Netzausbau 23.03.2022, 09:23 Uhr

Vodafone und Telekom schließen 2.000 „graue Flecken“

Vor einem Jahr haben Vodafone und die Telekom vertraglich vereinbart, deutlich mehr als 3.000 sogenannte graue Flecken zu erschließen. Ein Großteil davon ist nun geschafft, wie beide Netzbetreiber mitteilten.
(Quelle: Vodafone)
Durch eine Kooperation der Deutschen Telekom mit Vodafone landen Handy-Kunden auf dem Land nicht mehr so häufig im Funkloch wie früher. Man habe in Deutschland seit vergangenem Jahr mehr als 2.000 „graue Flecken“ geschlossen und sich gegenseitig über das „Network Sharing“ auf die Antennen gelassen, teilten die Firmen mit. Es geht je zur Hälfte um Standorte von der Telekom und von Vodafone. Wer also zum Beispiel das Vodafone-Netz nutzt, hat bundesweit nun gut 1.000 Funklöcher weniger. Mit „grauer Fleck“ ist gemeint, dass dort nur einer der drei deutschen Netzbetreiber funkt - Kunden der anderen beiden haben dort keinen 4G-Empfang.
Laut Bundesnetzagentur umfassen die grauen Flecken noch 6,44 Prozent der Fläche Deutschlands. Dieser Wert ist vom Januar. Im Oktober lag er noch 0,36 Prozentpunkte darüber. Wie groß die Fläche ist, die wegen der Kooperation von Vodafone und Telekom nicht mehr als graue Flecken gelten, teilten die Firmen nicht mit. Besagte 2.000 Standorte wurden zwischen Sommer 2021 und März 2022 aktiviert. Bis Sommer dieses Jahres kommen planmäßig insgesamt etwa 1.000 weitere hinzu.
Den Schulterschluss hatten die Telekom und Vodafone schon 2020 bekannt gegeben. Das Bundeskartellamt hatte damals aber Bedenken - daraufhin kündigten die beiden Firmen an, Antennen auch für Telefónica (O2) zu öffnen, und aus dem Zweierpakt wurde ein Dreierbündnis mit Kooperationen zwischen diesen drei Unternehmen. Das wiederum glättete die Sorgenfalten der Bonner Wettbewerbshüter.
Bei den Kooperationen mit Telefónica ist man in Sachen gemeinsamer Antennen-Nutzung noch nicht so weit. Vielmehr laufen Vorbereitungen für die Umsetzung. Ein Telefónica-Sprecher sagte, dass in den kommenden Monaten die ersten Standorte im Rahmen von Kooperationen aktiviert würden. Insgesamt würden etwa 2.000 eigene Antennen-Standorte freigegeben - ein Teil davon an die Telekom und ein Teil an Vodafone. Im Gegenzug bekommt Telefónica Zugriff auf die gleiche Anzahl von Antennen-Standorten der Konkurrenz.
Manager von Vodafone und Telekom zeigten sich über die Fortschritte ihrer Kooperation zufrieden. Man schaffe mehr Netz für Deutschland und sei dabei „voll auf Kurs“, sagte Vodafone-Deutschlandchef Hannes Ametsreiter. Sein Pendant bei der Telekom, Srini Gopalan, betonte, dass man Kooperationen sehr ernst nehme.

Verbraucherschützer: Branche hat noch viel zu tun

Verbraucherschützer werteten die Fortschritte positiv, äußerten aber auch Kritik. Felix Flosbach von der Verbraucherzentrale NRW wies darauf hin, dass Verbraucher, die in einem Dorf mit bisher nur einem Handynetz lebten, bei der Wahl ihres Netzbetreibers schon seit langem keine Auswahl hätten. "Bessere Angebote anderer Anbieter kommen für sie nicht in Frage - sie sind also in einer schwachen Position." Die Anti-Funklöcher-Allianz der Mobilfunkbranche sei eine gute Nachricht für Verbraucher - "aber es ist bedauerlich, dass das nicht schon viel früher geschehen ist". Zudem gebe es bei der Flächen-Abdeckung zwar Fortschritte, aber die Branche hätte noch viel zu tun.
Auch die weißen Flecken - also Gegenden ganz ohne 4G-Netz - sollen allmählich von der Landkarte verschwinden. Laut Bundesnetzagentur sind das noch rund vier Prozent der Landesfläche. Hierbei kooperieren die Telekommunikationsfirmen ebenfalls - sie lassen bis zum Jahr 2024 neue Funkmasten bauen, an denen sie alle ihre Antennen hängen können.
Warum machen die Wettbewerber überhaupt gemeinsame Sache? Fakt ist, dass ihre Netzabdeckung dadurch ein Stückchen ähnlicher wird. In einem Dorf mit bisher nur einem Handynetz verliert der Betreiber dieses Netzes sein Alleinstellungsmerkmal und die Dorfbewohner könnten zur Konkurrenz wechseln, wenn deren Netz auch verfügbar ist. Solche Effekte dürfte es zwar geben, sie fallen aber wohl nicht sehr stark ins Gewicht. Viel wichtiger ist, dass die Firmen durch die Bündelung ihrer Ausbaukräfte hohe Kosten sparen und bei der Erfüllung von staatlichen Ausbau-Auflagen schneller vorankommen als zuvor.
Es gibt noch einen weiteren Grund zur Hoffnung, dass es zukünftig weniger Funklöcher gibt als heute. Denn eine Anfang 2021 gegründete "Mobilfunkinfrastrukturgesellschaft" des Bundes startete unlängst ihren ersten Förderaufruf - für ein Funkloch im Bayerischen Wald liegt nun Fördergeld bereit, damit dort ein Mast errichtet wird.
Zahlreiche weitere Funklöcher will die Bundesgesellschaft mit insgesamt 1,1 Milliarden Euro Fördergeld schließen. Die Einrichtung ist für die Funklöcher zuständig, bei denen die Mobilfunkbranche den Ausbau nicht selbst schultern will. Besagter Förderaufruf macht Hoffnung, dass selbst die "schwierigen Fälle" unter den Funklöchern angegangen werden. Er machte aber auch deutlich, dass der Kampf gegen die "Keine Verbindung"-Anzeige auf dem Handydisplay eine langwierige Sache ist: Der Funkmast, der in der bayerischen Marktgemeinde Lam entstehen soll, wird frühestens Ende 2023 fertiggestellt werden.




Das könnte Sie auch interessieren