genug, um den Rollout im großen Maßstab zu starten.

Der Ausbau konzentriert sich auf einen Mix aus neuen Standorten und Umrüstungen im Zuge des regulären Mobilfunkausbaus. Über fünf Jahre soll so ein Netz entstehen, das sich deutlich von den bisherigen Strukturen unterscheidet – und das vor allem durch Flexibilität punkten soll.

Was OpenRAN von herkömmlichen Netzen unterscheidet

Im Unterschied zu herkömmlichen Mobilfunknetzen, in denen Hard- und Software meist aus einer Hand kommen, setzt OpenRAN auf offene Schnittstellen. Das ermöglicht es, Komponenten verschiedener Hersteller miteinander zu kombinieren. Bei Vodafone arbeitet Samsung deshalb eng mit Partnern wie Dell Technologies (Server), Intel (Prozessoren) und Wind River (Cloud-Software) zusammen.

„Dank offener Standards können wir die beste Software und Hardware verschiedener Anbieter miteinander kombinieren“, sagt Tanja Richter, Technik-Chefin von Vodafone. „Damit und mit Hilfe von KI beschleunigen wir die Automatisierung im Netz und bringen neue, innovative Funktionen schneller und einfacher zu unseren Handynutzern.“

Das Prinzip dahinter: Statt auf proprietäre Systeme einzelner Ausrüster angewiesen zu sein, können Betreiber flexibler auf technologische Entwicklungen reagieren und neue Funktionen rascher integrieren. Ein Großteil der Steuerung erfolgt über Software, die aus der Ferne aktualisiert werden kann. Das spart Kosten, reduziert die Abhängigkeit von einzelnen Herstellern und erhöht die Innovationskraft.

Auch aus Sicht von Samsung ist die Partnerschaft ein strategischer Schritt. „Inmitten eines transformativen Wandels in der Telekommunikationsbranche ist Samsung Vorreiter bei softwarebasierten und autonomen Netzwerken, darunter vRAN und OpenRAN“, erklärt Woojune Kim, Präsident und Leiter des Geschäftsbereichs Networks bei Samsung Electronics. „Mit unserem technologischen Know-how und unserer langjährigen Erfahrung verschaffen wir unseren Kunden einen Wettbewerbsvorteil bei der Weiterentwicklung ihrer Netzwerke im Zeitalter der KI.“

Mehr Energieeffizienz, mehr Innovationskraft

Neben der technischen Flexibilität verspricht OpenRAN auch Effizienzgewinne. Die Technologie soll die Energieeffizienz an den Mobilfunkmasten verbessern – ein Thema, das angesichts steigender Energiekosten und Nachhaltigkeitszielen immer wichtiger wird. Zudem lassen sich Netzkapazitäten bei Bedarf schneller und kostengünstiger skalieren, etwa bei Großveranstaltungen oder in stark frequentierten Bereichen.

Für die Kunden bedeutet das: Ein schnelleres, sicheres Mobilfunknetz, das flexibler auf Nachfragespitzen reagieren kann. Für Vodafone bedeutet es: Mehr Unabhängigkeit, mehr Wettbewerb unter den Ausrüstern und damit potenziell günstigere Konditionen bei künftigen Ausbauprojekten.

Strategische Neuausrichtung in einem umkämpften Markt

Mit der Entscheidung für Samsung als dritten Ausrüster neben Ericsson und Nokia vollzieht Vodafone eine strategische Neuausrichtung. OpenRAN galt lange als vielversprechendes Konzept, wurde in Europa aber bislang nur zögerlich umgesetzt – unter anderem, weil etablierte Anbieter ihre bestehenden Infrastrukturen nicht kampflos aufgeben und die Integration verschiedener Systeme technisch anspruchsvoll ist.

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