Baygraph-Analyse 11.02.2019, 10:59 Uhr

eBay.de zählt rund 146.000 gewerbliche Händler

Das eBay-Analysetool Baygraph hat seinen Datenschatz geöffnet und erlaubt interessante Einblicke in die Händler-Realität des 2018 wieder erstarkten Branchen-Dinosauriers eBay.
(Quelle: shutterstock.com/Denis Radovanovic )
Der schon als Branchen-Dinosaurier verschriene Online-Marktplatz eBay hat ein aufsehenerregendes Jahr hinter sich gebracht. Seit Sommer 2018 brennt eBay ein Neuheitenfeuerwerk ab, das die Branche durch seine Vielfalt und Innovationsfreude aufhorchen ließ.
Im September ging "Catch by eBay" online, eine Wish-ähnliche Plattform, die das eBay-Sortiment speziell für junge, App-affine Schnäppchenjäger kuratiert. Kurz darauf gab eBay eine Kooperation mit Idealo ­bekannt, mit der es möglich ist, eBay-Produkte per Direktkauf auf der Seite des Preisvergleichers zu kaufen. Kurze Zeit später brachte eBay dann mit einem eigenen Fulfillment-Angebot eine händlerfreundliche, gut durchdachte Alternative zu Fulfillment by Amazon (FBA) auf den Markt. Kurz vor dem Weihnachtsgeschäft kam das von der Händlerschaft lange ­geforderte Multirabatt-Tool, mit dem Händler ihren Kunden Staffelpreise einräumen können. Und zuletzt brachte der Online-Marktplatz mit der attraktiven Bildersuche einen echten Trumpf gegenüber dem Amazon-Angebot nach Deutschland.  
"2018 war definitiv eBays Jahr", meint Mark Steier, Wortfilter.de-Betreiber und Veranstalter der eBay Seller Konferenz, die 1.500 eBay-Händler nach Köln lockte. "Der Marktplatz ist aufgewacht und wehrt sich gegen Amazons Übermacht, indem er sich auf seine eigentliche Stärke konzen­triert - seine Händlercommunity."
Ins gleiche Horn stieß auch Bob Kupbens, Vice President Seller und Marketplace Operations bei eBay.inc, Anfang Januar in einem Unternehmens-Podcast: eBay wolle sich 2019 stärker dem Verkäuferschutz widmen, so der Manager. "Ob es sich nun um einen Artikel handelt, der nicht der Beschreibung entspricht, um betrügerische Rückgaben oder andere Dinge: Wir wissen, dass es einige Probleme gibt und wir werden im Jahr 2019 einige Verkäuferschutzmaßnahmen aufbauen", sagte Kupbens. 

Die Zahl der eBay-Händler

Alles in allem lohnt es sich also 2019, den altbekannten Branchendino mal wieder genauer unter die Lupe zu nehmen. Genau das hat sich der Hamburger eBay-Händler und Entwickler Michael Groß mit seinem Tool Baygraph vorgenommen. Das Tool erfasst sämtliche auf allen internationalen eBay-Marktplätzen gelisteten Produkte und wertet die erfassten Daten aus, um ­Artikelrankings auf dem Marktplatz zu tracken.
Für unsere Schwesterzeitschrift INTERNET WORLD BUSINESS erstellte Groß übergreifende Auswertungen aus seinem Tool und erlaubt damit spannende Einblicke in einige Zahlen, die eBay Deutschland selbst in der ­Regel nicht kommuniziert.
So spricht der Marktplatz zwar gern über die Zahl der auf eBay Deutschland aktiven Käufer - über 17 Millionen sollen es sein -, hält sich aber bedeckt zu der Zahl seiner Händler. Laut Groß Tool Baygraph listen derzeit rund 146.000 gewerbliche Verkäuferaccounts Angebote auf eBay.de. 
Quelle: Baygraph

Die wichtigsten Produktkategorien

Spannend ist auch ein Blick auf die für den Marktplatz wichtigsten Produktkategorien. So sind die mit Abstand meisten Produkte auf eBay.de Smartphones sowie das passende Zubehör wie Ladekabel oder Schutzhüllen. Rechnet man jedoch alle gelisteten Artikel aus den Bereichen Kleidung und Accessoires zusammen, zeigt sich, dass der Bereich Mode auf eBay ­eine offenbar unterschätzte Kategorie ist - ­addiert man auch noch Herren- und ­Damenmode, finden sich über 22 Millionen Kleidungsstücke auf dem Marktplatz. Die Tatsache, dass mehr als doppelt so viele Modeartikel für Männer wie für Frauen angeboten werden, erlaubt Rückschlüsse hinsichtlich der Geschlechteraufteilung der eBay-Zielgruppe. Das klassische Marktplatzgeschäft mit Büchern und CDs, mit dem eBay, ähnlich wie Amazon, groß geworden ist, scheint dagegen, ­genau wie beim mächtigen Konkurrenten, an Bedeutung zu verlieren.  
Dagegen sind unter den aktivsten und am besten bewerteten Händlern auf eBay.de weiterhin einige, die sich ihrerseits mit dem Wiederverkauf von gebrauchten ­Büchern und PC-Spielen am Markt positioniert haben. Spitzenreiter ist (wie schon seit Jahren) Medimops, der eBay-Account des Recommerce-Spezialisten Momox. Aber auch dessen Hauptkonkurrent Rebuy sowie die britischen Recommerce-Anbieter Wordery und Zoomonline finden sich in den Top 10. Interessant ist dagegen die Platzierung von Media-Markt und Saturn in den Top 10: Die Elektronikketten verkaufen erst seit rund drei Jahren auf dem Online-Marktplatz, haben es aber dennoch geschafft, ältere etablierte Verkäufer aus der Rangliste zu verdrängen. 
Quelle: Baygraph

Zwei Drittel der eBay-Seller berechnen Versandkosten

Auch andere interessante Fakten verrät die Baygraph-Auswertung: So erheben rund zwei Drittel der deutschen eBay-Händler Versandkosten, und nur rund 13.000 der über 146.0000 Verkäufer listen Produkte unter dem letztes Jahr von eBay mit großem Marketing-Tamtam eingeführte Premium-Versandlabel eBay Plus.
Groß lässt seine Baygraph-Auswertung seit Mitte letzten Jahres laufen; noch ist es daher zu früh, aus dem Tool zeitliche Entwicklungen abzulesen. Langfristig will der Entwickler aber auch Aussagen über die Umsatzentwicklung der eBay-Händler treffen können. Mark Steier, der mit Groß an den Baygraph-Daten arbeitet, wagt schon jetzt eine Prognose: "Die Daten weisen darauf hin, dass die deutschen eBay-Händler 2018 ihren Umsatz im oberen einstelligen Bereich steigern konnten. Händler, die ihre Angebote aktiv optimierten, wuchsen gut zweistellig."



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