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T‑Mobile streicht Diversity und Gleichstellung – und erhält Deal-Zustimmung

Wenige Tage bevor die US-Regierung zwei Großübernahmen von T‑Mobile genehmigte, erklärte der Konzern das Ende aller Programme zu Vielfalt und Gleichstellung. Die Entscheidung wirft Fragen zum Verhältnis von Konzernwerten und wirtschaftlicher Opportunität auf.

Offizielle Markenkommunikation der Telekom: In Europa steht das Unternehmen für Nähe und Vielfalt. In den USA hat die Tochter T‑Mobile nun entsprechende Programme eingestellt.

© (Quelle: Telekom)

Ein Schreiben an die US-Regulierungsbehörde FCC hat in der vergangenen Woche internationale Aufmerksamkeit erregt: T‑Mobile US, Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom, gab dort das vollständige Ende aller internen Programme zu Diversity, Equity und Inclusion (DEI) bekannt. In der Mitteilung an FCC-Kommissar Brendan Carr heißt es, die Programme seien „nicht nur dem Namen nach, sondern auch in der Sache“ eingestellt worden.

Nur wenige Tage später genehmigte die FCC zwei milliardenschwere Übernahmen durch T‑Mobile: den Kauf großer Teile des US-Mobilfunkanbieters United States Cellular für rund 4,4 Milliarden US-Dollar sowie die Akquisition des Glasfaseranbieters Metronet. Auch das US-Justizministerium beendete zügig seine kartellrechtliche Prüfung.

Der enge zeitliche Zusammenhang lässt wenig Raum für Zufall. Beobachter in den USA werten die DEI-Abschaffung als strategischen Schritt, um mögliche politische Widerstände auf Seiten der republikanisch geführten Behörden abzubauen. Besonders FCC-Kommissar Brendan Carr, ein prominenter Kritiker von DEI-Programmen, dürfte durch das Signal positiv gestimmt worden sein.

In Deutschland stößt die Entscheidung auf Kritik. Organisationen wie Campact werfen dem Konzern vor, sich hierzulande als Förderer gesellschaftlicher Vielfalt zu inszenieren – etwa mit Regenbogenkampagnen zum Christopher Street Day – während in den USA genau dieses Engagement fallengelassen werde, sobald es regulatorisch unbequem wird. Der Vorwurf der Doppelmoral steht im Raum.

Die Deutsche Telekom selbst hat sich bislang nicht öffentlich zu dem Vorgang geäußert. Laut Brancheninformationen sei die Entscheidung ein rein US-bezogener Schritt unter politischem Druck gewesen; die Diversity-Strategie im Konzern bleibe hiervon unberührt. Eine klare Abgrenzung oder kritische Stellungnahme zum Vorgehen der Tochtergesellschaft fehlt jedoch.

Ein weiterer Aspekt, der in der öffentlichen Debatte bislang kaum Beachtung fand: Zeitgleich zur Genehmigung der Deals einigte sich die FCC mit T‑Mobile auf ein Maßnahmenpaket zum Schutz von Netzbau-Subunternehmern. Dazu zählen höhere Vergütungssätze, klarere Vertragsstrukturen und Schutz vor Scheinselbstständigkeit. Beobachter sprechen von einem "Rettungspaket für Auftragnehmer", das ebenfalls als politische Konzession interpretiert werden kann, jedoch in der Medienberichterstattung fast vollständig unterging.

Der Fall T‑Mobile zeigt exemplarisch, wie wirtschaftliche Interessen unter politischem Druck unternehmerische Werte relativieren können. Für die Deutsche Telekom wirft das Verhalten ihrer US-Tochter unbequeme Fragen auf: Was gilt noch als unverrückbares Prinzip? Und was wird zur Verhandlungsmasse, wenn es um Marktanteile geht?

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