Bewerbungen 22.02.2016, 14:31 Uhr

Best Ager auf Jobsuche

Obwohl Unternehmen nach erfahrenen Mitarbeitern suchen, scheiden ältere Bewerber oft schon in der ersten Runde aus. Der Fehler liegt häufig im System.
Mann im Gespräch mit Frauen
(Quelle: shutterstock.com/seyomedo )
Peter F. hätte niemals damit gerechnet, dass ihm das einmal passieren könnte: Der 50-Jährige sucht seit 15 Monaten einen neuen Job, zuerst noch voller Zuversicht, schließlich ist er erfahrener Verkäufer in der ITK-Branche. Nach unzähligen Bewerbungen, einigen Vorstellungsgesprächen und vielen Absagen schwindet allerdings die Hoffnung auf einen neuen Job – und auch sein Erspartes. Er fürchtet, dass er nun endgültig zum alten Eisen gehört.
„Peter F. ist kein Einzelfall, im Gegenteil“, sagt Sabine Hildebrandt-Woeckel, sie ist Inhaberin von Job40Plus in München und veranstaltet Recruiting-Messen für ältere Mitarbeiter. Dabei könnten Unternehmen durchaus profitieren, wenn sie erfahrene Kandidaten einstellen würden – frei nach dem Motto: „Der Junge arbeitet schneller, der Alte kennt die Abkürzung.“ Ältere Mitarbeiter seien zudem meist loyaler und würden dem Unternehmen bis zur Rente treu bleiben, um nur einige Vorteile zu nennen. 
Sabine Hildebrandt-Woeckel, Inhaberin von Job40Plus: "Der Junge arbeitet schneller, der Alte kennt die Abkürzung."
Quelle: Job40Plus
Kandidaten, die sich auf dem herkömmlichen Weg bei Unternehmen bewerben, würden aber häufig schon zu Beginn ausgesiebt, erklärt sie. „Viele Unternehmen nutzen Portale mit hinterlegten Datenbanken für ihr Recruiting“, so Hildebrandt-Woeckel. Die dort hinterlegten Fragen nach Qualifikationen oder Abschlüssen seien aber nach aktuellen Definitionen vorgegeben. Deshalb könne es passieren, dass ein Bewerber zwar die nötigen Fertigkeiten für eine vakante Position mitbringt, er aber keine Möglichkeit hat, diese in den vorgegebenen Feldern unterzubringen, schlichtweg weil die Zertifikate vor 20 Jahren anders bezeichnet wurden als heute. „Die Systeme wurden einfach für jüngere Mitarbeiter entwickelt“, so ihr Resümee.
Aber auch wenn keine Datenbank für die Vorauswahl genutzt wird, haben laut der Karriereexpertin ältere Bewerber oft keine Chance, die zweite Runde zu erreichen. „Die Entscheider in der ersten Phase sind häufig junge Mitarbeiter, die frisch von der Uni kommen, wenig Erfahrung haben und Kandidaten jenseits der 40 oft ausselektieren“, berichtet sie. Um diese Einstiegshürden zu umgehen, sollten Kandidaten einen Kontakt zum Unternehmen herstellen, noch bevor sie die Bewerbung losschicken, sei es über Online-Portale wie Xing oder Linkedin, auf Messen oder über Beziehungen. Über die Jahre hinweg haben sie schließlich ein Netzwerk in der Branche aufgebaut, das sie gerade in dieser Phase für sich nutzen sollten.


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