Garmin 27.07.2015, 13:30 Uhr

Navi mit Full-HD-Kamera: Die nüviCam im Test

Garmin hat mit der nüviCam ein Navi mit Kamera auf den Markt gebracht. Im Test erwies sich vor allem der Spurhalteassistent als interessantes Zusatz-Feature.
Garmin nüviCam - Frontansicht
nüviCam: Der Fahrspurassistent mit seiner realistischen Anzeige
(Quelle: Telecom Handel)
Eine Kamera im Navi? Das ist eigentlich ein ganz alter Hut, bereits vor vielen Jahren hatten Hersteller wie Navman oder Blaupunkt damit experimentiert. Nun hat Garmin einen neuen Versuch gestartet und die nüviCam mit integrierter Full-HD-Kamera auf den Markt gebracht.
Der Blick auf die Feature-Liste der nüviCam lässt schon mal kaum Wünsche offen: lebenslange Karten-Updates für Gesamteuropa, kostenlose Verkehrsinfos in Echtzeit per DAB+, Freisprecher, Sprachsteuerung und vieles mehr. Eine volle Funktionsliste macht aber noch kein gutes Navi, deshalb haben wir das Gerät auf mehr als 2.000 Kilometern auf Herz und Nieren geprüft.
Die Inbetriebnahme der nüviCam ist sehr einfach, die Halterung saugt sich mittels Klappmechanismus sicher an der Windschutzscheibe fest, und praktischerweise wird das kombinierte Strom- und DAB+-Kabel direkt hier eingesteckt und nicht im Navi. So entfällt das lästige An- und Abstöpseln des Mini-USB-Kabels beim Verlassen des Fahrzeugs. Die Rückseite ist mit einem recht starken Magneten versehen, dank diesem rastet das Gerät immer richtig in der Halterung ein.
Die Kamera der nüviCam kann horizontal geschwenkt werden
Quelle: Telecom Handel
Vor der ersten Fahrt bittet die nüviCam um die korrekte Einstellung der Kamera auf die Fahrbahnmitte. Da die Linse horizontal gedreht werden kann, ist das auch bei Montage abseits der Scheibenmitte möglich. Das Menü ist übersichtlich gestaltet, auch Nutzer anderer Navis dürften sich hier ohne längere Umgewöhnungszeit zurechtfinden. Bei der Zieleingabe werden nicht mehr mögliche Buchstaben nahezu in Echtzeit ausgeblendet, überhaupt hat uns das Navi in puncto Arbeitsgeschwindigkeit gut gefallen. Schön wäre allerdings noch eine Freitextsuche wie bei Google Maps gewesen.
Die Darstellung der Karte ist sehr präzise, beim höchsten Detailgrad stößt der Prozessor aber spürbar an seine Grenzen. Grundsätzlich leidet die Kartenansicht an einer gewissen Überfrachtung, selbst wenn man alle PoI wie Tankstellen oder Geldautomaten ausblendet. Dafür leistet die 3D-Ansicht der nüviCam gerade bei bergigen Strecken gute Dienste, damit lassen sich unter anderem Kurven besser einschätzen. Etwas gestört hat uns die Anzeige des im Grunde zuverlässigen Verkehrsdiensts: Sie zeigt beispielsweise dauerhaft an, dass eine Baustelle auf der Strecke gemeldet wurde – auch wenn diese keine Verzögerung mit sich bringt.

nüviCam: Kamera mit Mehrwerten

Doch nun zum wichtigsten neuen Ausstattungsmerkmal, der Kamera. Sie vereint gleich mehrere Funktionen, so auch einen Spurwarner. Dieser macht sich beim Überfahren einer durchgezogenen Linie optisch und akustisch bemerkbar, allerdings erst ab einer Geschwindigkeit von 65 km/h. Und das ist auch durchaus sinnvoll, denn der Assistent funktioniert so gut, dass er in einer Ortschaft mit vielen Fahrbahnmarkierungen dauernd anschlagen würde. Auf unseren vielen Testkilometern konnten wir die Zahl der Fehlalarme an einer Hand abzählen, hier haben die Entwickler der nüviCam gute Arbeit geleistet.
Ebenfalls gut, aber noch verbesserungswürdig ist der Kollisionswarner, der ab 50 km/h aktiv wird. Bei zu geringer Distanz warnt er, allerdings auch des Öfteren erst dann, wenn es für ein Bremsmanöver schon zu spät wäre. Speziell bei höheren Geschwindigkeiten auf der Autobahn fehlt der Kamera die „Weitsicht“, hier müsste der Alarm deutlich früher losgehen. Dennoch stellt das Feature im Ansatz einen Zugewinn zur alltäglichen Fahrsicherheit dar.
Die dritte Funktion der Kamera mussten wir zum Glück nicht ausprobieren: Die nüviCam dient durch die fortlaufende Aufzeichnung auch als Dashcam, die bei einem Unfall die Minuten davor und danach auf dem Speicher belässt und vor Überschreiben schützt. Im Fall der Fälle dürften die Aufnahmen aber gute Dienste erweisen, denn die Aufnahmequalität war durchwegs gut. Lediglich bei Tunnelein- und -ausfahrten kam es zu einem kurzen Blackscreen, da sich die Kamera auf die veränderten Lichtbedingungen einstellen musste.
Weniger gut gefallen hat uns wiederum die finale Zielführung per Live-Bild, die kurz vor Erreichen des Fahrtziels aktiviert wird. Hier blendet die nüviCam auf das reale Straßenbild eine sich verkürzende Linie sowie ein Fähnchen ein, das den Zielort anzeigt. Gerade im hektischen Großstadtverkehr lenkt der Blick auf diese Ansicht aber mehr ab, als dass er hilfreich wäre. Mit diesem Konzept ist wie oben erwähnt schon Blaupunkt gescheitert, und auch bei der nüviCam hätte man darauf getrost verzichten können.
Quelle: Telecom Handel



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